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WAZ: Obamas Rückzieher. Yes, we can - doch nicht

Archivmeldung vom 15.05.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.05.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Eine Welle der Begeisterung hat US-Präsident Barack Obama ins Weiße Haus getragen - begleitet von Hoffnungen und Erwartungen. Change - Wandel - hat er versprochen und mit der Politik seines Vorgängers gebrochen.

Klimaschutz? Die USA machen mit! Iran? Keine Tabus! Irak? Wir leiten den geordneten Rückzug ein! Afghanistan? Wir verstärken Truppen und zivile Aufbauhilfe! Guantánamo? Wird geschlossen! Folter? Amerika foltert nicht! "Niemand steht über dem Recht", sagt Obama. So hat der Senator aus Chicago die Wahlen gewonnen. Doch seine mitreißende Dreiwortprogrammatik - Yes, we can - gerät im Oval Office aus den Fugen. Yes, we can - doch nicht! sagt er jetzt. Der erste schwarze Präsident im Weißen Haus macht Bekanntschaft mit dem Grau des Alltags. Und seine Anhängerschaft in aller Welt mit ihm.

Vaclav Havel, der frühere tschechische Staatschef, hatte dem Präsidenten geraten, nie mehr zu versprechen, als er halten könne. Denn wer Hoffnungen weckt, die nicht rasch in Erfüllung gehen, muss mit Enttäuschung und Zorn rechnen. Was Obama nun entgegenschlägt, ist der Anfang einer enttäuschten Liebe. Doch der US-Präsident muss nicht everybody's darling sein. Er muss amerikanische Interessen vertreten - nach innen und nach außen. Und die sehen im Amt anders aus als im Wahlkampf.

Deshalb stehen den Obama-Fans harte Zeiten bevor. Denn der Präsident hat ein schweres Erbe angetreten. Er muss unbequeme Entscheidungen treffen. Nur ein Beispiel: Was macht Obama, wenn der Iran seine ausgestreckte Hand nicht annimmt? Wie reagiert er, wenn das Basteln an der Atombombe weitere Fortschritte macht? So sehr es sich der US-Präsident auch wünschen würde, nicht nur als erster schwarzer Präsident in die Geschichte einzugehen, sondern als erster Präsident, der die atomwaffenfreie Welt ein großes Stück vorangebracht hat, so unrealistisch ist es.

Obama hat Träume, aber ein Träumer ist er nicht. Er ist in der Wirklichkeit angekommen. Sein Nein zur Veröffentlichung der neuen Folter-Bilder gehört dazu. Die Fotos würden die Rufe nach strafrechtlichen Konsequenzen für die Verantwortlichen wieder verstärken. Ex-Vize-Präsident Cheney gibt unumwunden zu, Folterpraktiken genehmigt zu haben, auch Ex-Präsident Bush habe davon gewusst. Vor einem solchen Untersuchungsverfahren aber schreckt Obama zurück. Es würde das Land zerreißen. Und das ist das Letzte, was Amerika in der großen Krise braucht. 

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung (von Gudrun Büscher)

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