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Sahra Wagenknecht: Ihre große Abrechnung mit der Corona-Politik

Archivmeldung vom 06.09.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.09.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: Sarah Wagenknecht YouTube / Reitschuster / Eigenes Werk
Bild: Sarah Wagenknecht YouTube / Reitschuster / Eigenes Werk

Zuletzt wurde die linke Ikone Sahra Wagenknecht in einer Talkshow von Beatrix von Storch zitiert und dieses Zitat gegen eine Parteigenossin der Linken ins Feld geworfen – aber davon lässt sich Wagenknecht als Linke nicht abschrecken und geht ihren Weg – wie man weiß auch gegen den Wind aus den eigenen Reihen. Dies berichtet Alexander Wallasch auf dem Portal "Reitschuster.de".

Weiter berichtet Wallasch: "Sahra Wagenknecht bewirbt auf ihrer Website ihren Youtube-Kanal. Wöchentlich erhalten Interessierte dort eine Video-Botschaft frei Haus unter dem etwas sperrigen Titel „Bessere Zeiten – Wagenknechts Wochenschau“.

Seit gestern schon weit über hunderttausend Mal angeschaut wurde Wagenknechts aktuelle Ausgabe „Corona: Mythen statt Fakten – Wie Merkel & Co. die Gesellschaft spalten“. Die linke Spitzenpolitikerin beginnt damit, Kanzleramtsminister Helge Braun zu zitieren, der den Bürgern im März dieses Jahres ein Versprechen gemacht hatte, das er jetzt nicht einhalten kann.

Im Folgenden Sahra Wagenknecht im Originalton:

"Wenn wir jedem ein Impfangebot gemacht haben, dann können wir zur Normalität in allen Bereichen zurückkehren. Wer hat´s gesagt? Nein, es war nicht Boris Johnson, der zu Recht als nicht besonders seriös geltende britische Premierminister, es war auch nicht ein Querdenker, der hier irgendwelche Forderungen gestellt hat. Nein, es war Helge Braun, der Kanzleramtsminister, rechte Hand von Angela Merkel, und gesagt hat er das im März: „Wenn jeder ein Impfangebot hat, wenn jeder die Möglichkeit hatte, sich impfen zu lassen, dann können wir zur Normalität zurückkehren.“
So wie übrigens andere Länder auch, Großbritannien hat das gemacht, im Juli schon, und auch das grundsolide Dänemark hat jetzt zum ersten September sämtliche Maßnahmen aufgehoben, bei einer Impfquote von etwa 70 Prozent. Deutschland hat 60 Prozent… offiziell, wobei man inzwischen festgestellt hat: Huch! Ganz viele Impfungen wurden offenbar gar nicht gemeldet und gezählt.

Sahra Wagenknecht stellt in ihrer Videobotschaft weiter fest:

Wir haben ja schon die ganze Corona-Zeit irgendwie große Probleme, normale Daten zu erfassen. Also Dänemark mit einer Impfquote, die nicht viel anders ist als Deutschland sagt: „Ok, wer sich schützen will, kann sich schützen, es gibt jetzt genug Impfstoff, und es gibt keinen Grund mehr, das Land und das gesellschaftliche Leben mit bestimmten Maßnahmen lahmzulegen.“ In Deutschland sieht es anders aus. Von Normalität kann keine Rede sein.

Die Politikerin der Linken zitiert die Bürger, die in etwa sagen würden:

Naja, muss ja wahrscheinlich sein, Corona ist nicht weg und wir müssen doch alles tun, um zu verhindern, dass es noch einmal Schulschließungen geben muss oder gar das ganze Land in den Lockdown gehen sollte.

Wagenknecht sieht die Entwicklung rund um 3G oder gar 2G kritisch:

Jetzt gibt es deutschlandweit 3G und der Trend ist eindeutig. Womöglich wird aus 3G irgendwann 2G, das heißt, Menschen, die nicht geimpft sind, werden komplett vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen (…). Man kann nicht mehr in die Bar, in die Kneipe, ins Kino, ins Restaurant, in die Diskothek. Oder schlimmer noch, man kann vielleicht auch sein Studium nicht fortsetzen. Viele Universitäten verlangen (…) alle zwei oder drei Tage einen Test. (Aber) welcher Student, der nicht reiche Eltern hat, kann sich das leisten?

Auch die Kanzlerkandidatin der Grünen bekommt ihr Fett weg in der Ansprache der Linken. Und Wagenknecht scheut sich nicht in den Vergleich mit der Pflichtimpfung gegen Masern zu gehen:

Nun sagen ganz Viele: „Auch Frau Baerbock hat das jetzt noch mal ganz deutlich gesagt, ja wer sich nicht impfen lassen will, der muss halt Freiheitseinschränkungen in Kauf nehmen, das ist eben so. Gibt’s ja auch in anderen Bereichen: Bei der Masernimpfung, da wird auch verlangt, dass Kinder, die in die Kita gehen … ja, die müssen die halt haben. Oder wenn man in bestimmte Gebiete reisen will, da muss man gegen Gelbfieber oder gegen anderes geimpft werden. Das gibt’s doch alles schon, also warum so ein Theater? Immerhin wollen wir doch langsam mal diese Pandemie in den Griff kriegen. Also wieso nicht hier den Druck erhöhen?“

Mehrheitsmeinungen sind für Wagenknecht in dieser Debatte allerdings kein schlagendes Argument:

Aber ich denke, Mehrheiten sehen es auch deshalb so, weil in der öffentlichen Debatte wirklich die Fakten, die Realitäten, die Wahrheit in einer Weise verbogen und manipuliert werden, dass man wirklich sprachlos werden kann. Also man erwartet doch von einer öffentlichen Diskussion, und bitteschön auch von Journalistinnen und Journalisten, dass sie das darstellen, was Stand der wissenschaftlichen Debatte ist. Dass sie das darstellen, was in etwa dem entspricht, was heute der Wissensstand ist.

Aber nein, stattdessen wird wirklich in einer Weise die Realität verzerrt, dass man sich fast schon nicht mehr wundern muss, dass es dann auf der anderen Seite Menschen gibt, die an sehr abenteuerliche Theorien glauben, weil sie das Gefühl hatten, sie werden hier von vorne bis hinten veralbert in dem, was öffentlich gesagt wird.“

Mit diesen Gefühlen hätten diese Menschen aber nicht Unrecht, sagt Wagenknecht.

Also das fängt damit an, mit dem Argument, bei anderen Impfungen gibt es das ja auch. Bei Masern, oder eben bei bestimmten Reisen. Ja ist es das gleiche, ob man in ein Land reisen will, oder ob man sein Studium fortsetzen kann? Ob man womöglich seinen Arbeitsplatz verliert? Weil, auch das wird ja mittlerweile diskutiert. Dass Arbeitgeber offiziell abfragen dürfen, ob die Beschäftigten geimpft sind oder nicht. Und teilweise läuft das ja sogar heute schon. Aber das soll sogar noch legalisiert werden.

Impfen wird von der Politikerin nicht grundsätzlich verurteilt:

Und natürlich gibt es auch Unterschiede bei den Impfstoffen, über die wir reden. Ja. Ich finde, dass es absolut richtig war, eine gewisse Zeit die Pockenimpfung zu Pflicht zu machen. Das war eine Impfung, die hat eine Krankheit ausgerottet. Die für ganz viele Kinder tödlich war oder sie fürs Leben entstellt hat. Und ich finde auch richtig, dass Masernimpfungen verlangt werden. Weil, auch Masern sind eine für Kinder tödliche Krankheit und für Erwachsene ebenso.

Auch Corona hätte viele Menschenleben gekostet, aber eben nicht bei Kindern, weiß Wagenknecht. Und sie weiß um einen ganz entscheidenden Unterschied zum Masernimpfstoff, zum Pockenimpfstoff, zu all den Impfstoffen die seit vielen, vielen Jahren auf dem Markt sind:

Diese Impfstoffe sind sehr, sehr langfristig erprobt, erforscht, da kann eigentlich nichts Überraschendes mehr passieren. Die werden so lange eingesetzt, dass man etwa weiß, welche Nebenwirkungen auftreten können, die gibt es da auch. Inzwischen wird ja z.B. Pockenimpfung nicht mehr verimpft, weil die Krankheit zum Glück ausgerottet ist und weil man dann gesagt hat, ja dann sind die Nebenwirkungen nicht mehr zu rechtfertigen. Also man weiß bei diesen Impfstoffen, welche Gegenwirkungen es gibt, man weiß, was passieren kann, man weiß, wie sie wirken und da ist alles über so viele Jahre erforscht, dass Überraschungen nicht zu erwarten sind.

Bei den Corona-Impfstoffen wäre das etwas anderes. Hier seien mit großer Intensität in sehr kurzer Zeit Impfstoffe entwickelt worden. Und Impfstoffe, die in Deutschland im Einsatz seien, wären sämtlichst Impfstoffe, die auf einem völlig neuartigen Verfahren beruhen, nämlich genetische Impfstoffe, die eine anderes Wirkprinzip haben als die klassischen Impfstoffe.

Und diese neuartigen Impfstoffe sind zugelassen worden, zunächst mal, klar, weil man diese Krankheit vor allem auch für die Risikogruppen eindämmen musste. Weil sie für Menschen, die in höheren Altersgruppen sind, die bestimmte Vorerkrankungen haben, hochgefährlich sind. Deswegen hat man in einer Notzulassung sehr, sehr schnell diese Impfstoffe zugelassen. Aber es ist doch völlig klar, dass niemand, und zwar bis heute nicht, weiß, welche langfristigen, möglichen Nebenwirkungen, Folgen, Auswirkungen diese Impfstoffe haben. Das hat man übrigens ausdrücklich auch anerkannt.

Wagenknecht erinnert in ihrem Video an die geleakten Verträge, die Staaten zum Beispiel mit dem Unternehmen BioNTech/Pfizer abgeschlossen haben:

Und da liest man Folgendes: „Der Käufer [,also der Staat,] erkennt an, dass die langfristigen Wirkungen und die Wirksamkeit des Impfstoffs derzeit nicht bekannt sind und dass der Impfstoff unerwünschte Wirkungen haben kann, die derzeit nicht bekannt sind […] Der Käufer erklärt sich hiermit bereit, Pfizer, Biontech (und) deren verbundene Unternehmen (…) von und gegen alle Klagen, Ansprüche, Aktionen, Forderungen, Verluste, Schäden, Verbindlichkeiten, Abfindungen, Strafen, Bußgelder, Kosten und Ausgaben freizustellen, zu verteidigen und schadlos zu halten.

Na, da hat doch ein Unternehmen sich wirklich abgesichert. Gegen die langfristigen, unbekannten, möglichen Folgewirkungen, die es ja angeblich gar nicht geben soll. Wird uns ja immer erzählt, Impfstoffe haben nie langfristige Wirkungen, immer nur kurzfristige. Ja das kann man für die jetzigen Impfstoffe schon deshalb nicht sagen, weil es diese Art Impfstoffe ja vorher gar nicht gab.

Und im Übrigen stimmt es auch nicht. Es hat ja zwei Versuche mit Impfstoffen gegeben, bei denen sich erst längerfristig sehr, sehr unerwünschte Nebenwirkungen herausgestellt haben. Und das waren beides auch genetische Impfstoffe, nämlich so genannte Vektor-Impfstoffe, also das Prinzip, was heute zum Beispiel bei AstraZeneca eingesetzt wird. Das war ein Impfstoff gegen Aids, der getestet wurde, der zunächst zu wirken schien, und erst langfristig hat man gemerkt, erst nach über 1½ Jahren wurde das deutlich, dass dieser Impfstoff am Ende nicht geschützt hat, sondern sogar dazu führte, dass Menschen ein größeres Risiko hatten, an Aids zu erkranken. Dann hat man diesen Impfstoff natürlich gestoppt, er war ja noch nicht zugelassen und es gibt ihn bis heute nicht.

Wagenknecht erinnert auch an ähnliche Erfahrungen, die man mit dem Dengue-Fieber gemacht hätte:

Auch das war ein Impfstoff, den man zunächst mal relativ, in dem Falle sogar sehr breit schon eingesetzt hat, auch Kinder geimpft hat, und der sollte gegen diese gefährliche Krankheit schützen. Und auch da stellte sich erst nach einer längeren Zeit raus, dass Kinder, die vorher nicht infiziert waren mit dem Dengue Fieber und diesen Impfstoff bekommen haben, dass die dann, wenn sie sich irgendwann infiziert haben, ein viel größeres Risiko hatten zu sterben. Erst längerfristig, nicht kurzfristig. So, nun hoffen wir alle, dass das für die aktuellen Impfstoffe nicht gilt. Und bisher gibt es ja auch keine Anhaltspunkte dafür. Aber so zu tun, als wüsste man das alles, als sei das gesichert, als sei das erforscht, das ist Unsinn.

Für Sahra Wagenknecht soll bei den aktuellen Impfstoffen jeder für sich abwägen, wie hoch sein persönliches Risiko ist, schwer an Covid-19 zu erkranken. Und sie befindet, das sei sehr unterschiedlich, je nach Alter und Gesundheitssituation.

Aber nein, stattdessen gibt es einen unglaublichen Druck. Und den Druck gibt es ja vor allem auch, weil man sagt: „Nein, die Menschen schützen ja nicht nur sich, wenn sie sich impfen. Dann könnte man das ja wirklich der individuellen Entscheidung überlassen. Sondern sie schützen ja alle anderen, sie schützen unser Gesundheitssystem, nämlich vor Überlastung. Und sie schützen auch davor, dass dieses Virus weitergegeben wird, wenn sie sich impfen, dass sie dann andere infizieren.“ Das alles wird gesagt, und das alles ist mit diesem Druck auch ein Argument dafür, dass man diesen Druck ausübt. Weil der Selbstschutz allein, ja, wenn wir inzwischen so weit sind, dass wir Menschen davor schützen müssen, dass sie sich selber gefährden, was haben wir dann für eine Gesellschaft? Wir müssen dann Rauchen verbieten, Alkohol verbieten, gefährliche Sportarten verbieten. Überall gehen Menschen Risiken ein, ja wollen wir so eine Gesellschaft haben?
Nie mehr Schulschließungen

Schulschließungen dürfe es nicht mehr geben, so Wagenknecht. Es gebe keinen Grund mehr, Schulen zu schließen und das unabhängig von den Inzidenzzahlen.

Man konnte, bevor es Impfungen gab, vielleicht Schulschließungen noch damit begründen, dass Kinder womöglich ihre Eltern und Großeltern anstecken und zumindest für die Großeltern das hoch gefährlich sein kann und für Eltern mit Vorerkrankungen natürlich auch.

Heutzutage gelte dieses Argument nicht mehr, so Wagenknecht, die Erwachsenen könnten sich ja impfen lassen. Aber für gesunde Kinder, dafür gäbe es inzwischen eine große Datenlage, für gesunde Kinder sei Corona keine gefährliche Krankheit.

Es gibt in Deutschland insgesamt, nach den Angaben der Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie, sechs Kinder die an Covid-19 gestorben sind. Das ist tragisch, aber alle diese sechs Kinder hatten schwerste Vorerkrankungen. Für gesunde Kinder gibt es de facto kein relevantes Risiko.

Das Long-Covid-Phänomen ist für Wagenknecht alles andere als ausreichend erforscht:

Da wird ja auch immer gesagt, ja da gibt es Folgeschäden, schlimm und fürs Leben gezeichnet. Also es gibt ja eine Studie, die das untersucht hat, und zwar eine, die es seriös untersucht hat. Die meisten Studien zu Long-Covid beruhen auf Umfragen – da haben sie Leute gefragt, die davon ausgingen, dass sie mal Corona hatten – auch nicht unbedingt, dass das getestet war – und haben sie nach Long-Covid gefragt. Und da gab es dann ganz, ganz viel, was angegeben wurde.

Wagenknecht weiß aber von einer deutsch-schweizerischen Studie, die das seriös untersucht hat und zu dem Ergebnis gekommen sei, es gäbe bisher keinen Beleg dafür, dass es bei Kindern in relevanter Zahl Long-Covid oder Folgeschäden gibt.

Es gibt diese Belege nicht und deswegen muss man ganz klar sagen: Schulschließungen sind nicht verantwortbar, wenn sie mit dem Argument daherkommen, wir müssen die Kinder schützen.

Wagenknecht beschäftigt sich in ihrer Video-Botschaft weiter mit dem Argument der Überlastung des Gesundheitssystems:

Klar, wenn sich viele Menschen nicht impfen lassen, so das Argument, dann werden sie irgendwann, oder ein Teil davon, auf der Intensivstation landen, im Krankenhaus landen und dann haben wieder andere das Nachsehen, die eine Hüftoperation brauchen, die werden dann wieder verschoben, vertagt und das können wir doch alle nicht dulden.
Ist das Argument wirklich korrekt? Wie war es denn im letzten Jahr, als es keine Impfung gab? Im Frühjahr, ja, da wurden massenhaft andere Behandlungen verschoben. Mit dem Ergebnis, dass die Krankenhäuser leer waren. Im Herbst, das ist richtig und auch im Winter, gab es immer wieder Engpässe, allerdings nicht im gesamten Krankenhaussystem, sondern in einzelnen Krankenhäusern, die absolut überfordert und überlastet waren.
Überlastungen gab es schon bei Grippewellen

Aber auch da muss man natürlich sagen: Überlastung in Krankenhäusern, also wenn man sich mit Pflegern und Ärzten unterhält, das ist eine Situation, die es in jeder Grippewelle immer wieder gab, und zwar ganz massiv. Und die hat es bei Covid auch gegeben. Ja. Aber vielleicht sollte man daraus mal den Schluss ziehen, dass wir unsere Krankenhäuser anders ausstatten müssen. Dass wir mehr Personal brauchen, was wir dann auch besser bezahlen müssen, sonst kann man eben die offenen Stellen nicht besetzen. Dass man nicht Intensivbetten abbaut, sondern aufbaut.

Richtig absurd für Wagenknecht ist, dass wir in Deutschland nach anderthalb Jahren Covid weniger Krankenhäuser, weniger Vollzeit- Pflegekräfte und auch weniger Intensivbetten haben als vorher.

Und dann kommen sie jetzt schon wieder mit dem Argument der Überlastung des Gesundheitssystems? Und wenn man sich insgesamt das letzte Jahr anguckt – und das war das Jahr ohne Impfen – waren vier Prozent der Intensivbetten mit Covid-19 Patienten belegt. Ohne Impfung! Inzwischen ist ein Großteil vor allem auch der Risikogruppen geimpft. Zu sagen, wenn man jetzt also nicht drakonische Maßnahmen gegen Ungeimpfte einleite, dann kommt es zu einer massiven Überlastung? Das ist doch absurd.

Was hat man in Großbritannien vorausgesagt? Und obwohl das öffentliche Gesundheitssystem dort schlechter ist als das Deutsche, hat es keine Überlastung gegeben. Interessant ist auch Dänemark: In Dänemark sind die Inzidenzen viel, viel höher, aber es gibt viel, viel weniger Krankenhausfälle. Und es gibt übrigens auch weniger Todesfälle mit Covid als in Deutschland.

Und das führt Wagenknecht dann zum nächsten für sie „wirklich interessanten“ Punkt:

Was wird bei uns eigentlich wie gezählt? Ich meine Corona in den Krankenhäusern, das sind nicht nur Menschen, die wegen Corona im Krankenhaus oder in der Intensivstation liegen, sondern das ist nach unserer Zählung jeder, der ins Krankenhaus kommt und einen positiven PCR-Test hat. Auch wenn er rauskommt, weil er einen Herzinfarkt hatte, oder einen Verkehrsunfall. Und das sind ja nicht so wenige.

Noch ein Fakt ist für die Linke interessant:

Da wird immer gesagt: „Eine Pandemie der Ungeimpften“. Wurde gerade auch in Deutschland wieder als Argument genannt: „Nur Ungeimpfte infizieren sich“. Worauf beruhen diese Zahlen? Ja, die beruhen darauf, dass Ungeimpfte zurzeit sehr viel getestet werden, weil sie ja überall Tests brauchen und Geimpfte gar nicht getestet werden. Oder höchstens, wenn sie wirklich erkranken, was in seltenen Fällen ja leider auch vorkommt.
Aber das ist doch wirklich ein Pseudo-Argument, zu sagen, ja die einen testen wir und dann stellen wir fest, ah, da sind ganz viele Inzidenzen, die anderen testen wir nicht und sagen dann, ja die haben keine Infektionen. Es gibt inzwischen Studien, die ganz klar belegen, dass auch Geimpfte sich infizieren und zwar gar nicht so selten, wie das aussieht. Es wird nur nicht seriös analysiert, wie viele. Und es ist leider auch so, dass auch Geimpfte in seltenen Fällen, aber eben auch nicht ausgeschlossen, ins Krankenhaus kommen und da behandelt werden müssen.

Wagenknecht erinnert auch an die Probleme in Israel:

In Israel sind aktuell 60 Prozent der hospitalisierten Covid-Patienten geimpft. 60 Prozent! Das hängt natürlich damit zusammen, dass gerade die Risikogruppen eben in großer Zahl geimpft sind. Also das heißt nicht, dass Geimpfte ein größeres Risiko haben im Krankenhaus zu landen, sondern es zeigt einfach nur, dass die Impfung nicht hundertprozentig schützt, das wusste man aber auch, und dass deshalb natürlich eine Belastung des Gesundheitssystems in Israel jetzt aktuell, mehr noch von den Geimpften als von den Ungeimpften ausgeht, in dem Sinne, dass sie eben mehr in den Risikogruppen sind, die dann im schlimmeren Fall auch behandelt werden müssen. Solche Fakten werden einfach ausgeblendet.

Dann kommt Wagenknecht noch auf Impfauffrischungen zu sprechen:

Weil die Impfstoffe nicht vollständig wirken, gerade deshalb müssen sich möglichst viele impfen lassen, weil die Ungeimpften ja dann die Geimpften gefährden. Auch das Argument entspricht nicht dem aktuellen Stand der Studien (…) die ist erst kürzlich veröffentlicht worden, eine Studie, wo ganz klar daraus hervorgeht, Geimpfte können sich nicht nur infizieren, sie sind, wenn sie mit dem Virus in Kontakt kommen, und wenn sie infiziert sind, auch genauso ansteckend wie die Ungeimpften. Ganz genauso ansteckend! Das heißt, der Effekt der Impfung ist nur – also nur in Anführungsstrichen –, dass das eigene Risiko, zu erkranken, gerade wenn man älter ist, gerade wenn man Vorerkrankungen hat, sehr viel geringer ist, als wenn man sich nicht impfen lässt. Das ist aktuell die Situation. Man minimiert sein eigenes Risiko. Andere anstecken kann man ganz genauso wie die Ungeimpften.

All das würde für Wagenknecht zeigen, dass diese ganzen Regeln, die wir jetzt in Deutschland haben, völlig irrational sind:

Die helfen nicht dabei, irgendetwas einzudämmen, die retten auch kein Menschenleben, sondern es ist einfach eine Drangsalierung einer Bevölkerungsgruppe, die eine bestimmte Entscheidung für sich getroffen hat. Ob die nun richtig war oder falsch, das mag ja eben jeder für sich entscheiden.

Die Datenbasis, in der wir uns bewegen, findet Wagenknecht erschreckend:

Also das, was an Maßnahmen gemacht wird, beruht einmal auf völlig falschen Annahmen, die sind wissenschaftlich widerlegt. Die Studien, die ich genannt habe, die werden ja gar nicht bestritten. Sie werden nur irgendwie nicht ernst genommen. Aber auf der anderen Seite haben wir auch über die meisten Dinge, die ja wichtig sind, um die Situation zu beurteilen, haben wir überhaupt keine verlässlichen Daten. Wie gesagt bei den Impfungen fängt das ja an.
Hamburg hat 2G durchgesetzt. Mit dem Argument, wir haben so wenig Impflinge, so wenig Impffreunde in der Bevölkerung. Da stellt sich raus: 70.000 Impfungen bei den Hausärzten wurden mal nicht gezählt, weil man die gar nicht gemeldet hat oder weil sie irgendwo in einem Faxgerät verloren gegangen sind.

Aber so Wagenknecht weiter, wir wüssten bis heute nicht, wie viele Menschen wegen Corona in Krankenhäusern waren in den letzten anderthalb Jahren:

Wir wissen, wie viele Leute mit einem positiven PCR-Test im Krankenhaus waren. Das ist aber etwas anderes. Wir wissen auch bis heute noch nicht einmal, wie viele Menschen in Deutschland an Corona gestorben sind. Das Statistische Bundesamt sagt zum Beispiel für 2020: 30.000. Das LKA sagt 46.000. Inzwischen haben Mediziner sich mal angeguckt, was die aktuellen Zahlen sind. Und da hat ein Mediziner ganz klar belegt, dass wahrscheinlich 80 Prozent derer, die aktuell als Corona-Tote gemeldet werden, gar nicht an Corona sterben, weil die Infektion mehr als fünf Wochen zurückliegt.

'Ja was sind das für Daten?', fragt Wagenknecht ungläubig

Auf so einer Grundlage kann man doch keine Politik machen und kann man doch nicht ein ganzes Land und die Freiheit von Millionen Bürgerinnen und Bürgern beeinträchtigen. Also ich frage mich wirklich, ist das verfassungskonform, und ich wünsche mir (…), dass wir eine gute Gesundheitspolitik machen. Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, man lässt alles laufen und wer stirbt hat halt Pech gehabt. Das finde ich zutiefst zynisch. Aber das, was wir zurzeit machen, ist das Gegenteil dessen.

Und ein gutes Gesundheitssystem? Ja klar, dann müsste man vielleicht ein bisschen mehr Geld investieren, wenn man das haben wollte. Da würden sehr viele Menschenleben gerettet.
Also das ist alles nicht wirklich rational und ich finde, so dürfen wir nicht weitermachen. Und Politiker, die für so eine Politik stehen – und da muss man leider sagen auch die Grünen – die sind hier mit die Verrücktesten –, solche Politiker sollte man wirklich nicht wählen.

So beendet Sahra Wagenknecht ihre Wochenschau. Ein expliziter Wahlaufruf, die eigene Partei zu wählen, fehlte allerdings, oder hat die prominente Linke das als selbstverständlich vorausgesetzt?"


Quelle: Reitschuster


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