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Warnung vor Weltkrieg: Papst kritisiert NATO-Osterweiterung als Provokation

Archivmeldung vom 05.05.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.05.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: Hintergrund: Freepik; Papst: US Department of State, Wikimedia Commons (PD); Selenski: Wikimedia Commons, CC0; Putin: Marcos Corrêa/PR, Wikimedia Commons, CC BY 2.0; Komposition: Wochenblick / Eigenes Werk
Bild: Hintergrund: Freepik; Papst: US Department of State, Wikimedia Commons (PD); Selenski: Wikimedia Commons, CC0; Putin: Marcos Corrêa/PR, Wikimedia Commons, CC BY 2.0; Komposition: Wochenblick / Eigenes Werk

Diesen Versuch versöhnlicher Worte hätten viele dem umstrittenen Pontifex nach seinen spalterischen Aussagen in der Coronakrise wohl kaum noch zugetraut. In einem Interview mit der italienischen Zeitung “Corriere della Sera” übte Papst Franziskus erstmals Kritik an den NATO-Provokationen. Dies berichtet das Magazin "Wochenblick.at".

Weiter berichtet das Magazin: "Er will sich für ein Ende des Krieges einsetzen – und ist daher auch der Ansicht, dass er zuerst mit Putin sprechen sollte, bevor er zu Selenski nach Kiew reisen würde. Von der Aufrüstung und den vielen Waffenlieferungen hält der Bischof von Rom wenig.

“Bellen der NATO” als Provokation für den Angriff

Der gebürtige Argentinier, der seit 2013 am Heiligen Stuhl sitzt, ist sich gewiss, dass ein Holzscheit allein nicht zu brennen vermag. Er sagte gegenüber dem italienischen Blatt: “Vielleicht war es das Bellen der NATO vor den Toren Russlands, das Putin zum Einmarsch in die Ukraine veranlasste. Ich kann nicht sagen, ob seine Wut provoziert wurde, aber ich vermute, dass die Haltung des Westens sie begünstigt hat”. Zugleich ist er der Ansicht, dass das Recht der Ukrainer, sich zu verteidigen, mit der katholischen Soziallehre vereinbar sei.

Er versuchte dennoch, auf einen gemeinsamen Nenner mit Kirill, dem Patriarchen des russisch-orthodoxen Kirche zu kommen. Dieser verteidigte in der ersten Hälfte der 40-minütigen Videokonferenz der beiden Kirchenoberhäupter die Rechtfertigungen für die russische “Spezialoperation”, wie Moskau den bewaffneten Konflikt im Nachbarland bezeichnet. Hier zeigte sich der Papst kritisch: “Bruder, wir sind keine Staatskleriker. Wir können nicht die Sprache der Politik sprechen, aber jene von Jesus.”

Internationale Interessen: Dritter Weltkrieg droht

Damit verbindet Franziskus den unbedingten Auftrag der organisierten Christenheit, sich für ein Ende des Krieges einzusetzen: “Wir müssen Wege zum Frieden finden.” Er verwies darauf, dass er Putin schon im März ein Gesprächsangebot machte, dieser auf jenes bislang aber nicht einstieg. Was der Papst bedauert: Denn seiner Ansicht nach lässt sich der Konflikt nur durch Gespräche beenden. Er wiederholte daher sein Offert – ohne allzu viel Hoffnung: “Wir drängen weiter, obwohl ich fürchte, dass Putin dieses Treffen im Augenblick nicht haben kann und haben will.”

Der erste Weg würde aber nach Russland führen – aus diesem Grund schließt Franziskus vorerst eine Reise nach Kiew aus: “Zuerst muss ich nach Moskau fahren, zuerst muss ich Putin treffen.” Er benannte den Ukrainekrieg als Stellvertreterkonflikt. Er warnte vor dem Ausbruch eines weltweiten Krieges. Dessen Vorboten fänden sich auch anderswo: “Wir bewegen uns auf einen dritten Weltkrieg zu. In Syrien, im Jemen, im Irak, in Afrika reiht sich ein Konflikt an den anderen. Und in jenem einzelnen von ihnen stehen internationale Interessen auf dem Spiel.” Auch im aktuellen Ukraine-Krieg hätten “andere Staaten” die Eskalation befeuert.

Nur wenige trauen sich, gegen Aufrüstung zu protestieren

Bereits in den letzten Wochen hatte sich Papst Franziskus gegen die Aufrüstung und Kriegstreiberei geäußert – allerdings nie derart deutlich. Diesmal kritisierte er offen auch die Rüstungsindustrie sowie beide Kriegsseiten: “Was unbestritten scheint, ist, dass beide Seiten neue Waffen ausprobieren. Die Russen etwa haben gerade herausgefunden, dass Panzer nutzlos sind und entwickeln vielleicht neue Waffen. Kriege werden auch deshalb geführt, dass die Konfliktparteien ihre Waffenarsenale testen können.”

Dies sei bereits historisch belegbar – etwa im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) oder im Zweiten Weltkrieg (1939-45). Für Franziskus ist der Krieg ein fürchterliches Treiben: “Die Produktion und der Verkauf von Rüstungsgütern ist eine Schande. Aber nur wenig sind mutig genug, sich dagegen zu wehren.” Dass er die Eskalation in der Ukraine erst kürzlich als “Bruderkrieg” bezeichnete, brachte ihm im osteuropäischen Land viel Kritik ein. Etwa 6 Prozent der Ukrainer, vor allem im Westen, sind katholisch. Die dort dominante Kirche folgt zwar dem byzantinischen Ritus, untersteht aber kirchenrechtlich Rom."

Quelle: Wochenblick

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