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60 Jahre Wissens- und Technologietransfer in der Edelsteinregion Idar-Oberstein

Archivmeldung vom 06.05.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.05.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Quarz ist ein Hauptbestandteil von Granit. Das Mineral kann in verschiedenen Farbvarianten vorkommen und dadurch Edelsteinqualität erlangen, etwa als Amethyst, Rosenquarz, Citrin oder Rauchquarz. Quarz ist auch der wesentliche Grundstoff paläolithischer Werkzeuge (Steinbeil, Foto Mitte) und dient als synthetisch gezüchteter Kristall in Uhren als Schwingquarz (Foto unten).
Quarz ist ein Hauptbestandteil von Granit. Das Mineral kann in verschiedenen Farbvarianten vorkommen und dadurch Edelsteinqualität erlangen, etwa als Amethyst, Rosenquarz, Citrin oder Rauchquarz. Quarz ist auch der wesentliche Grundstoff paläolithischer Werkzeuge (Steinbeil, Foto Mitte) und dient als synthetisch gezüchteter Kristall in Uhren als Schwingquarz (Foto unten).

Foto: privat

60 Jahre nachhaltiger Wissens- und Technologietransfer: Das Institut für Edelsteinforschung Idar-Oberstein ist eine der ältesten und noch immer erfolgreichen Einrichtungen zum aktiven Transfer von Expertise und Erfahrung in Wissenschaft und Technologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Das Institut für Edelsteinforschung hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten nicht nur die Kooperation zwischen Wirtschaft und Universität gefördert, sondern auch für Studium und Lehre an der JGU interessante Möglichkeiten eröffnet.

„Die Region um Idar-Oberstein nimmt bis zum heutigen Tage eine international herausragende Stellung auf dem Edelsteinsektor ein und wir wollen die künftige Entwicklung in diesem Bereich mit dem Institut für Edelsteinforschung weiter begleiten und unterstützen“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister, Vizepräsident für Forschung und Leiter der AG Geomaterial- und Edelsteinforschung an der JGU, zu dem 60-jährigen Jubiläum.

Am 14. Mai 1948 wurde in Idar-Oberstein das Edelsteinforschungsinstitut an der Industrie- und Handelskammer gegründet, um dem wieder aufblühenden Edelsteingewerbe in Handel, Verarbeitung und Gestaltung eine wissenschaftliche Basis zu schaffen. In relativ kurzer Zeit kam es zur Zusammenarbeit mit dem Mineralogischen Institut der JGU, das nach Wiedereröffnung der Universität im Jahr 1946 eingerichtet worden war. Der Marshallplan half dabei, die beiden Einrichtungen so auszustatten, dass sich erste Erfolge bei Forschungsarbeiten an Edelsteinmaterial einstellten.

Mit Unterstützung des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Unterricht und Kultus wurde das Edelsteinforschungsinstitut – nach seinem ersten Leiter „Schlossmacher-Institut“ genannt – im Frühjahr 1955 als Außeninstitut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angegliedert. Im Vorlesungsverzeichnis der JGU vom Sommersemester 1956 ist dazu bereits folgender Eintrag zu lesen: „Das Institut dient einerseits der wissenschaftlichen Forschung und Lehre der Universität Mainz, andererseits technischen Interessen der Edelsteinindustrie in Idar-Oberstein. Leiter des Instituts ist Professor Dr. Schlossmacher. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit erfolgt über das Mineralogische Institut der Universität.“

Aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung der Edelsteinbranche für die Region wurde auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema immer wichtiger. Auf intensives Betreiben der Idar-Obersteiner Interessenvertreter und dank der innovationsfreudigen Haltung des Kanzlers der Universität wurde die Einrichtung des „Instituts für Edelsteinforschung Idar-Oberstein“ im Jahre 1962 vertraglich zwischen der Stadt Idar-Oberstein und der JGU geregelt. In diesem Vertrag, der unverändert gültig ist, werden die besonderen Aufgaben der gemeinsamen Transfer-Einrichtung beschrieben: Forschung auf dem Gebiet der Edelsteinkunde und Bearbeitung wissenschaftlich-technischer Probleme, die sich aus der Edelsteinindustrie ergeben, sowie wissenschaftliche Erforschung der Echtheitsmerkmale und Prüfungsmöglichkeiten und schließlich die Erforschung neuer Methoden zur Bearbeitung der Edelsteine.

Im Laufe der Zeit haben sich die Einsatzgebiete von Mineralen, die in Edelsteinqualität kristallisiert sind, aus dem Schmuckbereich heraus weiterentwickelt. Der Effekt, Lichtstrahlen durch die physikalische Wechselwirkung mit einem Kristall zu verstärken und zu homogenisieren, wurde an einem Rubinkristall entdeckt und ist heute als „Laser“ bekannt. Andere Edelsteinmaterialien haben ihren Weg in die technologische Anwendung gefunden: Diamanten in Optik, Elektronik und Mechanik, Rubine, Saphire, Granate in der Lasertechnologie, Spinelle und andere Oxide als Bausteine besonderer optischer und elektronischer Effektnutzungen. Materialspezifische Forschungsthemen an solchen oft auch synthetischen Kristallen bestimmen heute den wissenschaftlichen Alltag im Institut für Edelsteinforschung Idar-Oberstein.

Ein weiterer Erfolg der Transfer-Institution geht auf die Notwendigkeit der zerstörungsfreien Analyse von Edelsteinmaterialien zurück. Auch Artefakte der Archäologie und anderer Kulturwissenschaften bedürfen der Materialanalyse, ohne das zu untersuchende Objekt zu beschädigen. Physikalische Messmethoden, die dazu dienen, die mikroskopischen Einschlüsse in einem Kaschmir-Saphir zu identifizieren und damit seine Herkunft zu belegen, können auch verwendet werden, um beispielsweise die färbende Substanz des Kopfschmuckes von Kleopatra berührungsfrei zu analysieren.

Die jahrzehntelange erfolgreiche Kooperation zwischen der Universität und kleinen und mittleren Unternehmen in der Edelsteinregion Idar-Oberstein ist auch für Studium und Lehre im Bereich Geowissenschaften noch heute attraktiv. Zum einen finden ausgebildete Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler eine Berufsmöglichkeit im Umfeld der noch immer zahlreichen edelsteinverarbeitenden Betriebe in und um Idar-Oberstein, zum anderen bieten die internationalen Verbindungen der Idar-Obersteiner Kooperationspartner Lehrenden und Studierenden den weltweiten Zugang zu neuen Vorkommen, neuen Materialien und neuen Methoden in den anwendbaren Wissenschaften.

Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (idw)

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