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Banken der EU bitten Behörden um Schutz vor „Ausrottung“ seitens USA

Archivmeldung vom 22.06.2016

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.06.2016 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Verena Herzberger / pixelio.de
Bild: Verena Herzberger / pixelio.de

Der europäische Bankensektor hat eine umfangreiche Lobby-Kampagne gestartet, um Politiker und Beamte zu überzeugen, gegen die endgültige Implementierung der sogenannten Basel III-Normen einzutreten, schreibt die US-amerikanische Zeitung „Politico“.

Die deutsche Ausgabe des russischen online Magazins "Sputnik" berichtet weiter: "Der dritte Teil der Baseler Vereinbarungen – Basel III genannt – enthält neue, strengere Richtlinien zur Bankenregulierung, die nach der Finanzkrise von 2008 angenommen worden waren. Insbesondere umfasst er härtere Forderungen an das Eigenkapital der Banken und neue Liquiditätsnormen.

Die europäischen Banker würden nun meinen, so „Politico“, dass die globalen Hauptregulatoren (unter ihnen wird der Autor von „Basel III“ – der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht – hervorgehoben) unter einem „maßlosen Einfluss“ der USA stehen und befürchten, dass die neuen Richtlinien gegen die Interessen das Banken der Europäischen Union gerichtet seien und folglich ihrer Wirtschaft schaden würden.

Wie „Politico“ schreibt, versuchen die Chefs der europäischen Banken und ihre Lobbyisten verzweifelt, Brüssel ihre Position darzulegen, dass die Konkurrenten aus den USA in dem Fall, sollten jene Normen nicht geändert oder ihre Implementierung nicht aufgeschoben werden, Europas Banken einfach „ausrotten“ könnten, indem sie ihren Einfluss in den weltwirtschaftlichen Regulatoren geltend machen.

Die europäischen Lobbyisten stehen unter Zeitdruck, da die Basel-III-Richtlinien bis Ende 2016 umgesetzt werden sollen, merkt das Blatt an.

„Europas Spitzenpolitiker müssen eine schnelle Entscheidung treffen. Sie müssen für sich klären, ob es sie etwas angeht, wer die Vermittler an den Kapitalmärkten, von denen wir abhängen, besitzt, kontrolliert und lenkt. Vor uns schimmert die Perspektive einer amerikanischen Dominanz auf. Und sollte diese Tendenz nicht schwächer werden, so droht uns bald eine Zukunft, in der Europas Kapitalmärkte vollkommen von in aller Welt verstreuten Firmen abhängen werden“, erklärte der Geschäftsführer (CEO) der Bank Barclays und frühere Chef der J.P. Morgan’s Investment Bank, Jes Staley.

Diese Befürchtungen des Finanziers seien nicht unbegründet, meint „Politico“, denn laut den Angaben von Coalition habe der Anteil US-amerikanischer Banken am Gesamteinkommen des Investment Bankings in Europa in den ersten drei Monaten dieses Jahres 57 Prozent erreicht, wobei die europäischen Banken noch vor vier Jahren an diesem Markt führend gewesen seien.

Lobbyisten des europäischen Bankensektors erklären, Basel III werde die ohnehin schlechte Situation für Europas Banken vertiefen, denn nach den neuen Normen würden viele Banken keine Anleihen machen können. Zudem bestehe die Meinung, dass ihren Anteil Konkurrenten aus den USA verschlingen könnten, die am Binnenmarkt stark seien und mit einer größeren Flexibilität der Regulatoren rechnen könnten.

„Wir meinen, dass das eine politische Frage ist. Sie reicht über die Grenzen rein technischer Dinge hinaus“, sagt der Vorstand der Europäischen Banken Föderation, Wim Mijs.

Ihm zufolge werde Europas Wirtschaft nach wie vor größtenteils von Banken finanziert, weshalb eine beliebige Entscheidung des Baseler Ausschusses die Wirtschaft des Kontinents ernsthaft beeinflusse, schreibt „Politico“.

Die US-amerikanischen Banken würden ihrerseits die Meinung vertreten, dass ihre europäischen Konkurrenten versuchen, die unbefriedigenden Ergebnisse ihrer Tätigkeit mit einer ungerechten Arbitrage zu rechtfertigen. Sie heben hervor, dass sie sich ebenfalls an die Basel-III-Richtlinien halten müssten. Zudem würden die Amerikaner darauf bestehen, dass sie das Wachstum der europäischen Wirtschaft ebenso fördern wie die einheimischen Akteure, da ihre Banken einen Sitz in Europa hätten, dort Arbeitsplätze schaffen und den europäischen Unternehmen helfen würden, betont die Zeitung „Politico“."

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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