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"Verzaubert und verdrängt - die Karriere des Magiers Kalanag"

Freigeschaltet am 11.02.2021 um 12:34 durch André Ott
Mit einer Truppe von bis zu 80 Mitwirkenden bereiste Kalanag die Welt. Bild: SWR/Siftung Zauberkunst Fotograf: SWR - Das Erste
Mit einer Truppe von bis zu 80 Mitwirkenden bereiste Kalanag die Welt. Bild: SWR/Siftung Zauberkunst Fotograf: SWR - Das Erste

Er war eine der schillerndsten Figuren der deutschen Unterhaltungsbranche: Der Magier und Filmproduzent Helmut Schreiber, alias Kalanag. Er verantwortete antisemitische Propagandafilme für die Nationalsozialisten und galt als "Hofmagier" von Hitler, Goebbels und Göring. Nach 1945 begeisterte er ein internationales Publikum mit aufregend exotischen Zaubershows.

Kalanag und seine Showpartnerin Gloria waren auch privat ein Paar. Bild: SWR/Siftung Zauberkunst Fotograf: SWR - Das Erste
Kalanag und seine Showpartnerin Gloria waren auch privat ein Paar. Bild: SWR/Siftung Zauberkunst Fotograf: SWR - Das Erste

Der Film schildert die Karriere eines Zauberkünstlers, dem es von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis zur Bundesrepublik gelang, mit Tricks, Täuschung und Tücke immer wieder aufs Neue zu den Gewinnern zu gehören. "Verzaubert und verdrängt - die Karriere des Magiers Kalanag" von Oliver Schwehm ist zu sehen am Montag, 22.3.2021 um 23:35 Uhr im Ersten und danach für ein Jahr in der ARD Mediathek abrufbar. Im Film wird bisher noch nie veröffentlichtes Archivmaterial gezeigt. Sprecher ist Schauspieler Ben Becker.

Unterhaltung als Beruf und Hobby

Als "Hofmagier der Nazis" trat der 1903 in Backnang geborene Schreiber mehrfach vor Hitler auf dem Obersalzberg auf und zauberte vor Goebbels' Tischgesellschaften. Gleichzeitig verantwortete er hauptberuflich nationalsozialistische Propaganda- und Durchhaltefilme, zunächst bei der Tobis, später bei der Bavaria, wo er 1942 sogar zum Produktionschef und Mitglied der Geschäftsführung aufstieg. Nach 1945 - als die Amerikaner ihm untersagen, weiter im Filmgeschäft zu arbeiten - machte er kurzerhand sein Hobby zum Beruf und startete unter dem Künstlernamen Kalanag eine internationale Karriere als einer der weltweit größten Magier der Nachkriegszeit.

Exotik und Illusion

In einer Zeit, in der noch nicht in jedem Wohnzimmer ein Fernseher stand, wurde Schreiber ein Star. Mit seiner Gattin Gloria und einer Truppe von 80 Künstler*innen, Musiker*innen und Tänzerinnen bereiste er die Welt. In perfekt inszenierten Revuen mit exotischen Kulissen ließ er in aufwändigen Großillusionen Autos verschwinden, Mädchen dreiteilen und endlos Bier, Wein und Champagner aus gläsernen Karaffen fließen. Als Ende der 1950er Jahre die Regierung Adenauer die "Freies Fernsehen GmbH" als regierungsnahes privatrechtliches Gegengewicht zur ARD gründen wollte, wurde Helmut Schreiber schließlich für den Posten des künftigen Unterhaltungsdirektors verpflichtet. Hätte das Bundesverfassungsgericht nicht Adenauers Projekt gestoppt, wäre es eine letzte erstaunliche Wendung im Leben des Helmut Schreiber gewesen. Er starb am 24. Dezember 1963.

Der Magier der Mächtigen und der einfachen Leute

Die Dokumentation "Verzaubert und verdrängt - die Karriere des Magiers Kalanag" von Oliver Schwehm, in der Historiker und Weggefährt*innen Helmut Schreibers zu Wort kommen und bisher nie veröffentlichtes Archivmaterial zu sehen ist, schildert die Karriere eines Großmeisters der Illusion, der es verstand, immer zu den Gewinnern zu gehören. Der sich von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis in die junge Bundesrepublik hinein drei Systemen nahtlos anpasste und sich immer wieder durchsetzte.

Stimmen aus dem Film

Rolf Aurich (Deutsche Kinemathek, Berlin): "Hat Helmut Schreiber tatsächlich über eine Moral verfügt? Ist das ein Empfindungsbereich, den er überhaupt zur Verfügung hatte? Da wäre ich sehr am Zweifeln." Lieselotte Littobarski (ehemalige Sekretärin von Kalanag): "Ich muss ehrlich sagen, als ich das Bild sah, die Gloria auf der einen Seite, Kalanag auf der anderen, in der Mitte Adolf Hitler... da ist für mich eine Welt zusammengebrochen." Malte Herwig (Journalist und Kalanag-Biograf): "Kalanag als Person zeigt, dass die Stunde Null eigentlich die größte Illusion der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts ist. Die Stunde Null hat es nie gegeben. Es hat nichts neu und von vorne angefangen. Die Menschen waren die Alten. Die Idee, dass alles auf null resettet wird und man neu anfangen kann - das ist letztendlich ein gigantischer Zaubertrick."

Quelle: SWR - Das Erste (ots)

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