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ZDF-"Terra X"-Doku: Archäologische Funde stellen Geschlechterrollen in der Geschichte infrage

Archivmeldung vom 08.07.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.07.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Bild: "obs/ZDF/Jens Boeck"
Bild: "obs/ZDF/Jens Boeck"

Steinzeitliche Künstlerinnen, reiche Fürstinnen aus der Bronzezeit und kämpfende Wikingerinnen - gab es sie tatsächlich? Die "Terra X"-Dokumentation "Mächtige Männer - Ohnmächtige Frauen?" zeigt am Sonntag, 12. Juli 2020, 19.30 Uhr im ZDF, wie eine neue Forschergeneration mithilfe moderner Analyseverfahren die klassischen Rollenbilder von Mann und Frau auf den Prüfstand stellt.

Der Film von Birgit Tanner und Carsten Gutschmidt, der bereits jetzt in der ZDFmediathek unter https://terra-x.zdf.de zu finden ist, berichtet von aktuellen Grabungen und deckt archäologische Irrtümer auf.

Beispielhaft ist ein Fall in Stockholm: In der Wikingerstadt Birka entdeckten Archäologen zur Jahrhundertwende ein Grab mit Schwertern, Pferden, Pfeil und Bogen. Lange Zeit zweifelte niemand daran, dass dies das Grab eines Wikingers, eines Kriegers, war. Vor Kurzem aber haben Forscher der Universität Stockholm die Knochen mittels DNA-Analyse untersucht und festgestellt, dass das Grab einer Frau, einer Kriegerin, gehörte.

Bisher ging die Forschung davon aus, dass Männer die Kunst erfunden haben. Die meisten Höhlenmalereien, zum Beispiel in der berühmten Höhle von Lascaux, werden als Jagddarstellungen oder als Beschwörung von Beutetieren gedeutet. Damit bietet sich der Jäger auch als Künstler an, denn wer wäre dem wild lebenden Tier sonst so nah gekommen, um es detailgenau abbilden zu können. An der Universität von Liverpool untersuchten der Archäologe Anthony Sinclair und der forensische Biologe Randolph Quinney Handabdrücke, die vor 35.000 Jahren ebenfalls in Lascaux hinterlassen wurden. Die Überraschung war groß, als sie nachweisen konnten, dass ein beachtlicher Teil der gefundenen Abdrücke von Frauen stammte.

In der chinesischen Provinz Henan graben sich Archäologen durch die Überbleibsel aus mehreren Jahrtausenden. Mithilfe der Isotopenanalyse lassen sich aus den Funden Lebensstil, Essgewohnheiten und sozialer Status der ehemaligen Siedler rekonstruieren. Das Ergebnis ist erstaunlich: Vor der Agrarrevolution, also dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht, im Übergang zur Bronzezeit, gab es keinen sozialen Unterschied zwischen Mann und Frau. Erst mit dem Aufkommen von Besitz wurden Frauen offenbar sozial abgewertet.

Quelle: ZDF (ots)

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