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Nach Rücktrittsankündigung: Viel Lob, aber auch Kritik für Benedikt XVI.

Archivmeldung vom 12.02.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.02.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Papst Benedikt XVI. Bild: Tadeusz Górny / de.wikipedia.org
Papst Benedikt XVI. Bild: Tadeusz Górny / de.wikipedia.org

Die überraschende Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. ist weltweit größtenteils mit lobenden Worten gewürdigt worden. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den Papst als bedeutendsten religiösen Denker unsere Zeit und "Hirten für mehr als eine Milliarde Menschen". Bundespräsident Joachim Gauck bewunderte vor allem den "historisch höchst seltenen Entschluss", für den "großer Mut und Selbstreflexion" nötig gewesen seien. Für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück war Benedikt der XVI. "in wichtigen Konflikten auf der Welt ... immer als Stimme des Friedens und der Versöhnung vernehmbar". Milena Faustowa

Auf internationaler Ebene fanden UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Präsident Barack Obama anerkennende Worte. Ban zollte seinen Respekt für die Arbeit des Papstes im Dialog zwischen den Religionen und anderen globalen Herausforderungen, Obama bedankte sich für die Zusammenarbeit der letzten vier Jahre. US-Präsident Barack Obama hat die Zusammenarbeit mit Benedikt XVI. gewürdigt. "Michelle und ich erinnern uns gerne an unser Treffen mit dem Heiligen Vater im Jahre 2009, und ich selbst habe unsere gemeinsame Arbeit in den letzten vier Jahren sehr geschätzt", so Obama in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung. Die Kirche spiele dem US-Präsidenten zufolge eine bedeutende Rolle in den Vereinigten Staaten und der Welt. Im Namen aller Amerikaner übermittle das Präsidentenpaar seine Wertschätzung und Gebete. Denjenigen, die nun einen Nachfolger für Benedikt XVI. wählen müssen, wünschte er zudem viel Glück.

Verdienste des Papstes um die Verständigung zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen würdigten auch Vertreter des Judentums und der Muslime. Kritisiert wurde hingegen das Wirken des Papstes unter anderem hinsichtlich der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Hier sei eine große Chance vertan worden, so Vertreter von Selbsthilfegruppen.

Die katholische Theologin Uta Ranke-Heinemann, eine ehemalige Kommilitonin des Papstes, übte zudem Kritik an der Sexualmoral der Kirche und ihrer Frauenfeindlichkeit. Die Ansichten der Kirche zur Sexualität sind auch nach Ansicht des Bundesverbandes der Lesben und Schwulen in Deutschland (LSVD) reformbedürftig. LSVD-Vorstand Helmut Metzner äußerte die Hoffnung, dass sich mit dem bevorstehenden Amtswechsel auch ein Politikwechsel verbinde.

Benedikt XVI. hatte am Montag überraschend seinen Rücktritt zum 28. Februar erklärt. Zur Begründung hatte er angeführt, dass seine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet seien, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. Der Papst, der seit dem 19! . April 2005 im Amt ist, wird im April dieses Jahres 86 Jahre alt. Laut Vatikansprecher Pater Lombardi soll noch vor Ostern ein neuer Papst gewählt werden.

Auch manche Atheisten bedauern Papst-Rücktritt

Nicht nur aus der Politik und den Kirchen erntet Papst Benedikt XVI. viel Bedauern nach seinem angekündigten Rücktritt, selbst mancher hartgesottene Atheist sähe Benedikt lieber weiter an der Spitze der Katholischen Kirche, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Benedikt sei eine starke Triebkraft "für eine Abwendung vieler Katholiken von ihrer Kirche" gewesen, schreibt etwa der Kirchenkritiker und Politologe Carsten Frerk in einem Beitrag des "Humanistischen Pressedienstes" (hpd) am Montag. Insofern könne man dem Papst gegenüber auch als Säkularer eine gewisse Dankbarkeit bescheinigen.

Benedikt war schon 2011 von der National Secular Society in Großbritannien für den "Irwin Prize" nominiert worden, der an Personen verliehen wird, die sich herausragend um die säkulare Sache verdient gemacht haben. Die Begründung damals lautete, der Papst habe mehr Menschen gegen die katholische Kirche aufgebracht, als jeder dafür bezahlte Säkularist.

Auch auf der Facebook-Seite der "Giordano Bruno Stiftung", die sich die Förderung des evolutionären Humanismus zum Ziel gesetzt hat, gab es Bedauern über den Rücktritt: Dadurch drohten "ein neuer Papst-Hype" und "unmengen unkritischer katholischer Drohnen in den Medien", schreibt Nutzer Simon aus Leipzig. "Jetzt geht das ganze Theater in Rom wieder los: Rauchzeichen, usw.", beklagt sich Nutzerin Maike.

Kardinal Meisner hielt Papst-Ankündigung für Rosenmontagsscherz

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Rücktrittsankündigung des Papstes "erst für einen Rosenmontagsscherz" gehalten. Das sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Meisner fügte hinzu: "Um ehrlich zu sein, bin ich regelrecht schockiert. Solch ein Schritt lag außerhalb meiner Vorstellungen." Früher seien nicht einmal Priester und Bischöfe zurückgetreten, sagt Meisner. Dies habe "einen durchaus tiefen Sinn: Das geistliche Amt ist ja eine Art Vaterschaft. Und Vater bleibt man doch zeit seines Lebens. Als dann die Altersgrenze für Bischöfe und Priester eingeführt wurde, habe ich lange Zeit gedacht: Ein Glück, dass wenigstens der Papst auf Lebenszeit amtiert. Dann ist die Kontinuität dieser Vaterschaft gesichert. Allerdings merke ich es an mir selbst, wie ich mit den Jahren doch mehr und mehr in den Seilen hänge. Und insofern ist es schon sinnvoll, dass man auch zurücktreten kann." Nicht weil man nichts mehr tun wolle, so Meisner. Aber man sei befreit vom "du musst" und dürfe stattdessen sagen: "ich kann."

Meisner betont, dass Benedikt XVI. nie eine Andeutung gemacht habe. "Und wenn, dann hätte ich es nicht begriffen. Weil ich einen Rücktritt niemals für möglich gehalten hätte. Ich habe noch jüngst zu meinen Nichten und Neffen gesagt, als sie mich fragten, wie es nach meinem 80. Geburtstag an Weihnachten eigentlich mit mir weitergehen werde: Da sind so viele Dinge, die ich nicht mehr zu machen brauche. Zum Beispiel muss ich nie wieder in ein Konklave gehen."

Russische Experten über Rücktritt des Papstes Benedikt XVI.

Bei Radio "Stimme Russlands" beschäftigte sich Milena Faustowa mit dem Rücktritt des Papstes. Sie schreibt in ihrem Artikel: "Der Römische Papst Benedikt XVI. hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt angekündigt. Russische Experten stellen Überlegungen zu den Gründen für den Rücktritt des Papstes und zur Zukunft der Römisch-Katholischen Kirche an.

Für die Geistlichen des Heiligen Stuhls seien die Worte des Papstes völlig überraschend gekommen, erzählte im Interview mit STIMME RUSSLANDS der Vatikan-Experte Alexej Bukalow.

„Wie ein Kardinal sagte, sei das wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen. Keiner im Vatikan habe diese Mitteilung erwartet, obwohl der Papst nach den kanonischen Regeln ein Recht besitzt, seinen Rücktritt zu erklären. Im Mittelalter war es vorgekommen, dass ein Papst in ein Kloster ging. Doch in der neuen Geschichte gab es nichts Derartiges. Das Pontifikat wurde als ein lebenslanges Amt betrachtet.“

Manche Skeptiker vermuten, dass die Ursache für den Rücktritt des Papstes in jenen Skandalen zu suchen sei, die in der letzten Zeit den Heiligen Stuhl erschüttert haben. Der Religionswissenschaftler Alexej Judin ist jedoch überzeugt, dass die Ursache woanders liege.

„Das Niveau und der Grad dieser Skandale waren nicht sehr hoch. Sie hätten die Kardinalsebene oder die Verwaltungsebene der Vatikan-Stadt, aber nicht mehr, erreichen können. Dass all diese Skandale den Papst persönlich hätten berühren können, ist äußerst schwer zu vermuten. Umso mehr, wo diese Skandale keinerlei katastrophale Folgen hatten.“

Ein anderer russischer Religionsexperte, Juri Tabak, vermutet, dass den Vatikan in der nächsten Zeit ein Ringen hinter den Kulissen erwarten würde. Eben weil es keinen klaren Anwärter auf das Amt des Römischen Papstes gibt.

„Als einen Anwärter kann man heute gewiss nur den Kardinal Koch nennen, der den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen leitet, aber offenkundige Anwärter auf das Amt des Papstes gibt es dennoch nicht. Eher gibt es dort verschiedene Lager und Kardinalsgruppen, die sich durch mehr oder weniger Konservatismus unterscheiden, und zwischen ihnen wird sich das Ringen um die Nominierung eines eigenen Kandidaten entfalten. Dann wird sich auch die weitere Richtung in der Entwicklung der Römisch-Katholischen Kirche klären.“

Das Konklave der Kardinäle soll im März zusammentreten. Dort wird das neue Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche gewählt werden. Aufsteigender weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle wird von der Wahl des neuen Papstes künden."

Quelle: dts Nachrichtenagentur / „Stimme Russlands"

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