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Der vergiftete Porno-König von Salisbury

Archivmeldung vom 20.09.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 20.09.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Forensiker im Fall Sergei and Yulia Skripal bei der Arbeit.
Forensiker im Fall Sergei and Yulia Skripal bei der Arbeit.

By Peter Curbishley - This file has been extracted from another file: Forensic tent at The Maltings, Salisbury.jpg, CC BY 2.5, Link

Glaubt man westlichen Medien, ist Russland generell für alle Giftanschläge verantwortlich. Diese werden inzwischen nahezu wöchentlich verübt. Auffallend ist allerdings, dass fast alle relativ glimpflich endeten: Nur die arme Alkoholikerin in Amesbury ist gestorben. Alle anderen angeblichen „Opfer Moskaus“ haben überlebt – quasi ein Wunder, schreibt Wladimir Kornilow in seinem Gastartikel beim russischen online Magazin "Sputnik".

Weiter heißt es auf der deutschen Webseite: "Nun berichten westliche „Mainstream-Medien“, dass der kanadische Staatsbürger Pjotr Wersilow, der mit der Skandal-Band „Pussy Riot“ in Verbindung steht, in Moskau vergiftet worden wäre. Dabei wird die Tatsache ignoriert, dass selbst Wersilows Verwandte sich bei den russischen Ärzten für die rechtzeitige Hilfe bedankten.

Üblicherweise führen die „Mainstream-Medien“ in solchen Fällen eine ganze Liste von merkwürdigen „Vergiftungen“ an, die mit Russland in Verbindung gebracht werden. Es wurden beispielsweise der schon mehrmals vergiftete Oppositionsaktivist Wladimir Kara-Mursa und sogar der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko erwähnt. Dabei hatte Juschtschenko selbst erklärt, für seine Vergiftung im Jahr 2004 sei sein nächstes Umfeld verantwortlich gewesen.

Es wird in diesem Kontext auch der Tod des russischen Unternehmers Anatoli Perepelitschny im Jahr 2012 erwähnt. Fast alle britischen Zeitungen titelten damals, er hätte sich vergiftet, als er eine giftige Suppe gegessen habe. Dabei wurden die Aussagen seiner Witwe „übersehen“, dass alle Familienmitglieder die Suppe gegessen hätten, wie auch das Gutachten von Experten, die in Perepelitschnys Organismus keine Giftspuren finden konnten. Und jetzt wird sein Tod auch neben anderen Toden aufgelistet, hinter denen „highly-likely“ der Kreml stünde.

Zuletzt titelte die „Sun“ reißerisch: „Putin wollte mich mit Rattengift umbringen.“ Diese furchtbare Geschichte erzählte dem Boulevardblatt die 30 Jahre alte israelische Staatsbürgerin Anna Schapiro, die im russischen Nischni Nowgorod geboren wurde, seit 2008 aber in London lebt. Das Unterwäsche-Model behauptet, dass sie vom Kreml verfolgt wird, weil ihr Vater als General in einem Militärorchester viele Geheimnisse gekannt und sie selbst „gegen Putin opponiert“ habe.

Nach angeblichen „Drohungen per E-Mail“ beschlossen Schapiro und ihr Ehemann Alex King, London zu verlassen und nach Salisbury zu ziehen (genial, sich vor russischen Auftragskillern in Salisbury zu verstecken, wo es eine 123 Meter hohe Kathedrale gibt, die offenbar eine große Anziehungskraft hat). Eines Tages habe sich ihr Mann nach dem Mittagessen schlecht gefühlt, und es habe sich herausgestellt, dass er etwas Rattengift zu sich genommen hatte.

Was übrigens das angebliche „Opfer“ angeht, so ist er kein üblicher Mensch – Alex King (das ist sein Pseudonym) ist ein auf der Insel bekannter Pranker. Einmal sorgte er für Aufsehen, als er auf einer geschlossenen Präsentation erschien und dort sogar mit Prinz Charles sprach. Zuvor hatte er gewettet, dass ihm dies gelingen würde, und auf dem Spiel standen nicht mehr und nicht weniger als 100.000 Pfund.

Sein Pendant war dabei sein Boss, ein bekannter Betrüger, der sich als Lord Davenport ausgab und große Immobiliengeschäfte betrieb. Ende der 1990er Jahre kam beispielsweise ein historisches Gebäude in London (33 Portland Place), wo die Botschaft von Sierra Leone lag, in seinen Besitz, und zwar für nur 50.000 Pfund. Sein Geschäftsschema war selbstverständlich sehr intransparent und äußerst fragwürdig.

In diesem Haus, wo der angebliche Lord Davenport und seine „rechte Hand“ King wohnten, wurden erotische Filme gedreht, Modeshows und Sexorgien organisiert. Das Haus besuchten beispielsweise der Prinz von Monaco, verschiedene Sänger, Musiker, Schauspieler. Dort wurden sogar viele Szenen des Oscar-prämierten Films „The King’s Speech“ gedreht. Und natürlich habe man osteuropäische junge Frauen dieses Hauses „besichtigen“ dürfen – angeblich für 500 Pfund pro Nacht. Dass die damals noch junge Schapiro in dieses Umfeld geraten ist, ist durchaus nachvollziehbar.

Später wurde der Pseudo-Davenport von einem Gericht als Betrüger schuldig gesprochen und dazu verpflichtet, das Haus für 30 Millionen Pfund zu verkaufen, um seine betrogenen Kunden zu entschädigen. Für eine gewisse Zeit verschwand der Gauner von der Bildfläche der Öffentlichkeit – um 2016 in einem Haus gegenüber seinem vorigen Wohnsitz wieder Orgien zu organisieren.

Man kann leicht Informationen finden, dass unter dieser Adresse viele Scheinfirmen registriert wurden, deren Direktorin Anna Schapiro und ihr Sekretär Alex King waren. Als Tätigkeit dieser Firmen wurde Filmproduktion angegeben. Noch ein pikanter Fakt aus dem Leben Alex Kings: Er wurde einst für schuldig gesprochen, Kinderpornos gedreht zu haben.

Wenn sich die Reporter der größten britischen Boulevardzeitung die Mühe gemacht hätten, die Biografie des „vergifteten“ Mannes von Anna Schapiro zu veröffentlichen, dann hätte die Version, Kreml-Chef Putin würde diesen „Porno-König“ mit Rattengift jagen, große Zweifel beim verehrten Publikum hervorgerufen. Aber gerade deshalb wurde über das bisherige Leben Alex Kings nichts geschrieben.

So funktionieren die Technologien westlicher „Mainstream-Medien“ zur Verbreitung antirussischer Hysterie. Die Vorwürfe gegen Moskau, egal wie absurd sie sind, werden an die große Glocke gehängt. Später werden sie zwar fast immer dementiert – aber ohne großes Aufsehen. So hat die Polizei der Grafschaft Wiltshire (in der Salisbury liegt) mitgeteilt, dass sie den Zwischenfall um Kings „Vergiftung“ für fragwürdig hält. Aber wen interessiert das schon – im Vergleich zur Sensation, Putin würde den „Porno-König“ mit Rattengift jagen?"

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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