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LVZ: Alles, nur nicht den Jackpot!

Archivmeldung vom 31.01.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 31.01.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Na, wie war dieses Gefühl beim Ankreuzen in der Lotto-Annahmestelle? Eiskalte Finger, Schweiß auf der Stirn, Euro-Zeichen vor den Augen? Was wäre, wenn? Ein ganz persönliches Konjunkturpaket vielleicht mit Porsche und Villa am See, Banknotenbündel für die Verwandschaft, ein Schutzschirm für die Enkel und russischer Kaviar für die Katze?

Tja, wer so denkt, der ist trotz klarer Symptome Opfer des häufig unterschätzten Lotto-Fiebers geworden, eines Rauschs aus unheilvoller Euphorisierung und Größenwahn. Denn in Wahrheit ist ein Lottogewinn so beinahe das Furchtbarste, was einem Menschen im Leben zustoßen kann. Das wird Betroffenen aber erst nach dem Knacken des Jackpots klar, wenn es längst zu spät ist ... Dann nämlich braucht der Gewinner auf einen Schlag: einen erfahrenen Psychologen, der das Unfassbare zu verarbeiten hilft, einen anerkannten Kardiologen, der die Herzrhythmus-Störungen eindämmt, einen selbstlosen Finanzberater, der die Kohle vor dem raschen Verdampfen auf dem Finanzmarkt bewahrt, einen unerschrockenen Vorkoster, der die Pralinen der engeren Verwandschaft prüft, knallharte Bodyguards mit Fremdenlegion-Erfahrung für Villa und Porsche, einen nichtpädophilen Chauffeur für die Enkel, einen tiermediatorisch geschulten Fitnesstrainer für die verfettete Katze und einen Exclusive-First-Chief-Supervisor-Director of Management (mit Stellvertreter, Sekretärin und Beraterstab), der den unüberschaubar gewordenen Laden zusammenhält. Dämmert es? Im Gegensatz zu Spanien, wo in der größten Lotterie derWelt der Hauptpreis El Gordo (der Dicke) ganze Belegschaften und Dörfer trifft und wochenlang in Fiesta-Laune versetzt, steht der deutsche Lotto-Gewinner nämlich in der Regel ganz allein mit seinen Millionen da. Dänemark verteilt nicht ohne Grund Broschüren mit dem Titel "Erste Hilfe für Lottomillionäre". Und aus den USA ist bekannt, dass dort etwa jeder dritte Gewinner früher oder später Pleite geht, zum Opfer von Überfällen wird oder eines unnatürlichen Todes stirbt. Wollen Sie das wirklich? Die Devise kann deshalb nur lauten:Alles, nur nicht den Jackpot! Falls das Unheil aber nicht mehr aufzuhalten und der Tipp-Schein schon im Hause ist, hilft jetzt nur noch eines: Licht aus, Fernseher aus und Beten, dass es höchstens ein Dreier wird. Und den Lotto-Schein sicherheitshalber so lange unterm Kopfkissen verstecken, bis der Gewinn restlos verfallen ist.

Quelle: Leipziger Volkszeitung

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