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Kinderschutzbund-Präsident Hilgers kritisiert Bundestagsentschließung zur Beschneidung

Archivmeldung vom 21.07.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 21.07.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Das Logo des DKSB
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Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB), Heinz Hilgers aus Dormagen, kritisiert die Entschließung des Bundestages zur rituellen Beschneidung. »Das ging mir viel zu schnell. Hier wäre ein Moratorium angebracht gewesen«, sagte Hilgers dem WESTFALEN-BLATT (Samstagsausgabe). Es habe keinen Grund gegeben, sich bei einem Thema, über das vor vier Wochen noch niemand gesprochen habe, so übereilt festzulegen. Die Aufregung auf beiden Seiten sei völlig unangemessen.

Der Bundestag hatte eine Resolution mit dem Ziel verabschiedet, die rituelle Beschneidung möglichst schnell per Gesetz zu erlauben. »Wir sind weit davon entfernt, alle Argumente für und gegen ein Beschneidungsverbot ausgetauscht zu haben«, sagte der Vater dreier Söhne, der dem Kinderschutzbund seit 19 Jahren vorsteht. Die vielen offenen Fragen seien auch der Grund, warum sich der DKSB noch keine Meinung gebildet habe. »Vielleicht gelingt uns das ja auf unserer Bundesvorstandssitzung im September«, sagte Hilgers.

Es gebe im Kinderschutzbund Verfechter beider Lager. »Ich kenne etwa einen Kinderarzt, der sich mit großem Engagement gegen die Beschneidung einsetzt.« Andererseits seien dem Kinderschutzbund noch keine wissenschaftlichen Forschungen bekanntgeworden, die negative Auswirkungen der Beschneidung beschrieben. »Das heißt nicht, dass es solche Forschungen nicht gibt. Aber wir kennen sie eben noch nicht. Das Thema ist neu für uns.« Bei der Meinungsbildung seien auch die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu berücksichtigen, die sich insbesondere in Entwicklungsländern für eine Beschneidung von Jungen ausspreche. »Nach Angaben der WHO sinkt das Aids-Risiko auf ein Sechstel«, sagte der 64-Jährige. Grund sei offenbar die Verhornung der Eichel, so dass sich Viren dort nicht mehr so gut festsetzen könnten.

In dem Vorschlag, die Beschneidung in ein Alter zu verschieben, in dem Jungen selbst entscheiden können, sieht Hilgers keine schnelle Lösung: »In Schweden etwa ist es verboten, Jungen nach dem zweiten Monat zu beschneiden, weil dann wohl mehr Komplikationen zu erwarten sind.« Zu einer am Freitag angekündigten Petition von Beschneidungsgegnern sagte der Kinderschützer: »Die Initiatoren haben mich gefragt, ob ich mich anschließe, aber das konnte ich nicht, weil mein Standpunkt noch nicht feststeht.« Der Bund Deutscher Kriminalbeamter, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Deutsche Kinderhilfe und mehrere Privatpersonen wollen mit einer Online-Petition erreichen, dass der Bundestag in den nächsten zwei Jahren die Beschneidung nicht legalisiert. Das Thema soll erst an einem Runden Tisch mit Religionsvertretern, Ärzten, Psychologen und weiteren Experten diskutieren werden. Georg Ehrmann (Deutsche Kinderhilfe): »Die Bundestagsverwaltung stellt unsere Petition im August ins Internet. Wir brauchen 50 000 Stimmen, um eine Anhörung unserer Argumente im Parlament zu erreichen.«

Quelle: Westfalen-Blatt (ots)

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