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Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Afghanistan

Archivmeldung vom 05.06.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.06.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Niemand sollte sich davon irritieren lassen, dass in Kabul zeitgleich moderne Raketen einschlagen und nebenan unbeirrt über Wege zum Waffenstillstand nach alter Väter Sitte palavert wird. Das Land ist im Krieg, beinahe wie immer, und es ringt um Frieden, auch fast wie immer.

Die afghanische Tradition kennt nur eine Loya Dschirga, also eine »Große«, aber keine »Friedens«-Dschirga. Diese Randbemerkung erklärt, dass sich niemand vom Treffen der 1600 zu viel versprechen sollte. Umgekehrt gilt: der Appell zu Gesprächen mit gemäßigten Taliban  oder auch die Forderung nach Freilassung »fehlgeleiteter« Islamisten ist kein Muss, sondern eine Kann-Regelung. Eine Dschirga ist für uns Deutsche am ehesten vergleichbar mit einer Fürstenversammlung im Mittelalter. Dabei ist nicht die Versammlungsform total von gestern, sondern unsere Erwartungshaltung gegenüber den Afghanen von übermorgen. Demokratie, Wahlen, Verfassung und Gleichheit aller Bürger passen nicht in deren Weltsicht und System. Dennoch erwarten wir, dass es funktioniert. Wie vermessen!

Quelle: Westfalen-Blatt

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