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Gen-Kennzeichnung: Nebelwerfen statt Transparenz

Archivmeldung vom 18.03.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.03.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Seit geraumer Zeit schwelt zwischen Verbrauchern und weiten Teilen der Lebensmittelindustrie ein Konflikt: Die einen wollen keine Gentechnik im Essen, die anderen würden sie uns am liebsten intravenös verabreichen.

Jahrelang hat die Industrie erfolgreich Versuche abgewehrt, die zu einer besseren Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Gentechnik geführt hätten. Irgendwann jedoch hatte der Druck der Verbraucher soviel atü, dass neue Ventile einen Rohrbruch verhindern mussten und die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Zutaten aus gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verpflichtend wurde. Neue Regeln für die Kennzeichnung von Gentechnik in Lebensmitteln und Tierfutter wurden zuletzt im April 2004 beschlossen.

Seit einem Jahr können Lebensmittelproduzenten ihre Produkte darüber hinaus mit dem Label Ohne Gentechnik des Landwirtschaftsministeriums versehen, freiwillig und nur wenn in den Zutaten nullkommanull Gentechnik steckt. Immer lauter werden außerdem die Stimmen, die fordern, dass künftig auch die Verwendung von GVO-Tierfutter bei der Herstellung auf der Verpackung vermerkt werden muss.

Um das zu verhindern, ist der Bundesverband der deutschen Ernährungsindustrie neuerdings auf eine andere Strategie umgeschwenkt und fordert lautstark, die Gentechnik-Kennzeichung noch viel weiter auszudehnen: Sie solle auch noch jene Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln umfassen, die ihrerseits mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt worden sind. Bis zu achtzig Prozent aller Lebensmittel müssten gekennzeichnet werden. Ein gewiefter Schachzug: Man schlägt die Gentechnik-Gegner mit ihren eigenen Mitteln und bricht scheinbar noch eine Lanze für mehr Transparenz im Supermarktregal.

Den Verbrauchern wird suggeriert, dass Widerstand im Grunde zwecklos sei, da wir längst am Tropf der Gentechnik hängen. Der Genlobby-Hofschreiber Michael Miersch bezeichnet Essen ohne Gentechnik dementsprechend als Schein und Illusion, die weltfremde Volksverdummung fortschritthassender Ökos. Und die freiwillige Kennzeichnung Ohne Gentechnik wurde von Verbäden wie dem Deutschen Raiffeisenverband, dem Deutschen Bauernverband und dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) schon vorher als Verbrauchertäuschung und Etikettenschwindel diffamiert.

Man könnte all das als systematische Desinformierung bezeichnen.

Es stimmt, dass eine Vielzahl von Zusatzstoffen, Vitaminen und Aromen mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wird, auch wenn sie selbst nicht gentechnisch verändert worden sind. Zwischen diesen Mikroorganismen und der Verwendung von GVO-Tierfutter gibt es dennoch gravierende Unterschiede.

Wer sich gegen Gentechnik im Essen entscheidet, tut dies nicht nur aus Sorge um die eigene Gesundheit oder weil er Abstriche beim kulinarischen Genuss fürchtet. Die Entscheidung gegen Gentechnik im Essen ist in erster Linie eine Entscheidung gegen ein System. Es ist die Entscheidung gegen Machtstrukturen, die dafür sorgen, dass eine Handvoll Agro-Konzerne kontrollieren, was auf dem Teller landet auf Kosten von Mensch und Natur.

Wegen dieses Systems geraten Bauern in existenzielle Abhängigkeit von Agro-Konzernen, bilden sich Superunkräuter, die zu steigendem Pestizideinsatz führen, bedrohen Monokulturen aus Gen-Pflanzen die Biodiversität und sind einmal in die Natur entlassen nie wieder rückholbar.

Eben weil ein Großteil der weltweit angebauten genmanipulierten Pflanzen zu Tierfutter verarbeitet wird, ist GVO-Tierfutter integraler Bestandteil dieses kranken Systems. Die GVO-Mikroorganismen, die in geschlossenen Anlagen Vitamine und Aromen produzieren, sind es nicht. Die Verbraucher wissen, dass eine Unterscheidung sinnvoll ist. Das wiederum weiß die Industrie. Deshalb verlegt sie sich jetzt aufs Nebelwerfen, statt wirkliche Transparenz zuzulassen.

Quelle: Greenpeace e.V.

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