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Konfliktforscher warnt vor zunehmender Diskriminierung von Muslimen

Archivmeldung vom 09.01.2015

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 09.01.2015 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / pixelio.de
Bild: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / pixelio.de

Der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick warnt nach dem Pariser Terroranschlag vor einer zunehmenden Diskriminierung von Muslimen in Deutschland: "Muslimische Gemeinden geraten in die Vorurteilsschleife, weil sie sich eigentlich nur falsch verhalten können, wenn wir sie verdächtigen. Sie sollten aber gerade unterstützt werden", sagte Zick dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Abwertung und Abgrenzung radikalisieren mehr, als dass sie helfen."

Zick erwartet, dass sich die Debatte durch Pegida nun weiter verschärft. "Der schnelle Reflex von Pegida, einen Trauermarsch einzuberufen, zeigt: Die Anhänger sehen sich bestätigt." Es werde nicht bei Trauer stehen bleiben, sagte Zick, die Anhänger vergäßen dabei aber, "dass generelle Verdächtigungen von Gruppen nichts ausrichten gegen Terror".

2014 war dem Bielefelder Professor zufolge "das Jahr der Radikalisierung unserer Gesellschaft. Anders als früher sehen wir jetzt, wie außenpolitische Konflikte wahnsinnig schnell innenpolitisch relevant werden". Pegida mache deutlich, "dass diese Konflikte ins Zentrum drängen", sagte Zick. In Deutschland gebe es eine "fragile Mitte", "und die ist propagandistisch aufladbar". Zick ist Professor für Sozialpsychologie. Er leitet das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld.

Kauder findet Pegida-Bewegung "unerträglich"

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), hat scharfe Kritik an der Bewegung der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) geübt: "Was ich in den letzten Tagen von Pegida gelesen und gehört habe, war unerträglich", sagte Kauder im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Slogans wie `Sachsen bleibt deutsch`, Attacken gegen Amerika, das Schwenken russischer Fahnen - da kommt vieles zusammen, was die Grundprinzipien und die Erfolgsbasis unseres Landes in Frage stellt."

Mit einer Politik, wie sie auf den Pegida-Kundgebungen gefordert werde, "könnten wir unseren Wohlstand nicht bewahren", warnte der Unionsfraktions-Chef. "Wir sind auf den internationalen Austausch angewiesen und dazu gehört, dass Menschen aus der ganzen Welt zu uns kommen können."

Die Wortführer der Pegida-Demonstrationen nannte Kauder "Zukunftsverweigerer". Es gebe Entwicklungen, die auch ihm Sorge machten, betonte er mit Blick auf den Salafismus und Bedrohungen durch den islamistischen Terror. Dieser jedoch dürfe keinesfalls mit dem Islam oder gar mit Muslimen gleichgesetzt werden. Zur Lage in Deutschland sagte er: "Von einer Islamisierung kann keine Rede sein."

Pegida dankt AfD für Dialogbereitschaft

Die Organisatoren der Bewegung der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) haben der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen für die Einladung zum Dialog über die Ziele der Pegida gedankt. "Wir haben viele gemeinsame Schnittmengen bei den Themen Einwanderungs- und Asylpolitik festgestellt", sagte Pegida-Mitorganisatorin Kathrin Oertel mit Blick auf ein Gespräch zwischen sieben Pegida-Organisatoren und Politikern der sächsischen AfD.

"Wir sind uns darüber hinaus einig, dass wir beim Thema Innere Sicherheit immensen Nachholbedarf haben", so Oertel weiter. Allerdings seien die Pegida-Organisatoren und die AfD auch bei den Themen Gender Mainstreaming und direkte Demokratie "nah beieinander", betonte sie. Oertel kündigte zudem an, Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) "trotz der in der Presse zitierten Ablehnung des Dialogs offiziell einzuladen".

Mit Blick auf den Pariser Terroranschlag vom Mittwoch, bei dem mindestens zwölf Menschen getötet und mehrere weitere verletzt wurden, rief Oertel dazu auf, bei der Dresdner Pegida-Demo am kommenden Montag mit Trauerflor zu erscheinen. "Wir verurteilen den feigen Anschlag von Paris und werden die Opfer mit einer Schweigeminute ehren. Wir haben es nicht nötig, darauf hinzuweisen, dass es uns aus diesem Grunde gibt. Darauf kommen mündige Bürger von selbst", so Oertel. "Wir wollen in einem friedlichen Europa leben, in dem jeder unabhängig von seiner Hautfarbe und seiner Religion willkommen ist - wenn er sich an unsere christlich-abendländischen Werte hält."

AfD-Chef Adam kritisiert Bündnis gegen Pegida

Der Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Konrad Adam, hat Kirchen und Gewerkschaften, die sich gegen Pegida engagieren, scharf kritisiert. "Ich selbst bin Protestant und ich sehe mit Sorge, dass den Gewerkschaften und den Kirchen die Mitglieder weglaufen, genauso wie den Alt-Parteien", sagte Adam im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Alle diese Institutionen wären gut beraten, nicht nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern sich zu fragen, ob und was sie selbst zum Auseinanderfallen der Gesellschaft in oben und unten beigetragen haben könnten."

Für die Ziele der Pegida-Demonstranten äußerte Adam Verständnis. "Die meisten Pegida-Demonstranten werden missverstanden", sagte er. "Kritik an ungeordneter Zuwanderung und am hinterwäldlerischen Islam sind zwei Motive unter vielen", so der AfD-Politiker. "Was die Menschen auf die Straße treibt, ist die berechtigte Angst davor, dass diese Gesellschaft auseinander fällt."

Adam plädierte dafür, die AfD weiter für Pegida-Sympathisanten zu öffnen. "Wir haben die Pflicht, den Menschen - wie Martin Luther gesagt hat - aufs Maul zu schauen. Das, was wir an berechtigten Ängsten und Forderungen heraushören, müssen wir in gute Politik übersetzen", sagte der frühere Journalist.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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