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Kohlekraftwerk ist besser als 3500 Windräder

Archivmeldung vom 14.11.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 14.11.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

In Wilhelmshaven hat nach einem mehr als einjährigen Probebetrieb das modernste Steinkohlekraftwerk in der Bundesrepublik den kommerziellen Betrieb aufgenommen. Das Engie-Kraftwerk wurde von dem französischen Energiekonzern GDF-Suez gebaut und hat einen extrem geringen Brennstoffverbrauch zur Stromerzeugung. Damit ist es das effektivste Kraftwerk in Deutschland. Es ist weit wirtschaftlicher als Windstrom-, Solarstrom- oder Biogasstrom-Anlagen.

Nach den Angaben in der Wilhelmshavener Zeitung und im Internet hat das neue Kraftwerk eine Leistung von 731 Megawatt (MW). Die Baukosten lagen bei mehr als einer Milliarde Euro. Es soll im Jahr 5,5 Milliarden Kilowattstunden (kWh) in das Netz einspeisen. Das ist etwa ein Prozent des gesamten Strombedarfs in Deutschland und die Hälfte der Windstromerzeugung in Niedersachsen. Mit einem Wirkungsgrad von 46 Prozent braucht das Kraftwerk über 20 Prozent weniger Kohle als ältere Anlagen. Die Stromerzeugungskosten dürften bei etwa 4,5 Cent/kWh liegen.

Die Frage ist nun, können regenerative Energieanlagen anstelle dieses Kraftwerks die Stromversorgung sichern und wirtschaftlich Strom liefern? Diese Frage soll beantwortet werden. Denn viele Politiker und oft selbst ernannter Energieexperten fordern, Deutschland im Jahr 2050 ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen zu versorgen. Windgeneratoren sollen dafür das Rückgrat bilden. Daher wird das neue Kraftwerk mit Windgeneratoren verglichen, die im Jahr die gleiche Strommenge produzieren.

Es sind über 3500 Windgeneratoren mit einer installierten Leistung von je 1 MW erforderlich, um im Jahr gleichfalls 5,5 Milliarden Kilowattstunden Strom zu erzeugen. Die Investitionskosten belaufen sich auf 4 Milliarden Euro.

Hoher Flächenverbrauch

Nach Angaben von Wikipedia werden durch Fundamente, Wartungsplätze und Zuwegungen der 3500 Windgeneratoren 3,6 Quadratkilometer Fläche versiegelt. Das ist mehr als das Zehnfache der durch das Kraftwerk versiegelten Fläche. Als Gesamtfläche benötigen die Windgeneratoren jedoch das Hundertfache der versiegelten Fläche, also 360 Quadratkilometer. Das ist etwa die Fläche zwischen Emden und Wilhelmshaven entlang der Küste mit einer Tiefe von 6 Kilometern. Die Gesamtfläche des Kohlekraftwerks liegt deutlich unter einem Quadratkilometer.

Hohe Stromkosten

Strom von Windgeneratoren an Land wird nach dem unsozialen Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) mit 9 Cent/kWh vergütet. Der Windstrom ist also doppelt so teuer wie der Strom aus dem Kohlekraftwerk. Die Erzeugungskosten liegen bei etwa 7 Cent/kWh. Windkraftbetreiber an der Küste haben also Dank des EEG eine Umsatzrendite von mehr als 20 Prozent. Der teure EEG-Strom muss bevorzugt in das Netz eingespeist werden. Erst nachrangig darf auch der preiswerte Steinkohlenstrom folgen. Das unsoziale EEG erhöht so den Strompreis mit jeder weiteren Ökostromanlage zu Lasten der breiten Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen und zum Nutzen der Betreiber. Das EEG ist eine gesetzliche Umverteilung von unten nach oben.

Die installierte Leistung der Windgeneratoren ist fast fünfmal höher als die Leistung des Kraftwerks. Bei Starkwind erzeugen die Windgeneratoren daher deutlich mehr Strom als das Kraftwerk, der jedoch in den meisten Fällen nicht benötigt wird. Windgeneratoren müssen dann abgeschaltet werden, um das Netz nicht zu überlasten. Die Betreiber stört das nicht. Sie bekommen eine Entschädigung für den nicht gebrauchten und auch nicht gelieferten Strom nach dem EEG. Die Entschädigungsleistungen belaufen sich zurzeit auf 100 Millionen Euro im Jahr. Mit jeder weiteren Windturbine müssen die Entschädigungsleistungen steigen und damit der Strompreis. Der Bäcker, der zu viel Brötchen gebacken hat, bekommt dagegen keine Entschädigung, wenn er auf seinen Brötchen sitzen bleibt.

Keine Versorgungssicherheit

Windstrom ist wetterwendisch und damit nicht berechenbar und planbar. Wettervorhersagen sind ja immer noch Glücksache. Die Leistung der Windstromanlagen wechselt zwischen Null bei Flauten und der installierten Leistung bei Starkwind und richtet sich nicht nach dem Bedarf. Die Leistung schwankt mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Sinkt die Windgeschwindigkeit auf die Hälfte, geht die Leistung auf ein Achtel zurück. Mit einem solchen wetterwendischen Strom lässt sich kein einziger Haushalt versorgen. Es ist also falsch, wenn in Medien mitgeteilt wird, ein Windpark könne einige tausend Haushalte mit Strom versorgen. Der Hinweis, es müsste nur der überflüssige Strom gespeichert werden, um ihn dann bei Bedarf wieder abzugeben, geht ins Leere. Es sind bis heute keine wirtschaftlichen Speicher bekannt oder denkbar für die Speicherung der großen Überschussmengen. Daher muss für die Windgeneratoren noch ein Kohle- oder Gaskraftwerk bereit stehen, das bei zu wenig Windleistung einspringt. Denn die Stromerzeugung im Kohlekraftwerk kann geplant und nach dem Bedarf geregelt werden. Das Kohlekraftwerk Wilhelmshaven kann ohne Probleme über eine Million Haushalte sicher mit Strom versorgen.

Hoher Wirkungsgrad bringt mehr als Windstromausbau

Das neue Kraftwerk in Wilhelmshaven hat einen Wirkungsgrad von 46 Prozent. Das sind etwa 9 Prozent mehr als der Durchschnitt aller deutschen Kohlekraftwerke. Werden alle Kohlekraftwerke auf diesen Standard gebracht, kann mit der gleichen Kohlemenge 24 Prozent mehr Strom produziert werden. Das ist mehr als die über 25.000 Windgeneratoren in Deutschland erzeugen können. Die Modernisierung des Kohlekraftwerkparks bringt also weit mehr als der weitere Ausbau der teuren und unsozialen Ökostromanlagen. Doch statt Verbesserungen an den preiswerten und sicher planbaren Kohlekraftwerken zu unterstützen, verdammen Politiker aller Parteien Kohlekraftwerke als „Dreckschleudern“. So werden die Strompreise weiter kräftig steigen und die Versorgungssicherheit sinkt.

Netzausbau verteuert Strom weiter

Die dezentralen Windgeneratoren erfordern einen Ausbau oder Neubau der Leitungen zu den nächsten Umspannwerken. Dort müssen mehr Transformatoren den Strom auf höhere Spannung bringen. Die weiter führenden Leitungen müssen wegen größerer Strommengen verstärkt werden. Hierzu sind Milliardenbeträge erforderlich, die die Netzgebühren und damit den Strompreis weiter in die Höhe treiben. Dies sind verdeckte Kosten der „Energiewende“. Auch noch andere Wendekosten sind in den Netzgebühren versteckt, um die ausgewiesenen EEG-Kosten niedrig zu halten. Nach einem Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung übersteigen inzwischen die durch die Wende verursachten Netzkosten die ausgewiesenen EEG-Kosten.

Fakten statt Ideologie

Die Energieexperten vom Stromverbraucherschutz NAEB e.V. haben diese Gegenüberstellung gemacht als Anregung für die Mitbürger, sich selbst ein sachliches Bild über unsere Stromversorgung und deren Kosten zu machen. Ideologische Vorstellungen sind der falsche Weg.

Quelle: Kommentar von Prof. Dr. Hans-Günter Appel (Beiratsvorsitzender NAEB e.V.)

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