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Neue OZ: Kommentar zu Island

Archivmeldung vom 23.01.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.01.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Bis zur dramatischen Entwicklung auf Island im Herbst war die Finanzkrise oft theoretisch. Aber im Nordatlantik wurde nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman greifbar, was auch anderen Ländern in noch größerem Maßstab droht: wirtschaftlicher Beinahe-Bankrott, Verfall der Währung, radikale Verarmung.

Deshalb lassen auch die Proteste aufhorchen. Für isländische Verhältnisse sind sie erheblich. Krawalle in Griechenland, rabiate Streiks in Spanien - so etwas kennt man. Aber sie passen nicht zum gängigen Island-Bild, selbst wenn dieses von beliebten Skandinavien-Klischees verzerrt sein mag. Die Vorgänge in Reykjavik sind somit ein Warnsignal. Die Gefahr einer gesellschaftlichen Radikalisierung mit gravierenden politischen Verschiebungen besteht durchaus - wenn schon auf Island, dann woanders erst recht.

Der Blick auf die Insel ruft übrigens auch in Erinnerung, wie international die Krise ist. Bei aller Berliner Bankenhilfe und den Debatten um Pakete für Bürger und Branchen droht dies derzeit aus dem Blick zu geraten. Das deutsche Engagement in den Gremien etwa von EU und IWF war zuletzt jedenfalls kaum wahrnehmbar. Nach dem national orientierten Kraftakt der jüngsten Wochen gehört dies jetzt dringend auf die Tagesordnung.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung

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