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Führerloser Frachter mit Flüchtlingen erreicht Hafen in Italien

Archivmeldung vom 03.01.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.01.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Die Blue Sky M ist ein unter der Flagge von Moldawien fahrendes Küstenmotorschiff, das Schlagzeilen machte, nachdem er Ende Dezember 2014 mit mehreren hundert überwiegend syrischen Flüchtlingen aber ohne Mannschaft vor der italienischen Küste trieb.
Die Blue Sky M ist ein unter der Flagge von Moldawien fahrendes Küstenmotorschiff, das Schlagzeilen machte, nachdem er Ende Dezember 2014 mit mehreren hundert überwiegend syrischen Flüchtlingen aber ohne Mannschaft vor der italienischen Küste trieb.

Foto: Spiridon Ion Cepleanu
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der führerlose Frachter "Ezadeen" mit rund 400 Flüchtlingen an Bord hat den Hafen der Stadt Corigliano Calabro in der süditalienischen Region Kalabrien erreicht. Die Migranten sollen nun untersucht und dann in Notunterkünften untergebracht werden, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

Die Behörden waren am Donnerstag Abend auf den unter der Flagge von Sierra Leone fahrenden Frachter aufmerksam geworden. Die Küstenwache hatte daraufhin die Kontrolle über das von der Besatzung verlassene Schiff übernommen. Erst am Dienstag war von einem Frachtschiff vor Korfu ein Notsignal abgesetzt worden.

Die "Blue Sky M", auf der sich mehr als 700 Flüchtlinge befanden, war ebenfalls von der Besatzung verlassen worden. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex bezeichnete diese Taktik der Schleuser als einen "neuen Grad der Grausamkeit".

"Geisterschiffe": Polizeigewerkschaftschef erhebt Vorwürfe gegen EU

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hat angesichts des neuen Phänomens der führerlosen Flüchtlings-Frachter schwere Vorwürfe gegen die EU erhoben. Dass der "Mare Nostrum"-Einsatz des italienischen Militärs zur Rettung von Bootsflüchtlingen beendet und durch den von der EU-Grenzschutzagentur Frontex koordinierten Einsatz "Triton" ersetzt worden sei, "war ein großer Fehler und hat vorhersehbar zu den jetzigen Entwicklungen geführt, die in der Tat die ganze Menschenverachtung und Brutalität der Schleuserbanden zeigen", sagte Wendt dem "Handelsblatt" (Onlineausgabe).

Aus Wendts Sicht hätte Europa "Mare Nostrum" weiterentwickeln und um eine "Vorverlagerungs-Strategie" in den Mittelmeer-Anrainerstaaten erweitern müssen. "Stattdessen wird den Schleusern das ganze Mittelmeer überlassen, und nur in Küstennähe wird Europa aktiv", kritisierte der Gewerkschaftschef. Da dürfe sich niemand wundern, wenn die Schleuser sich darauf "blitzschnell" einstellten, "denn das sind keine Laien, sondern gut organisierte Gruppen, die ihr schäbiges Geschäft sofort umorganisieren, wenn die Bedingungen sich ändern".

Wendt forderte ein Umdenken in der EU-Flüchtlings- und Asylpolitik. "Die Europäische Union wäre gut beraten, in den Anrainerstaaten mit Verhandlungen, Anreizen und Beratung dafür zu sorgen, dass Flüchtlinge möglichst gar nicht erst diese Schrottkähne besteigen können", sagte er. "Auch Asylbegehren könnten zumindest eine Vorprüfung außerhalb der EU erfahren."

Die Bundespolizei habe mit ihren grenzpolizeilichen Verbindungsbeamten sowie Visa- und Dokumentenberatern einen international ausgezeichneten Ruf und eine nachweislich hohe Expertise, die beim Aufbau dieser neuen Strategie "wertvolle Hilfe leisten" könne. "Auf keinen Fall darf es wieder so sein, dass ein einziges Land der EU mit diesem Problem im Regen stehen gelassen wird", warnte Wendt. Sonst müsse man damit rechnen, "dass wieder Menschen vor den Küsten Europas zu Tausenden ertrinken - eine grauenhafte Vorstellung", fügte der Polizeigewerkschafter hinzu.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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