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Pieper, Luftfahrtanalyst: "Die Situation wird relativ schnell ziemlich bedrohlich."

Archivmeldung vom 19.04.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.04.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Joujou / PIXELIO
Bild: Joujou / PIXELIO

Der deutsche Luftraum bleibt wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans mindestens bis Montag, 20.00 Uhr, gesperrt. Am Sonntagnachmittag hatte die Flugsicherung (DFS) zwischenzeitlich an sieben der 16 internationalen Airports den Flugbetrieb erlaubt, um Passagiere zumindest in diesem Zeitfenster befördern zu können. Auch in vielen anderen europäischen Ländern gilt derzeit noch ein Flugverbot. Mehrere Airlines kritisieren die Maßnahme, weil sie nur auf Grundlage von Hochrechnungen zu der Staub-Belastung erlassen worden sei.

Jürgen Pieper, Luftfahrtanalyst Bankhaus Metzler, zur Frage, ab wann die Aschewolke für die Luftfahrtbranche  existenzgefährdend wäre: "Existenzgefährend wäre sie - rein rechnerisch -, wenn es deutlich länger als einen Monat dauert. Dann wären zumindest einmal kleinere Gesellschaften schon mal sehr stark betroffen. Dazu muss man dann langsam anfangen auch eine Air Berlin zu zählen, wenn der Schaden dann beginnt, sich zu mehreren Hundert Millionen aufzurechen. Bei Lufthansa wird das sicherlich länger dauern. Man kann ja auch nicht eine ganze Industrie einfach sozusagen in Sack und Asche verschwinden lassen. Es würde da sicherlich Möglichkeiten geben – auch sicherlich dann irgendwann staatliche Hilfe oder ähnliches geben -, aber die Situation wird relativ schnell doch ziemlich bedrohlich."

Zu den Wirtschaftsfolgen für die Luftfahrtbranche: "Der Schaden ist natürlich sehr groß. Ich denke, dass die Zahlen, die jetzt schon mal genannt worden sind, beispielsweise von Lufthansa, dass die vielleicht ein Tick übertrieben sind. Ich habe den Eindruck, dass sie jetzt praktisch ihre gesamten fixen Kosten pro Tag als Schaden angeben. Also ich denke schon, dass man Wege finden wird, da ein bisschen von herunterzukommen, indem man vielleicht die Mitarbeiter dazu veranlasst, das teilweise als Urlaubstag sich anrechnen zu lassen oder als Gleitzeit oder ähnliche Dinge."

Zu den Möglichkeiten der Luftfahrtbranche die Folgen abzufedern: "Langfristig kann man zurzeit auch nicht allzu viel machen. Man kann natürlich sagen, technisch findet man im Laufe von Monaten, von vielleicht ein bis zwei Jahren Wege, um die rein technischen Schäden zu begrenzen indem man an Motoren Veränderungen vornimmt, indem man vielleicht mehr Propellerflugzeuge einsetzt. Aber das sind Dinge, die natürlich dann im Endeffekt sehr aufwendig wären."

Raab, Deutsche Flugsicherung: "Im Moment sieht die Prognose nicht sehr gut aus."

Axel Raab, Deutsche Flugsicherung (DFS), zur Kritik an der Entscheidung der DFS, den deutschen Luftraum zu sperren: "Das tut uns wahnsinnig leid für die Passagiere, vor allen Dingen für die Fluggesellschaften, dass wir diese harten Maßnahmen treffen mussten. Aber die deutsche Flugsicherung hat für die Sicherheit im deutschen Luftraum zu sorgen. Das kann uns keiner abnehmen. Und die Basis unserer Entscheidung sind die Daten, die wir von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) geliefert bekommen und danach bleibt uns nichts anderes übrig als den deutschen Luftraum zu sperren für den Flugverkehr. Wir alle hoffen, es wird bald besser, aber im Moment sieht die Prognose nicht sehr gut aus – das muss ich sagen."

Zu den Aussichten: "Eine kurzfristige Öffnung ist immer möglich. Kann auch sein, dass es längerfristig ist. Im Moment ist es so, dass wir bis 20:00 Uhr den Luftraum gesperrt halten. Wie es danach aussieht weiß im Moment keiner. Im Moment hält sich diese Wolke über uns konstant."

Zur Frage, was passieren müsste, damit der Luftraum wieder freigegeben werden kann: "Das Wetter müsste sich ändern. Der Vulkan wird wohl noch weiter spucken, insofern macht das uns keine große Hoffnung. Aber wenn sich das Wetter ändert, wenn sich die generelle Strömung - die globale Strömung – verändert, dann hätten wir eine Chance, dass diese Wolke sich schnell verflüchtigt. Oder zum Beispiel auch starker Regen, der würde natürlich auch helfen. Dann würden diese Partikel sozusagen runtergespült werden und dann wäre der Luftraum wieder frei."

Noack, Air Berlin, zur Luftraumsperrung: Die Politik ist untätig

Die EU will gemeinsam einen Weg aus dem Luftfahrt-Chaos suchen. Das sagte Spaniens Staatssekretär für Europapolitik, Diego López Garrido. Heute will die EU-Kommission gemeinsam mit Experten überlegen, wie eine bessere Lösung" für die Beurteilung der Gefahr durch die Vulkanasche gefunden werden kann. Außerdem beraten heute die europäischen Verkehrsminister in einer Sonderkonferenz das Luftfahrt-Chaos.

Hans-Christoph Noack, Sprecher Air Berlin, zur Sperrung des Luftraums sowie den weiteren Aussichten: "Wir spüren den Druck, dass die Politik nichts tut. Weil: Wir haben jetzt den vollendeten vierten Tag der europäischen Luftraumsperrung hinter uns und der fünfte bricht an. Da wäre schon genügend Zeit gewesen, valide Daten zu erheben. Ich weiß auch nicht, warum das Flugzeug der DLR vier Tage lang aufgerüstet werden soll. Wir sagen: Das ist Untätigkeit. Und wir wollen natürlich fliegen, aber wir wollen nicht fliegen um jeden Preis. Sicherheit geht uns dabei immer vor."

Weiter: "Wir sind natürlich abhängig von dem, was uns die Luftsicherheitsbehörden vorgeben. Deswegen werden wir jetzt auch nicht fliegen können. Wir werden aber weiterhin Überführungsflüge machen – soweit notwendig – und die werden wir gleich zu Testflügen wieder umfunktionieren, damit wir wieder wissen, dass sich keine Staubpartikel – wie in den letzten Überführungs- und Testflügen, die wir gemacht haben, auch – in den Triebwerken oder an der Außenhaut befinden. Diese Daten stellen wir natürlich der Politik und den Behörden zur Verfügung."

Quelle: n-tv

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