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MH17-Absturz: Experten erwarten parteiischen Abschlussbericht

Archivmeldung vom 30.09.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 30.09.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Flugverlauf von MH17 und SQ351 um 12:55–13:27 UTC mit Luftraum-Sperrzonen
Flugverlauf von MH17 und SQ351 um 12:55–13:27 UTC mit Luftraum-Sperrzonen

Foto: PM3
Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

In zwei Wochen soll der Abschlussbericht zum Absturz der malaysischen Boeing (MH17-Flug) in der Ukraine veröffentlicht werden. Selbst westliche Experten betonen, wie das russische online Magazin "Sputnik" schreibt, dass die Ergebnisse des Berichts der Kommission wegen ihrer Intransparenz höchstwahrscheinlich einseitig und politisch motiviert sein werden.

Auf der deutschen Webseite des Magazins heißt es weiter: "Der Generaldirektor der Internationalen Beratungs- und  Analyse-Agentur „Flugsicherheit“, Sergej Melnitschenko, sprach im Interview mit der „Rossijskaja Gaseta“ über fragwürdige Aspekte bei der Untersuchung der Flugzeugtragödie.

Sergej Melnitschenko: Es gibt einige solche Aspekte. Der wichtigste davon ist mit der Verantwortung der Ukraine verbunden. Das Flugzeug wurde in dem von ihr kontrollierten Luftraum abgeschossen. Oder wurde er in der Realität gar nicht kontrolliert? Einige sagen jetzt, dass die Ukraine den Luftraum nicht kontrollierte, in dem das Flugzeug abgeschossen wurde. Doch das bedeutet nur eines: Die Ukraine gibt zu, dass die Volksrepublik Donezk nicht zur Ukraine gehört. Sonst trägt die Ukraine eindeutig die Verantwortung dafür, da sie den Luftraum über die Kampfgebiete nicht sperrte. Das ist die Hauptfrage.

Rossijskaja Gaseta: Zu welchen Materialien haben die russischen Spezialisten Zugang?

Nach meinen Erkenntnissen nicht zu allen Materialien. Doch bei jeder Untersuchung, wenn das Spiel auf ein Tor läuft, entstehen Fragen zur Unparteilichkeit.

Russische Experten erstellten nach der Katastrophe eine Liste der wichtigsten Fragen, deren Antworten erforderlich für eine objektive Untersuchung sind. Wurden sie erhalten?

Ich erinnere daran, dass zwei Szenarios genannt wurden – das Flugzeug konnte durch eine Boden-Luft-Rakete bzw. durch ein anderes Flugzeug abgeschossen werden. Im Zwischenbericht wurde die Liste der Materialien angeführt, die von den Ermittlern genutzt werden. Das sind die Angaben über technische Wartung des Flugzeugs und den Flug. Dazu gehören die Satelliten- und Radaraufnahmen der Flugaufsicht.

Doch warum sind bislang keine Aufnahmen der Gespräche der Militärfluglotsen mit dem Piloten der Kampfflugzeuge vorhanden? Warum wurden nicht alle Flugpläne der Kampffliegerkräfte des Verteidigungsministeriums der Ukraine am Tag der Tragödie analysiert? Unseres Erachtens sind das die wichtigsten Informationen, die in den Ermittlungsmaterialien fehlen.

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Die wichtigsten Funde sind die Flugschreiber, die an die Ermittler übergeben wurden. Doch soviel ich verstehe, gaben sie nicht viele Informationen. Warum? Bei der Explosion gab es eine sofortige Dekompression des Flugzeugs. Was jetzt entdeckt wird, kann vielleicht eine Rolle bei der Schaffung des vollständigen Bildes spielen. Doch das bietet kaum einen großen Wert für die Untersuchung.

Viele sagen, dass die Untersuchung des Boeing-Absturzes von den Forderungen der ICAO dermaßen weit abweicht, dass dies ebenfalls Gegenstand einer Untersuchung sein kann. Wie denken Sie?

Falls Russland irgendwelchen Aspekten bei dieser Untersuchung nicht zustimmen wird, wird dies ein guter Trumpf sein. Denn es gibt Dokumente, die den Verlauf der Untersuchung regeln. Die Niederlande waren mit der Untersuchung beauftragt worden. Doch bislang wurde nie eine solche Möglichkeit vorgesehen, dass eine Untersuchung von einem Staat durchgeführt wird, dessen Staatsbürger die Mehrheit der Passagiere an Bord bildeten.

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Die Untersuchung soll von dem Staat durchgeführt werden, in dem sich der Vorfall ereignete. Das ist die Ukraine. Die Untersuchung kann durch Malaysier durchgeführt werden, weil das Flugzeug einem malaysischen Flugunternehmen gehörte und in Malaysia angemeldet war. An der Untersuchung könnten die Hersteller der Technik teilnehmen. Das sind die US-Firma Boeing und britische Triebwerkhersteller.

Ich wiederhole, dass kein ICAEO-Dokument vorsieht, dass die Untersuchung von dem Staat durchgeführt wird, dessen Staatsbürger die Mehrheit an Bord bildeten. Als dieser politische Beschluss getroffen wurde, waren im Sicherheitsrat der Niederlande nur drei Personen tätig. Die Tatsache, dass der Zwischenbericht nicht in der niederländischen, sondern in der englischen Sprache erstellt wurde, bedeutet auch, dass die Niederlande die Forderungen der Anderen erfüllen. Ich denke, hier ist alles klar.

Ich bin von der passiven Rolle der ICAO bei dieser Frage überrascht. Die ICAO distanzierte sich von der Durchführung der Untersuchung. Auch im Zwischenbericht  hieß es, dass die ICAO nur Konsultationen bei einigen Aspekten durchführte. Wäre die Untersuchung in der ICAO durchgeführt worden, hätte es viel weniger Fragen zur Politisierung dieser Untersuchung gegeben.

Wie denken Sie, wird der Zwischenbericht sich stark vom endgültigen Bericht unterscheiden?

Ich denke, dass er viel größer sein wird. Im Zwischenbericht stehen vorläufige Schlussfolgerungen. Dann wird das Thema vertieft. Alle warten doch nicht einfach auf die Ergebnisse der Untersuchung, sondern auf eine Ermittlung. Die Aufgabe der Flugzeugexperten ist nicht, die Verantwortlichen, sondern die Ursachen zu bestimmen und dies so tun, dass sich dies in der Zukunft nicht wiederholt. Dann sollen sich die Ermittler an die Arbeit machen, die die Verantwortlichen bestimmen. Danach soll es offenbar einen Gerichtsprozess geben.

Die Ermittler werden ebenfalls von einer internationalen Organisation sein?

Ja, anscheinend wird es eine internationale Gruppe sein. Doch weil die Niederlande mit der Untersuchung beauftragt wurden und das Flugzeug Malaysia gehörte, wird es wohl vor allem Vertreter aus diesen zwei Staaten geben. Man sollte ebenfalls nicht die Ukraine und Belgien vergessen, wo sich mehrere EU-Strukturen befinden.

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Der Abschlussbericht wird 60 Tage vor seiner Veröffentlichung an alle Staaten verschickt, die an der Untersuchung teilnahmen.  Innerhalb von 60 Tagen kann jeder Staat seine Position darlegen. Die ICAO muss dies im offenen Zugang veröffentlichen.

Falls also der Russischen Föderation etwas nicht passen würde, gibt es zwei Monate, um eigene Ansprüche zum Verlauf der Untersuchung zu formulieren. Die eigene Vision in Bezug auf die Verstöße zu äußern, auf die ICAO-Dokumente hinzuweisen und damit objektivere Ergebnisse anzustreben.

Der Bericht soll am 13. Oktober veröffentlicht werden. Er muss also in Russland seit langem vorhanden sein.

Ich denke, ja. Eine andere Sache ist, dass es bestimmte Regeln gibt. Ihr Inhalt soll nicht öffentlich besprochen werden, bevor der endgültige Bericht veröffentlicht wird. Das ist ganz richtig. Von der Seite unserer Gruppe, die an der Untersuchung teilnimmt, gibt es keine Leaks. Das ist ein positiver Aspekt.

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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