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Wahlkampf vor Trümmern: Top-Politiker im Katastrophen-TV

Archivmeldung vom 21.07.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.07.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Auf einmal ist die Flutkatastrophe im Westen und Süden Deutschlands zum Hintergrund des Wahlkampfes geworden. Die Hauptakteure des Bundestagswahlrennens müssen auf unbekanntem und höchst dramatischem Terrain auftreten. Die Fernsehbilder sprechen dabei Bände – selbst wenn die Akteure dabei schweigen.

„Wie bestellt“ hatte die Naturkatastrophe das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) am stärksten getroffen. Das Unglück bot dem dortigen Ministerpräsidenten und bis dahin aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) den Anlass, noch häufiger auf den Bildschirmen zu erscheinen. Der NRW-Chef nahm diese Gelegenheit notgedrungenermaßen wahr. Ob er davon wirklich profitieren wird, steht auf einem anderen Blatt.

Politik in Gummistiefeln

Dabei war Laschet nicht der erste deutsche Top-Politiker, der im Vorfeld der Wahlen Gummistiefel aus dem Abstellschrank hervorholen musste. Im Sommer 2002 zeigte sich etwa der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in diesem Schuhwerk und mit grünem Anorak im überfluteten Grimma (Sachsen). Wenig später gewann die SPD das äußerst knappe Wahlrennen. Angela Merkel stand beim Hochwasser im Sommer 2013 mit einem Sandsack vor den Kameras. Im September 2013 wurde sie wiedergewählt.

Laschets Gummistiefel-Image wirkt bisher weniger überzeugend. Mag sein, dass seine randlose Brille oder sein stets blendend weißes Hemd nicht wirklich zu diesem Image passen. Ganz zu schweigen von den Bildern des lachenden und feixenden Kanzlerkandidaten im Rücken des anteilsvoll redenden Bundespräsidenten, der gerade seine Betroffenheit zum Ausdruck brachte. Mag sein, dass gerade diese Fernsehbilder den Ausgang des Wahlrennens am Ende des Tages mitentscheiden werden.

„Fernsehbilder sind Rohbilder, sie kommen ohne Untertitel, ohne Erklärung, ohne Begründungs- und Rechtfertigungsmöglichkeit – aber sie prägen das Bild, das andere von Kanzlerinnen oder Kanzlerkandidaten haben, sie prägen es unwiderruflich“, schrieb „Die Welt“.

Tausende Likes für „Muttis“ Bild

In dieser Hinsicht hat Laschet von der Noch-Kanzlerin noch einiges zu lernen: Bei ihrem Besuch am Sonntag in Rheinland-Pfalz fiel Merkel für keine Sekunde aus ihrer „Mutti“-Rolle. MerkelsIhre Geste, als sie Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei der Hand nahm und Schulter an Schulter mit ihr eine ganze Weile durch die Trümmer trottelte, lieferte ein nahezu rührendes medienwirksames Bild, das anschließend auf Twitter Tausende Likes erntete.

Auch der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz wirkte den Umständen entsprechend betroffen, aber auch überaus korrekt und sachlich, als er im Katastrophengebiet im Fernsehen erschien. Bei seinem Besuch in Rheinland-Pfalz wurde der schlicht casual gekleidete Vizekanzler zusammen mit Ministerpräsidentin Dreyer sogar in Atemschutzmasken gezeigt – also fast schon übertrieben korrekt.

Spielen etwa die öffentlich-rechtlichen Sender der SPD im Vorfeld der Wahlen mit solchen Bildern unterschwellig in die Hand? Auf solche Verschwörungshypothesen könnten so manche Zuschauer, die sich diese Bilder anschauten, ohne weiteres kommen – besonders aber nachdem der „Tagesschau“-Chefsprecher Jens Riewa dem Kanzlerkandidaten der Union innerhalb einer Nachrichtensendung gleich zweimal den Namen „Bernd“ verpasste:

„Wir warten jetzt auf das soeben begonnene Statement vom NRW-Ministerpräsidenten Bernd Laschet.“ Und: „Nach dem Bundespräsidenten stellte sich nun also NRW-Ministerpräsident Bernd Laschet der Presse.“

Das besonders Peinliche und Doppeldeutige dabei: Gerade der verheerende Zyklon über Mitteleuropa war wenige Tage zuvor auf „Bernd“ getauft worden.

Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat indessen in all den Tagen Kameras gemieden. „Sie wollten keine Journalisten dabeihaben. Hatten Sie so große Angst vor dem Vorwurf der Instrumentalisierung?“ wurde sie nach der Rückkehr aus dem Katastrophengebiet nach Berlin vom „Spiegel“ gefragt. „Nein, es ging mir darum, wirklich zuhören und auch trösten zu können“, erwiderte sie. Und fügte hinzu: „Da macht es einen Unterschied, ob Kameras laufen oder nicht.“

Quelle: SNA News (Deutschland)

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