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Gewalt im Kosovo: Tirana will Großes Albanien

Archivmeldung vom 08.02.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.02.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Koštunica mit Condoleezza Rice 2006 in Washington D.C.
Koštunica mit Condoleezza Rice 2006 in Washington D.C.

Lizenz: Public domain
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Im März 2004 konnte Konstantin Katschalin den serbischen Premierminister Vojislav Koštunica interviewen. Es war gleich nach den tragischen Ereignissen in Kosovo und Metochien. Der Premier schloss nicht aus, dass möglicherweise auch al-Qaida dabei im Spiel gewesen sein könnte: Osama bin Laden war seinerzeit in Bosnien aktiv. Man munkelte auch, dass er die „Befreiungsarmee des Kosovo“ unterstützte.

Koštunica erzählt bei Radio "Stimme Russlands" online: "Zweifelsohne hat al-Qaida aktiv die Mudschaheddin in Bosnien geholfen. Dort agierten sie fast offen. Ich schließe nicht aus, dass al-Quaida auch im Kosovo präsent ist, wenn auch unter Schirmherrschaft verschiedener religiöser und humanitärer Organisationen. Die Welt muss darüber nachdenken, denn einerseits kämpfen die Amerikaner gegen den islamistischen Terrorismus in der ganzen Welt und andererseits merken sie gar nicht, was im Kosovo geschieht. So verwandelt sich das Kosovo allmählich in ein Zentrum organisierten globalen Terrorismus. In Großstädten haben die Terroristen eine bestimmte Taktik. In unserer Region haben sie eine andere in Angriff genommen – die Einschüchterung der Bevölkerung und Morde. Am 17. März ließen sich die Albaner auf ein Vabanquespiel ein. Das war ein Versuch, das Gebiet unter eigene Kontrolle zu nehmen.

Worin denn wohl das Hauptziel der Albaner bestehe? Wollen sie etwa ein Großes Albanien schaffen, das nicht nur das Kosovo, sondern auch ein Teil Bosniens, Mazedoniens und Montenegros einschließen wird? Der Premierminister zeigte keine Zweifel:

Zurzeit gibt es keinen einzigen albanischen Politiker, der der EU ehrlich gestehen würde, dass das wichtigste Ziel der Albaner in der ethnischen Reinheit der Region und in der Unabhängigkeit des Kosovo besteht. In der Tat lassen sie kein Mittel auf diesem Wege unversucht. Sollte dies jedoch geschehen, so werden die angrenzenden Gebiete in das Große Albanien umgekrempelt. Der erste Schritt auf diesem Weg wurde 2001 in Mazedonien getan, als die dortigen Albaner einen Krieg gegen dortige Behörden anstifteten.

Wenn das Kosovo eigene Souveränität verkündet, würde es mich wundern, wenn Tirana nicht wünschen würde, dies zu unterstützen, um sich dem Kosovo später anzuschließen. Es wird eine Lawine, die alles in ihrem Weg vernichtet. Dann kann das Große Albanien ein reales Projekt werden. Früher hat Washington die ganze Welt mit Serben bange gemacht, nun ist der Westen faktisch bemüht, den Albanern in ihrem Bestreben zu widerstehen, ein Großes Albanien zu schaffen. Das wichtigste ist, dass sich die Situation in der Region stabilisiert und es zu keinen Grenzverschiebungen zu wessen Gunsten auch immer kommt.

Der 17. März hat den Mythos über das multinationale Kosovo zerstört. Das war eine große Lüge für die Weltgemeinschaft. Nun kann man sich über die Gründe Gedanken machen und darüber, warum die Albaner mit anderen Völkern im Kosovo nicht friedlich zusammenleben können. Warum kann man nicht einen Modus vivendi finden, bei dem eine friedliche Koexistenz aller Völker im Gebiet und normale zivilisierte Beziehungen möglich wären. Es geht hier natürlich nicht um gegenseitige Liebe, sondern mindestens darum, dass es keinen Hass und kein Bestreben gibt alles zu vernichten, was mit dem orthodoxen Christentum und Serben zu tun hat.

Wie schätzen Sie Putins Erklärung über die Situation im Kosovo ein, die er gleich nach den Ereignissen des 17. Marz 2004 abgab?

Putin drückte sich völlig klar aus, als er die Ereignisse im Kosovo ethnische Säuberungen nannte. Anschließend bekamen wir die für uns so wichtige humanitäre Hilfe. Das war ein Symbol dafür, dass Russland Serbien in der für uns harten Minute unterstützt. Das ist nicht nur materielle Unterstützung, sondern auch ein Zeichen für die Serben, dass Russland ein Freund ist, der ihnen eine helfende Hand reicht. Und wir wussten das zu schätzen. Wir möchten alle tun, damit Menschen, die ihre Häuser im Kosovo einbüßten, wenigstens eine Zeitlang in annehmbaren Verhältnissen in Serbien leben können. Wenn sie dann nicht zurückkehren wollen, kann dies eine weitere Fluchtwelle aus dem Kosovo verursachen.

Bemerkenswerterweise habe ich, als ich zum serbischen Premierminister gewählt wurde, von Wladimir Putin nicht nur Glückwünsche erhalten, sondern auch einen wichtigen Brief, in dem der russische Präsident die Situation im Kosovo detailliert analysiert hatte. Es war eine deutliche Einschätzung dessen, was vor sich hin ging, die völlig mit der Unseren übereinstimmte. Es zeugt davon, dass die russische Diplomatie und Präsident Putin gewusst haben, was am 17. März geschehen könnte und uns davor warnten.

Es war eine genaue Analyse der wirklichen Sachlage in unserer Region. Alle Einschätzungen, die nach dem 17. Marz aus der Nato eintrafen, haben nichts mit der Realität zu tun. Früher hatten sie behauptet, dass die Situation im Kosovo einfach perfekt sei. Russland äußerte jedoch seine Beunruhigung über die schwierige Sachlage im Gebiet. Nun muss man eine klare politische Lösung des Kosovo-Problems finden. Ich persönlich sehe eine folgende Option: territoriale Autonomie. Weil das Kosovo Autonomie im Bestand Serbiens genießt, so müssen die Serben, damit ihre Rechte und Sicherheit geschützt sind, auch verschieden Autonomien – territoriale, persönliche und kulturelle – haben. Nur so könnten sich die Serben im Kosovo geschützt fühlen.

Quelle: Text Konstantin Katschalin - „Stimme Russlands"

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