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Koalition der Verlierer

Archivmeldung vom 06.04.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.04.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić

Sie wollen es wissen: Rund zwei Monate nachdem sie mit ihrem Plan einer Übernahme der Aareal Bank gescheitert sind, starten die Finanzinvestoren Centerbridge und Advent einen neuen Anlauf, diesmal mit den Aktionärsaktivisten Teleios Capital und Petrus Advisers, dem britischen Hedgefonds Talomon sowie dem tschechischen Investor Daniel Kretínský im Schlepptau. Weil ihre Bietergesellschaft sich damit vorab Zugriff auf 37 Prozent der Stimmrechte gesichert hat, sollte es nicht verwundern, wenn sie diesmal zum Zuge käme und die bundesweit erste Übernahme eines börsennotierten Finanzinstituts durch Private Equity verzögert perfekt machen würde.

Es ist eine Koalition der Verlierer. Denn nach aufwendigen Vorbereitungen waren Centerbridge und Advent im vergangenen Herbst mit dem Anspruch angetreten, dass eine Mindestannahmequote von 70 Prozent für ein Angebot von ursprünglich noch 29 Euro je Aktie ihnen und dem Management den Rücken stärkt bei dem Vorhaben, den Immobilienfinanzierer nach ihren Vorstellungen zu formen.

Nun ist von höchstens 60 Prozent Zustimmung zu einem Gebot von, trotz Ukra­ine-Kriegs, inzwischen 33 Euro je Aktie die Rede. Vor allem aber hat sich Private Equity das Wohlwollen von Teleios und Petrus sichern müssen, die sich bisher vehement für eine Abspaltung der Aareal-Software-Tochter Aareon einsetzen. Um einen solchen Spin-off zu verhindern, hatte Aareal 2020 aber eigens Advent als langfristigen Partner von Aareon präsentiert und mit 30 Prozent an der IT-Tochter beteiligt. Teleios und Petrus wiederum müssen sich in die Einsicht fügen, dass ihr 2019 bzw. 2020 gestarteter Vorstoß, ihre Agenda durchzusetzen, nun mit einem Anteil ohne Stimmrechte an der Bietergesellschaft landet - am Katzentisch von Private Equity.

Wie lange dieser Burgfrieden hält, wird eher in Monaten denn in Jahren zu zählen sein: auf der einen Seite Finanzinvestoren, die den Aktivisten misstrauisch begegnen, auf der anderen Seite Akteure wie Petrus, die in den vergangenen Monaten etwa "Scheitern heißt Advent/Centerbridge" dekretierten, wenn sie nicht gerade dem Vorstand der Aareal Bank rechtliche Schritte androhten oder gar die Rechtmäßigkeit der Stimmenauszählung auf der Hauptversammlung in Zweifel zogen. Man begrüße, dass die Bieterin ihr Angebot "deutlich erhöht" habe, sagt Petrus-Manager Klaus Umek zur um gerade einmal 6 Prozent oder 2 Euro verbesserten Offerte, deren Aufstockung mit Berücksichtigung der Dividende auf rund 1 Prozent schrumpft. So hören sich Verlierer an. Der jüngste Kurssprung zeigt, dass der Markt ihnen folgt.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Bernd Neubacher

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