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Lenin kam nur bis Lüdenscheid

Archivmeldung vom 13.06.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.06.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

"Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die Weltrevolution bereits geglückt", erinnert sich der 1964 in Solingen geborene Richard David Precht an den linken Kosmos seiner Kindheit.

Der Dokumentarfilm "Lenin kam nur bis Lüdenscheid", der auf dem gleichnamigen Buch des Bestseller-Autors basiert, liefert eine unverklärte Sicht - den unvoreingenommenen Blick eines Kindes - auf ein wichtiges Kapitel der jüngsten deutschen Geschichte und gleichzeitig ein Fallbeispiel, das die 68er in ein neues, ebenso unterhaltsames wie erhellendes Licht rückt.

1964 ist das Jahr, in dem Bundeskanzler Ludwig Erhard die Ablehnung der Oder-Neisse-Grenze zwischen Deutschland und Polen bekräftigt, der Oberste Sowjet Nikita Chruschtschow in Russland sämtliche Ämter verliert und die ersten Menschen in Solingen und anderswo gegen die Gefahr eines Atomkrieges demonstrieren. Während sich das Gesicht der Welt auf dem globalen politischen Parkett tiefgreifend verändert, versucht eine Solinger Familie, sich und ihren Kindern ein kleines linkes Universum inmitten kapitalistischen Feindeslandes zu konstruieren. Vater Precht liest Marx und Engels, während Sohn Richard die Rauschebärte der Avantgarde mit dem des Tiervaters Brehm verwechselt. Überhaupt entwirft der Junge in seinem Kinderzimmer seine ganz eigene Welt - einen Mikrokosmos, der vieles durcheinander wirft: Die DDR stellt er sich als riesigen, durch eine hohe Mauer geschützten Zoo vor - er hatte gelesen, dass der Tierpark Berlin-Ost tatsächlich der größte der Welt sei. Mutter Precht trennt scharf zwischen Gut und Böse, sozialistischen Werten und kapitalistischer Verdummung. "Coca-Cola" ist zu Hause ebenso verpönt wie "Raumschiff Enterprise". Richard und seine Geschwister dürfen "Asterix" lesen, weil das französisch, also irgendwie subversiv ist und die Römer die Besatzer sind - so ähnlich wie die Amerikaner.

Der Film ist eine liebevolle Auseinandersetzung mit der Wucht idealistischer Erziehung, die so fortschrittlich daherkam, aber ein Kind nicht wirklich auf die Zukunft vorbereitete. Mit (selbst-)ironischem Blick zeichnen der Autor Richard David Precht und der Kölner Dokumentarfilmregisseur André Schäfer eine Kindheit in der westdeutschen Provinz nach - und bringen die großen Ereignisse jener Jahre in ganz andere, kleinere und sehr private Zusammenhänge.

"Lenin kam nur bis Lüdenscheid" ist eine Koproduktion der Kölner Produktionsfirma FLORIANFILM, des WDR und SWR, gefördert von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen. Die Redaktion haben Jutta Krug (WDR, federführend) und Gudrun Hanke-El Ghomri (SWR). Richard David Precht erzählt seine ganz eigene Geschichte; dazu arbeitet der Film auch mit heute inszenierten, zum Teil in Super 8 gedrehten Familienszenen. Neben zahlreichen Fotos aus dem Familienarchiv der Prechts schöpft der Film aus einem großen Fundus von Archivschätzen: aus der Solinger Provinz, aus Vietnam, Berlin, vom DKP-Zeltlager in Lüdenscheid und schließlich vom Mauerfall und dem Erwachsenwerden, wo diese Geschichte endet.

Quelle: ARD Das Erste

 

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