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Zentralrat der Juden wünscht sich in Deutschland mehr Empathie für Israel

Archivmeldung vom 07.09.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 07.09.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Carsten Raum / pixelio.de
Bild: Carsten Raum / pixelio.de

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, sieht in Deutschland einen Mangel an Fairness und Empathie für Israel. "Auch in der Politik gibt es reichlich Luft nach oben", sagte Graumann dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Allerdings sei das Wohlwollen für Israel in den politischen Eliten viel größer ist als in der Gesamtbevölkerung, so Graumann. Das sei das Besondere in Deutschland. Die Sympathie für Israel sei in allen Parteien groß - "am wenigsten wohl in der Linkspartei, auch wenn deren starke anti-israelische Betonfraktion derzeit ein bisschen ruhiger ist".

Die Mordserie der rechtsradikalen Terrorzelle NSU bezeichnete Graumann als einen anhaltenden Schock. Davon "haben wir uns immer noch nicht erholt." Er habe die ständigen Beteuerungen der Sicherheitsexperten noch gut im Ohr, es gebe in Deutschland gar keinen Rechtsterrorismus. "Von wegen!" Der Präsident des Zentralrats erinnerte auch daran, dass auf den "Ziellisten" der NSU jüdische Namen gestanden hätten, verwahrte sich aber zugleich gegen jede "Opfer-Konkurrenz". Kurz nach dem Bekanntwerden der NSU-Morde sei auf einer viel besuchten rechtsradikalen Internet-Seite zu lesen gewesen: Warum soll man sich den Türken zuwenden, wenn es doch ein viel lohnenderes Ziel gibt? Darunter hätten groß sein Bild und sein Name gestanden. "Zum Abschuss freigegeben", kommentierte Graumann. Gleichwohl fühle er sich persönlich nicht bedroht, er habe auch keine Angst. "Sonst könnte ich nicht tun, was ich tue. Ich nehme aber sehr wohl zur Kenntnis, dass diese Verbalattacken auf mich niemanden groß gekümmert haben. Und ich führe es als Beispiel dafür an, wie die Neonazis ticken: Sie hassen oft Ausländer. Aber immer hassen sie die Juden ganz besonders."

Im Rückblick auf das "Beschneidungsurteil" des Kölner Landgerichts von 2012 sagte Graumann, die gesellschaftliche Debatte habe die Juden in Deutschland "nachhaltig verletzt und verstört, mit Äußerungen, deren Hässlichkeit meine schlimmsten Alpträume übertroffen hat." In keinem Land der Welt sei je mit solcher Schroffheit über die Beschneidung geredet worden und mit solchem Hochmut gegenüber altehrwürdigen religiösen Vorschriften im Allgemeinen, gegenüber Juden im Besonderen. "Warum das gerade in Deutschland so ist, darüber sollte man sich ruhig noch einmal Gedanken machen."

Zentralrat der Juden formuliert Wünsche an künftige Regierung: Beitritt zum NPD-Verbotsfahren - Nachzahlung der "Ghettorenten" für NS-Opfer

Kurz vor der Bundestagswahl hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, Erwartungen an die künftige Regierung formuliert. "Einer der großen Wünsche ist sicherlich, dass sie doch noch dem NPD-Verbotsantrag beitritt, den der Bundesrat beschlossen hat", sagte Graumann dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die jüngsten ausländerfeindlichen Ausschreitungen vor einem Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf seien auch dem "braunen Hass" geschuldet, den die NPD ungehindert befeuere. "Das könnte sie nicht, wenn sie längst verboten wäre", so Graumann. Die Weigerung der bisherigen Regierung, sich dem Verbotsantrag anzuschließen, bezeichnete er als "nicht nachvollziehbar".

Graumann erhofft sich nach eigenen Worten auch eine Nachzahlung der sogenannten "Ghettorenten" für Menschen, die unter den Nazis gelitten haben. "Die Opfer warten seit Jahren darauf. Ihre Zahl sinkt von Tag zu Tag", warnte Graumann. Heute gebe es nur noch etwa 21 000 Anspruchsberechtigte, die im Durchschnitt 85 Jahre alt sind. "Die deutsche Politik sollte sich nicht auch nur dem Anschein aussetzen, sie gehe eine zynische Wette mit dem Tod ein. Um den Betroffenen noch einige letzte Lebensjahre in Würde zu ermöglichen, braucht es gar nicht so viel Geld - es geht um wenige Tausend Euro pro Person -, sondern nur etwas guten Willen."

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger (ots)

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