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Westdeutsche Zeitung: Oskar Lafontaine verlässt die bundespolitische Bühne

Archivmeldung vom 25.01.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.01.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Oskar Lafontaine wäre nicht Oskar Lafontaine, wenn er der Linken gegen Ende seiner Dienstzeit in der Bundespolitik geordnete Verhältnisse hinterlassen hätte. Schon 1999, als er der SPD Knall auf Fall das Finanzministerium und den Parteivorsitz hinwarf, ließ er Ratlosigkeit zurück. Nun, wo der Rückzug aus Berlin mit Ansage und einsichtiger Begründung erfolgt, bleibt eine zerstrittene Linkspartei zurück, die im Streit um Lafontaine noch schnell ihren Geschäftsführer geopfert hat.

Dietmar Bartsch im Bundestag in der zweiten Reihe, Lothar Bisky weitab im Europaparlament, Oskar Lafontaine im Landtag von Saarbrücken - der Linkspartei bleibt nur noch Gregor Gysi und die politische Heimat im Osten. Die linke Partei, das beschreibt Gysi sehr richtig, hätte es ohne Lafontaine so nicht gegeben.

Wird die Linkspartei nun wieder zerfallen - nämlich in ihre drei Wurzeln der SED-Nachfolger, der SPD-Unzufriedenen und der DKP-Wirrköpfe? Oder bietet der Rückzug Lafontaines, der seine ehemalige sozialdemokratische Heimat zuletzt als Feindesland betrachtet hatte, eine Chance für ein künftig unverkrampfteres Miteinander von SPD, Linken und Grünen? Vielleicht schon im NRW-Wahlkampf, dessen heiße Phase unmittelbar bevorsteht?

Zunächst einmal muss sich die Linkspartei neu sortieren, bevor sie auf Partnersuche geht. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel spricht ihr - vor allem mit Blick auf die Wahlen an Rhein und Ruhr - zu Recht jegliche Regierungstauglichkeit ab. Aber Berlin ist weit, und Hannelore Kraft, die SPD-Vorsitzende in Düsseldorf, mag sich weiterhin und vielleicht gerade jetzt nicht festlegen. Sie bietet unzufriedenen Mitgliedern der Linkspartei den Wechsel zur SPD an. Was dann in NRW übrig bleibt, kann man sich unschwer ausmalen: Linke Radikale, die unsere Gesellschaft von Grund auf verändern, vereinheitlichen, sozialisieren wollen. Ein Experiment, das nach bitteren vier Jahrzehnten in Ostdeutschland im Abfalleimer der Geschichte landete. Und das mit sozialdemokratischer und grüner Politik absolut nicht kompatibel ist.

Dem Menschen Oskar Lafontaine gilt Bedauern für seine schwere Krankheit und Respekt für seinen Rückzug. Der Politiker Lafontaine hinterlässt Deutschland nichts, was Wert hat.

Quelle: Westdeutsche Zeitung

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