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WAZ: Brüderles Krokodilstränen

Archivmeldung vom 30.03.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 30.03.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Ostern naht. Für einige ADAC-Manager ist das die Zeit, ein Ritual zu pflegen: Alle Jahre wieder sehen sie sich in der Karwoche von steigenden Spritpreisen umzingelt und werfen den Öl-Multis "Preiswucher" vor. Einige Boulevard-Zeitungen basteln daraus umgehend "Benzin-Wut"-Schlagzeilen, was bei bestimmten Politikern automatisch empörte Erklärungen auslöst.

Gestern war es wieder soweit. Verkehrsminister Ramsauer ließ wissen, wie unerträglich es sei, dass die Ölkonzerne pünktlich zur Hauptreisezeit an der Preisschraube drehten. Dumm nur, dass die Spritpreise seit Wochen Achterbahn fahren - was ein Zeichen für einen harten Preiskampf ist. Am Montag kostete der Liter Super bei vier nebeneinander liegenden Tankstellen in Essen zwischen 1,36 und 1,46 Euro. Von Preisabsprachen also keine Spur. Dennoch hat sich auch Wirtschaftsminister Brüderle "mächtig geärgert": 1,44 pro Liter Super - "das ist schon happig". Stimmt. Das ist vor allem auch deshalb happig, weil der Staat von den 1,44 Euro pro Liter Super knapp 90 Cent Steuern und Abgaben kassiert. Vor lauter Krokodilstränen sieht Brüderle offenbar nicht mehr, dass der Öl-Reibach zwischen Förderung und Verarbeitung gemacht wird. An den Zapfsäulen sind die Gewinne eher mager. Das werden die vielen mittelständischen Tankstellenbetreiber dem Minister gerne bestätigen.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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