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Der Fall Wilhelm Reich

Archivmeldung vom 28.09.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.09.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Der Beitrag enthält am Ende des Textbereichs ein Video. Bild: Hills (David Rasche) präsentiert den umstrittenen Orgon-Akkumulator vor Gericht. Quelle: (c) Eva Kees
Der Beitrag enthält am Ende des Textbereichs ein Video. Bild: Hills (David Rasche) präsentiert den umstrittenen Orgon-Akkumulator vor Gericht. Quelle: (c) Eva Kees

In der letzten Woche wurde in der Hochschule in Fulda ein Film über einen Mann aufgeführt, der trotz seines vielfältigen Wirkens größtenteils in Vergessenheit geraten ist. Es handelt sich um den österreichischen Psychiater und Grenzforscher Wilhelm Reich. Bevor die Filmvorführung begann, stellte Thomas Harms, Vorsitzender der Wilhelm Reich Gesellschaft, als Einleitung einige wichtige Lebensabschnitte und Entwicklungen des Forschers in einer kurzen Präsentation vor. Über die Veranstaltung informieren wir hier in der Sendereihe "ExtremNews unterwegs ...". Im Anschluss des gezeigten Films "Der Fall Wilhelm Reich" stand Thomas Harms dem ExtremNews Kamerateam noch für ein Interview zur Verfügung.

Kinoplakat von "Der Fall Wilhelm Reich"
Kinoplakat von "Der Fall Wilhelm Reich"

Wilhelm Reich wurde am 24. März 1897 in der Bukowina im östlichsten Zipfel des damaligen Österreich-Ungarn geboren. Er wurde zuhause auf dem elterlichen Landgut von Privatlehrern unterrichtet, bis er auf das Gymnasium von Czernowitz ging. Mit einem dieser Privatlehrer unterhielt Reichs Mutter zeitweilig eine intime Beziehung, die der etwa elfjährige Wilhelm entdeckte. Seine Mutter verübte Suizid, als er vierzehn war; sein Vater wurde depressiv, erkrankte und starb 1914. Die dramatischen Erlebnisse bereiteten Reich noch viele Jahre später schwere Schuldgefühle. Mit siebzehn Jahren musste er die Leitung des Gutsbetriebes übernehmen, wurde aber 1915 durch einrückende russische Truppen zur Flucht gezwungen. Er trat der k.u.k.-Armee bei und blieb bis zum Kriegsende 1918 im Militärdienst.

In der Beschreibung über Reichs weiteres Leben steht auf der Filmpresseseite: "Noch als Student wurde Wilhelm Reich 1920 von Sigmund Freud in die Wiener Psychoanalytische Gesellschaft aufgenommen und ein Jahrzehnt später wieder verstoßen. Zu sehr missfielen seinem Lehrmeister seine Theorien über die Funktion des Orgasmus, seine Beschäftigung mit psychosomatischen Denkansätzen und seine temporäre Hinwendung zum Kommunismus.

Reich praktizierte als Psychoanalytiker und schrieb wegweisende Bücher wie "Der Einbruch der Sexualmoral" (1932), "Die Massenpsychologie des Faschismus" (1933) und "Die Funktion des Orgasmus" (1942). Seine letzten Lebensjahre waren von der Erforschung der Orgon-Energie geprägt, deren freier Fluss für ihn die wesentliche Voraussetzung physischer und psychischer Gesundheit war.

In den düsteren McCarthy-Jahren wurde er mit seinen unorthodoxen Therapiemethoden und seiner fundamentalen Kritik an der Atomforschung zur Zielscheibe der Gesundheitsbehörde. Entgegen einer gerichtlichen Anordnung setzte Reich seine Arbeit fort. Zu zwei Jahren Haft verurteilt, starb er 1957 unter ungeklärten Umständen in seiner Gefängniszelle. Zehn Jahre nach seinem Tod wurde Wilhelm Reich zu einem der intellektuellen Leitbilder der 68er-Generation."

Die Filmhandlung

In der Beschreibung des Films heißt es: "Wilhelm Reich (Klaus Maria Brandauer) muss 1939 vor den Nazis, die seine Schriften verbrennen, in die USA fliehen. Hier, im "Land der Freiheit", hofft der österreichische Psychiater und Grenzforscher seine Forschungsarbeiten fortsetzen zu können.

Intensiv beschäftigt sich der Psychoanalytiker mit der von ihm entwickelten Orgon-Therapie und konstruiert neben dem "Orgon-Akkumulator" auch den "Cloudbuster", eine Maschine, die Regen produzieren soll. Besonders fasziniert Wilhelm Reich die Suche nach der ursprünglichen Energie des Lebens, die er mit aller Kraft vorantreibt. Tochter Eva (Julia Jentsch), die nach Jahren wieder zu ihrem Vater gefunden hat und seine jetzige Frau Ilse (Jeannette Hain) unterstützen ihn dabei.

Aber schon lange steht Reich im Blickfeld der unerbittlichen Kommunistenjäger McCarthys und der US-Gesundheitsbehörde. Als ehemaliger Kommunist und wegen seiner unorthodoxen Therapiemethoden wird er beschattet und abgehört. Ein Mensch wie Reich, der das Individuelle im Menschen entfesseln will, passt nicht in ihr rigides System. Die Ermittler schrecken auch nicht davor zurück, Reichs Mitarbeiterin Aurora (Birgit Minichmayr) unter massiven Druck zu setzen.

Auch unter den Psychiatern hat Reich viele Gegner, die seine Ideen ablehnen. Die Hetzjagd beginnt, der Wissenschaftler soll zu Fall gebracht werden. Er widersetzt sich wiederholt gerichtlichen Anordnungen und wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Kurz vor seiner Entlassung stirbt Wilhelm Reich 1957 unter mysteriösen Umständen im Gefängnis…"

Im Interview mit ExtremNews sagte der Bremer Psychologe, Körperpsychotherapeut, Entwickler der Emotionellen Ersten Hilfe und Vorsitzender der Wilhelm Reich Gesellschaft, Thomas Harms, dass der Film in großen Teilen biografisch aufgebaut ist. Allerdings durfte, obwohl man es versucht hatte, nicht an den Originalschauplätzen in Amerika gedreht werden. In der Handlung selbst gibt es nur ein Fiktion-Element und zwar die Rolle der letzten Lebenspartnerin von Wilhelm Reich, Aurora. Es gibt zwar tatsächlich mysteriöse Umstände im Zusammenhang mit ihr, aber diese haben sich weitgehend in letzter Zeit erklären lassen. So seien auch die von Aurora entnommenen Unterlagen wieder aufgetaucht und dem Archiv zugefügt worden. Die Observation durch den Geheimdienst beruhe aber auf wahre Begebenheiten.

Unser  Fazit zum Film:

Regisseur Antonin Svoboda ist mit "Der Fall Wilhelm Reich" ein hervorragend wissenschaftsgeschichtlicher und kulturhistorisch inhaltsreicher Film gelungen, der den Zuschauer emotional berührt ohne dabei zu veruteilen. Das Drama kommt außerdem löblicherweise ohne die von Hollywood Blockbustern gewohnten Actioneffekte aus. Dies lässt Kritiker, die scheinbar hochwertige künstlerische Filme nicht mehr gewohnt sind, das Werk als langweilig einstufen.

Es ist allerdings empfehlenswert, dass sich der Zuschauer vorab über das Leben von Wilhelm Reich informiert, damit die Zusammenhänge und Hintergründe besser verständlich sind. Dies ist aber keine negative Kritik am Film, denn bei dem umfangreichen Wirken von Wilhelm Reich ist es vollkommen unmöglich, diesen ganzen Komplex in einem Film darzustellen. Es ist aber eine weitere Erklärung dafür, warum der Film von Antonin Svoboda, vollkommen unberechtigt bei vielen Kritikern so schlecht ankommt. 

Ganz unabhängig von den unterschiedlichen Kritiken und ob man den Film mag oder nicht, hat der Film "Der Fall Wilhelm Reich" sein Ziel damit erreicht, wenn es gelingt, dass der Psychoanalytiker, Arzt und Naturforscher Wilhelm Reich ins Gedächtnis der Menschen zurückgeholt wird und man über ihn die Arbeiten des faszinierendsten und strittigsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts spricht und diskutiert. Seine Werke sind es wirklich Wert, näher betrachtet und nicht als esoterische Spinnereien abgetan zu werden. Die Einstufung von Reichs Arbeiten als Esoterik, zeigt nur, dass diejenigen, die dies tun, seine Forschungserkenntnisse und Gerätschaften nicht begriffen haben. Daher können wir jedem, der sich ernsthaft mit der Person und dessen Tätigkeit beschäftigen und auseinandersetzen will, uneingeschränkt empfehlen, sich den Film anzusehen. Für die unseres Erachtens notwendigen Vorabinformationen über Wilhelm Reich - insofern man sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat - haben wir anschließenden die dreißig minütige Sendung "ExtremNews unterwegs ..." mit größeren Auszügen aus der einleitenden Präsentation und ein Interview mit Thomas Harms sowie den Trailer zum Film angefügt. Außerdem haben wir diesen Beitrag mit einigen Links zu weiterführenden Informationen versehen. 

Daten zum Kinofilm: Der Fall Wilhelm Reich

Österreich 2012. Buch & Regie: Antonin Svoboda, Kamera: Martin Gschlacht, Oliver Neumann, Darsteller: Klaus Maria Brandauer, Julia Jentsch, Jamie Sives, Birgit Minichmayr, Gary Lewis u..a.; 110 Minuten, FSK o..A.

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