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Westdeutsche Zeitung: In Syrien geht es längst nicht mehr nur um den Sturz Assads

Archivmeldung vom 07.08.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 07.08.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Keine zwei Monate hat sich der syrische Ministerpräsident Riad Hidschab im Amt gehalten - jetzt setzte er sich wie etliche andere zuvor aus dem Führungszirkel von Baschar al-Assad ins Ausland ab. Die Machtbasis des Regimes in Damaskus erodiert. Womöglich ist es nur noch eine Frage von Wochen oder gar Tagen, bis die Aufständischen ihre Fahne auf dem Präsidentenpalast hissen werden. Die Frage ist nur: Welche Fahne?

Denn in Syrien geht es nicht mehr darum, einen autokratischen Herrscher zu stürzen. Aus dem Bürgerkrieg ist längst ein Religions- und Stellvertreterkrieg geworden. Ein Krieg, der auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen wird und gefährliche Folgen hat für die gesamte Region. Letztlich ist es ein Kampf um die Vormachtstellung im Mittleren Osten mit Saudi-Arabien und seinen sunnitischen Partnern auf der einen und dem schiitischen Iran auf der anderen Seite. So beliefern Riad und Katar die einzelnen Rebellen-Gruppierungen munter mit Waffen, Geld und Material. Warum? Weil ein sunnitisch-regiertes Syrien ein Bollwerk wäre gegen Teheran und die schiitische Hisbollah im Libanon. Weil mit einem starken Partner in Damaskus die Macht Teherans über die globalen Ölmärkte begrenzt würde. Auch Russland hat strategische und geopolitische Interessen. Moskau hält an seinem Verbündeten Assad fest, weil es den Einfluss des Westens begrenzen will. Jetzt rächt es sich, dass sich die Staatengemeinschaft in den vergangenen Jahren nicht um die russischen Befindlichkeiten geschert hat - weder in Fragen der Nato-Erweiterung noch beim Aufbau einer Raketenabwehr. Man muss kein Prophet sein um zu ahnen, dass Syrien nach dem Sturz Assads zu einem Pulverfass wird. Ein Krieg zwischen den Religionsgemeinschaften dürfte Jordanien, Irak, Libanon und nicht zuletzt das Nato-Mitglied Türkei destabilisieren. Zudem wittern die Radikal-Islamisten die Chance, ihre Ideologie im Schlüsselland des Mittleren Ostens zu verankern. So werden die vermeintlichen Sieger, die sich in religiösen und ideologischen Fragen spinnefeind sind, für den Westen weder berechenbare Verbündete sein, noch für ein friedensstiftendes Gleichgewicht in der Region sorgen. Von Demokratie ganz zu schweigen.

Quelle: Westdeutsche Zeitung (ots)

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