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Westdeutsche Zeitung: Krise und Karneval

Archivmeldung vom 24.02.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.02.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Als der bayerische Räuber Mathias Kneißl an einem Montag im Jahr 1901 zum Tode verurteilt wurde, da soll er gesagt haben: "De Woch fangt scho guat o". Das ist sicher ein extremes Beispiel für Galgenhumor in einer aussichtslosen Situation.

Ganz so schlimm geht es uns noch nicht mit der Wirtschafts- und Finanzkrise, auch wenn bedeutende Chefanalysten noch bedeutenderer Banken die Apokalypse geradezu herbeiprognostizieren wollen. Umso wichtiger ist es, dass wir den Frohsinn Aschermittwoch angesichts der vielen Probleme nicht komplett ablegen. Wir sollten es mit Sigmund Freud halten: Der Humor ist nicht resigniert, er ist lustvoll-trotzig. Kurz: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Nun wird ja den Deutschen gerne unterstellt, sie seien bierernste Typen, neigten zum Pessimismus und hätten einen Hang, Probleme zu übertreiben. Nicht ohne Grund hat sich das deutsche Wort "Weltschmerz" international etabliert - ebenso wie "German Angst". Tatsache aber ist, dass sich Deutschland während der Konjunkturflaute zu Beginn des Jahrzehnts deutlich besser aufgestellt hat als andere Nationen. Mit einer generellen Veränderungsfeindlichkeit als Folge einer ängstlichen Haltung ist das kaum vereinbar. Und humorlos sind wir schon gar nicht. Wir müssen uns nur trauen! Guter Humor befreit. Er deeskaliert. Er hilft uns, unangenehme Situationen durchzustehen. Guter Humor verstellt nicht den Blick auf die Realität, er zeichnet sie - etwa mit Hilfe der Ironie - klarer konturiert. Der Spott freilich ist eine besondere Form des Humors. Hier kommt ein aggressives Element dazu, das sich gegen andere richtet, aktuell zum Beispiel gegen raffgierige Bonus-Banker. Ist das nun verwerflich? Im Gegenteil: Es ist dringend nötig. Seit Jahr und Tag gehört der Spott zum närrischen Treiben im Karneval. Diesmal ist diese Ventil-Funktion besonders wichtig. Wie anders sollte man es sonst aushalten, dass einige superreiche Investment-Schnösel die Weltwirtschaft ruiniert und die Staatshaushalte geplündert haben, als darüber herzhaft zu lachen? Halten wir es also wie die Gekreuzigten in Monty Pythons "Das Leben des Brian" und pfeifen: "Always look on the bright side of life" (Schau immer auf die Sonnenseite des Lebens). Gerade jetzt.

Quelle: Westdeutsche Zeitung (von Alexander Marinos)

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