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Snowden verlässt Moskauer Flughafen

Archivmeldung vom 01.08.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 01.08.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Edward Snowden, 2013
Edward Snowden, 2013

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat den Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax. Der Whistleblower habe am Donnerstag ein entsprechendes Dokument der Migrationsbehörde erhalten, sagte sein Anwalt Anatoli Kutscherena. Im Anschluss sei Snowden nach Russland eingereist.

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter, der von den USA wegen Spionage-Anschuldigungen gesucht wird, hatte Mitte Juli in Russland offiziell um temporäres politisches Asyl gebeten. Snowden hält sich seit Ende Juni in der Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf, weil die USA seinen Reisepass für ungültig erklärt haben. Der ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter hat Asylangebote mehrerer südamerikanischer Länder und will nicht dauerhaft in Russland bleiben. Snowden hatte mit Enthüllungen über das US-Spähprogramm "Prism" und das britische Pendant "Tempora" für Wirbel gesorgt.

Snowden will kein Fremder in Russland sein

Vorab hieß es in einem Beitrag von Xenia Melnikowa bei Radio "Stimme Russlands", dass  Edward Snowden darum gebeten hatte, ihm die gesammelten Werke des russischen Historikers Nikolai Karamsin zu bringen. Der Whistleblower will sich in Russland nach eigenen Worten nicht fremd fühlen. Was kann ihm noch dabei helfen? Hier einige Tipps.

Xenia Melnikowa berichtet dazu weiter: "Snowdens russischer Anwalt Anatoli Kutscherena sagte, der Amerikaner habe zunächst ein kleines Bändchen von Karamsin gelesen und Lust auf mehr bekommen. Auch der Roman „Schuld und Sühne“ von Fjodor Dostojewski habe ihm gefallen. Snowden wolle Russlands Kultur und Geschichte besser kennenlernen, denn er wolle hier bleiben, so der Anwalt.

Was braucht der Whistleblower noch, um die russische Seele zu verstehen? Wahrscheinlich sollte er damit beginnen, was er als Kind verpasst hat. Er könnte etwa sowjetische Zeichentrickfilme gucken. Dann wird er erfahren, dass die Hauptfiguren in „Hase und Wolf“ nicht weniger spektakulär sein können als Tom und Jerry. Und der russische Winnie Puuh ist lustiger und gutmütiger als sein amerikanisches Pendant.

Danach beginnt für Snowden das russische Schulprogramm. Neben Dostojewski sollte er ein paar Gedichte von Puschkin und Lermontow auswendig lernen. Dann sind Gogol, Turgenew und Tolstoi an der Reihe.

Auch das russische Dampfbad sollte er unbedingt erleben. Der britische Geschäftsmann John Kopiski, der seit 20 Jahren in Russland lebt, besucht die Banja beispielsweise jede Woche. „Das ist eine sehr gute Tradition“, lobt Kopiski.

Die russischen Filme sind auch ein Muss. Beginnen könnte Snowden mit alten sowjetischen Streifen wie „Hochzeit in Malinowka“ oder „Ist sie eine Wette wert?“ Nicht zu vergessen sind auch Komödien aus den 1960er Jahren wie „Operation Y und andere Abenteuer Schuriks“ oder „Der Brillantenarm“. Damit lässt sich der russische Humor besser verstehen. Und Bücher der Prosa-Autoren wie Ilf und Petrow oder Dowlatow wären bestens dafür geeignet, Witze daraus zu zitierten.

Wenn Snowden den Flughafen endlich verlassen kann, sollte er sich mal außerhalb der Stadt entspannen. Das empfiehlt zumindest der amerikanische Journalist David Burghardt, der seit Anfang der 1990er in Russland lebt.

Man könnte etwa mit Freunden Schaschlik machen – das wäre auch der erste Schritt dazu, sich das amerikanische Fastfood wie Pizza oder Hamburger abzugewöhnen. Man muss nicht unbedingt den im Ausland bekannten russischen Borschtsch mögen. Es gibt ja noch viele Kuchen und Salate, kalte und heiße Speisen.

In die russische Geschichte nimmt Snowden schon mit Hilfe von Karamsins Werken Einblick. Auch die russische Kultur wie Oper, Ballett und Malkunst soll er kennenlernen, mahnt die Bankerin Mirjana Stojanovic aus Serbien, die seit 17 Jahren in Russland lebt:

„Ich liebe die klassische Malkunst und den Realismus. Mir gefallen auch die Werke derjenigen, die diese Tradition fortsetzen. Ich denke, Russland soll an seinen besten Kulturtraditionen festhalten – obwohl niemand heute Maler wie Sawrassow oder Lewitan übertreffen kann.“

All diese Ratschlage würden dem Amerikaner Snowden helfen, sich ein bisschen russisch zu fühlen. Die Frage ist nun, ob und wann er Gebrauch davon machen kann."

Der Vater von Edward Snowden: mit Liebe nach Russland

Gestern beschäftigte sich Rita Oschun bei Radio "Stimme Russlands" ebenfalls mit dem Thema. In ihrem Bericht hieß  es: "In einer Live-Sendung eines russischen Fernsehkanals empfahl der Vater von Edward Snowden seinem Sohn, in Russland zu bleiben, das er eine starke Großmacht nannte, die fähig sei, ihn zu beschützen. Andernfalls, so Lon Snowden, würde Edward in Amerika ein ungerechtes Gericht und das Schicksal von Bradly Menning erwarten, mit Folter im Gefängnis und einer hundertjährigen Haftstrafe. Snowden Senior erzählte, er plane eine Reise nach Russland, um seinen Sohn zu sehen.

Erstmals in den 65 Tagen seiner Einsiedelei in der Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo konnte der Programmist Edward Snowden seinen Vater sehen. Vorerst im Fernsehen - in einer Live-Sendung des Fernsehkanals „Rossia 24“, der eine Video-Live-Schaltung mit Amerika organisiert hatte. Lon Snowden, sehr aufgeregt, und von einem Thema zum anderen springend und kaum die Tränen verbergend, übermittelte Edward Grüße und unterstützte ihn in dem schweren Augenblick. „Als Bürger Amerikas möchte ich meinem Sohn für das, was er getan hat, danken, ich liebe meinen Sohn und bin stolz auf ihn“, sagte der ehemalige Offizier des Küstenschutzes. „Mein Sohn ist ein echter Patriot, der das Land vor dessen Regierung rettet.“

„Ed, ich hoffe, du siehst uns jetzt, bei uns zu Hause ist alles gut, wir lieben dich, wir hoffen, dass du gesund bist, dass bei dir alles gut ist. Ich hoffe, dass wir uns bald treffen werden, aber in erster Linie, dass du in Sicherheit bist, dass du ein sicheres Land findest. Mich bewegt nicht, was die anderen denken. Ed, sei unbesorgt, konzentriere dich auf dein Leben, ich aber werde mich mit allem hier befassen.“

Snowden Senior dankte Russland, seinem Präsidenten und seiner Regierung für die Gewährleistung von Snowdens Sicherheit. Gerade Russland betrachtet er als die beste Variante eines Aufenthaltsortes für seinen Sohn. In Amerika würde Snowden, so meint sein Vater, das Schicksal von Bradley Manning erwarten, der seinerzeit ebenfalls Informationen über die US-Geheimdienste publik gemacht und ein Video von der Erschießung von friedlichen Irakern durch amerikanisches Militär der Öffentlichkeit zugängig gemacht hatte:

„Jetzt läuft die Fahndung, man droht ihm, obwohl auch erklärt wird, dass man ihn nicht foltern würde, dass er keine Todesstrafe erhalten würde. Doch es gibt keinerlei Veranlassung zu glauben, dass der Prozess gegen ihn ehrlich sein wird. Jetzt beginnt eine gewisse Hexenjagd und manche hochrangigen Kongressmitglieder sagten, Edward sei ein Verräter, obwohl die Gerichtsverhandlung gegen ihn noch nicht stattgefunden hat. Ich befürchte, dass ihn das Schicksal von Bradley Manning erwartet, der ausgezogen und für 23 Stunden in eine Einzelzelle gesetzt wurde, man hatte ihm die Brille weggenommen – das ist unakzeptabel.“

Lon Snowden will auf Einladung zu seinem Sohn reisen. Die Einladung schickte ihm der russische Anwalt von Edward Snowden, Anatoli Kutscherena. Seine Reise hätte auch schon viel früher stattfinden können. Die FBI-Agenten hätten alles schnell organisiert, wenn Snowden seinen Sohn überzeugt hätte, in die USA zurückzukehren. Aber der Vater ließ sich nicht auf ein Geschäft ein und hat seinen Sohn nicht verraten. Dem Gesuch von Edward Snowden, ihm in Russland ein zeitweiliges politisches Asyl zu gewähren, wurde noch nicht stattgegeben. Und dem Kongress der USA fehlte es an zwölf Stimmen, um das Programm zur Ausspähung der einfachen Bürger des Landes aufzuheben."

Quelle: dts Nachrichtenagentur / Text Xenia Melnikowa und Rita Oschun  - „Stimme Russlands"

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