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Wahlforscher halten Einzug der AfD in den Bundestag für möglich

Archivmeldung vom 16.09.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.09.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Deutschlands führende Meinungsforschungsinstitute halten es für möglich, dass die Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) bei der Bundestagswahl am kommenden Sonntag den Sprung in den Bundestag schafft. Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner sagte "Bild am Sonntag": "2 bis 3 Prozent der Wähler sind eingefleischte Anhänger der AfD, die den Euro satt haben. Dazu kommen rund 5 Prozent Protestwähler, die mit dem politischen System unzufrieden sind und einer Partei ihre Stimme geben, die den Etablierten den meisten Ärger macht. Wenn nur die Hälfte davon AfD wählt, ist sie im Bundestag."

Auch Forsa Chef Manfred Güllner hält einen Einzug der AfD in den Bundestag für möglich: "Als reine Anti-Euro-Partei hatte sie keine Chance. Jetzt bedient die AfD aber ein rechtspopulistisches Potenzial, das latent in Deutschland immer vorhanden ist. Das könnte ihr über die 5-Prozent-Hürde helfen. Unser Problem ist: Ein Teil dieser Wähler lässt sich von Meinungsforschern gar nicht erst befragen, weil wir in deren Augen zur Manipulationsmaschine aus Politik und Medien dazu gehören."

Nach Ansicht von Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen lässt sich das Wählerpotential der AfD erst kurz vor der Wahl einschätzen: "Protestparteien wie die AfD legen erst am Schluss zu, wenn sie zulegen. Deshalb können wir erst bei unserer Umfrage nächsten Donnerstag absehen, ob die AfD eine realistische Chancen hat."

Im aktuellen Sonntagstrend von Emnid und "Bild am Sonntag" kann die AfD in dieser Woche um einen Prozentpunkt auf 4 Prozent zulegen. Den Einzug der FDP halten die Meinungsforscher keineswegs für sicher. Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen: "Die FDP ist keinesfalls sicher drin. Wir werden nach der Bayernwahl große Fragezeichen erleben. Wenn sie dort aus dem Landtag fliegt, kann es sein, dass taktische Unionswähler mit ihren Stimmen bei der Bundestagswahl die FDP über die 5-Prozent-Hürde heben. Es könnte aber auch dazu führen, dass die potenziellen Wähler auf Bundesebene Angst bekomm! en, ihre Stimme zu verschenken."

Ähnlich sieht es Infratest-Chef Richard Hilmer: "Im ARD-Deutschlandtrend kam die FDP zuletzt konstant auf 5 Prozent, was unter Berücksichtigung der statistischen Fehlertoleranz einem Anteilswert von 4 bis 6 Prozent entspricht. Also sicher ist ihr Einzug keineswegs."

FDP setzt im Endspurt auf massive Zweitstimmenkampagne

Eine Woche vor der Bundestagswahl versucht die FDP mit einer massiven Zweitstimmenkampagne die entscheidenden Stimmen für den Einzug ins Parlament zu holen. Am Samstag verschickte die Parteizentrale nach Informationen von "Bild am Sonntag" an 80 ihrer Kandidaten in besonders umkämpften Wahlkreisen eine E-Mail.

Darin regt die Parteispitze an, vor Ort mit dem Mitbewerber von CDU oder CSU ein "Stimmensplitting" zu vereinbaren: Die Erststimme für den Unions-Kandidaten, die Zweitstimme für die FDP. FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte "Bild am Sonntag": "Schwarz-Gelb ist durch geschicktes Stimmensplitting wählbar. Mit dieser Aktion kämpfen wir für die Fortsetzung der Koalition."

Jeder Kandidat soll selbst entscheiden, ob er seinem CDU-Kollegen vor Ort das Stimmensplitting anbietet. In der CDU-Parteizentrale hält man wenig von der FDP-Initiative. Generalsekretär Hermann Gröhe sagte "Bild am Sonntag": "Es bleibt dabei: Wir werben um jede Erst- und jede Zweitstimme. Zweitstimme ist Merkel-Stimme."

Emnid: Rot-Rot-Grün leicht vor Schwarz-Gelb

Eine Woche vor der Bundestagswahl liegt Rot-Rot-Grün in der Wählergunst knapp vor Schwarz-Gelb. Im aktuellen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für "Bild am Sonntag" erhebt, kann die SPD um einen Prozentpunkt auf 26 Prozent zulegen. Die Grünen kommen auf 10 Prozent (minus 1), die Linkspartei bleibt bei 9 Prozent. Damit kommen die linken Parteien zusammen auf 45 Prozent. Die Union verliert einen Prozentpunkt und kommt auf 39 Prozent, die FDP verharrt bei 5 Prozent. Damit erreicht Schwarz-Gelb zusammen 44 Prozent.

Im direkten Vergleich kann Kanzlerin Angela Merkel jedoch um 2 Prozentpunkte zulegen und kommt auf 52 Prozent. SPD-Herausforderer Peer Steinbrück verliert in der Kanzlerfrage hingegen vier Punkte und kommt auf nur noch 31 Prozent. Ihren bisherigen Höchstwert im Sonntagstrend erreicht die Anti-Euro-Partei AfD, sie kommt auf 4 Prozent (Plus 1). Die Piratenpartei verharrt bei 3 Prozent. Die Sonstigen landen bei 4 Prozent. Emnid befragte vom 5. bis 11. September 2013 insgesamt 1.840 Personen. Für die Kanzlerfrage wurden am vergangenen Donnerstag insgesamt 503 Personen befragt.

Sonntagsfragen: FDP knapp im Bundestag, AfD und Piraten bleiben draußen

Eine Woche vor der Bundestagswahl kommen Union und FDP in den Umfragen auf etwa ebensoviele Stimmen wie SPD, Grüne und Linke. Nach der Meta-Analyse aller in der letzten Woche durch die großen Meinungsforschungsinstitute veröffentlichten Umfragen kommen CDU und CSU auf 39,7 Prozent, wenn heute schon Bundestagswahlen wären. Die SPD kommt auf 26,0 Prozent, die FDP auf 5,3 Prozent, die Grünen auf 10,8 Prozent. Die Linkspartei erreicht in den Umfragen im Durchschnitt 8,5 Prozent. Die Piratenpartei würde mit 2,8 Prozent den Einzug ins Parlament verpassen, die AfD bliebe mit 3,1 Prozent draußen.

Zweitstimmenkampagne: FDP verschickt vier Millionen Briefe

In den letzten Tagen vor der Bundestagswahl startet die FDP noch eine massive Zweitstimmen-Kampagne. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, werden in den kommenden Tagen vier Millionen Postwurfsendungen an "FDP-affine Haushalte" verschickt.

Die Liberalen wollen noch einmal eine Million Handwerker, Landwirte, Selbstständige, Ärzte oder Ingenieure persönlich mit Briefen anschreiben. Zwei Tage vor der Wahl sollen in den 60 größten Einkaufszentren Deutschlands auf Bildschirmen animierte Motive mit dem Spitzenkandidaten Rainer Brüderle zu sehen sein, die explizit mit dem Hinweis "Zweitstimme FDP" werben.

Der FDP droht ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. Das Meinungsforschungsinstituts INSA prognostiziert nach einer Umfrage für "Focus" ein FDP-Wahlergebnis von vier Prozent - genauso wie für die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD).

Die CDU kommt der Umfrage zu Folge auf 38, die SPD auf 27 Prozent. Die Grünen sieht INSA bei elf, die Linke bei acht und die Piratenpartei bei drei Prozent. INSA befragte für "Focus" 2.132 Personen. Trotz der schlechten Werte für die FDP sieht CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe keinen Anlass, den Liberalen beizuspringen: "Die FDP braucht keine Nothilfe von uns", sagte Gröhe dem Magazin. Er sei sicher, dass die FDP es in den Bundestag schaffe. Wer nicht Union wähle, riskiere unklare Verhältnisse.

Umfrage: 26 Prozent für Große Koalition

Die Deutschen würden nach der anstehenden Bundestagswahl am liebsten von einer Großen Koalition regiert werden. In einer Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin "Focus" favorisierten 26 Prozent ein Bündnis aus CDU/CSU und SPD. Mit 17 Prozent Zustimmung folgt auf Platz zwei eine rot-grüne Koalition. 13 Prozent der Wähler wünschen sich die Fortsetzung der amtierenden Regierung aus Union und FDP. Neun Prozent favorisieren ein Linksbündnis Rot-Rot-Grün. Sechs Prozent wollen Schwarz-Grün und drei Prozent eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen.

Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid befragte für "Focus" am 11. und 12. September 1.007 Personen. Sie antworteten auf die Frage: "Einmal angenommen, bei der nächsten Bundestagswahl kann keine Partei allein regieren. Welche der folgenden Koalitionen wäre Ihnen die liebste?"

SPD kritisiert Umfrageinstitute

Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Umfragen warnt die SPD vor einem zu großen Einfluss der Demoskopie: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu einer Umfragedemokratie werden", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann der "Welt am Sonntag". In Wahlkampfzeiten werde die öffentliche Meinung stark von Umfragen geprägt. Aber, so Oppermann: "Mit Umfragen darf keine Politik gemacht werden."

Die FDP kritisierte die Entscheidung des ZDF, erstmals noch drei Tage vor der Wahl eine Umfrage zu veröffentlichen. "Ich finde diese Entscheidung sehr unglücklich", sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring der "Welt am Sonntag". "Denn es ist zu befürchten, dass die Veröffentlichung mehr Beeinflussung als Berichterstattung ist. Mit Umfragen darf keine Stimmung gemacht werden."

Ein Verbot von Last-Minute-Umfragen wie in einigen anderen Ländern üblich hält Döring trotzdem für falsch. Auch bei der Union sieht man in dieser Hinsicht "keinen Handlungsbedarf". "Umfragen sind für die Bürgerinnen und Bürger das, was sie auch für die Parteien sind: Ein Einblick in die Stimmungslage der Menschen. Sie spiegeln die Meinung der Bevölkerung wider und sind damit Ausdruck des Grundsatzes der Meinungsfreiheit", sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe.

Bernd Lucke, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland, kritisierte die Umfrageergebnisse bezüglich seiner Partei: "Die Prognosen von drei Prozent decken sich überhaupt nicht mit den Eindrücken, die wir an den Wahlkampfständen erhalten." Er rechne "mit deutlich mehr als fünf Prozent, vielleicht auch nahe am zweistelligen Bereich", sagte Lucke der "Welt am Sonntag".

Der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, der seit Jahren über die Wirkung von Umfragen forscht, hält einen Einzug der AfD ins Parlament für möglich: "Wir wissen wenig über sie und haben keine Ahnung, wie groß die Bekenntnisbereitschaft von Wählern gegenüber Umfrageinstituten ist", sagte Brettschneider der "Welt am Sonntag". Da die Partei zum Teil "stigmatisiert" sei, könne es sein, dass sich Wähler bei Umfragen nicht zu ihr bekennen.

"Spiegel": Zahl der Briefwähler auf Rekordhoch

Die Zahl der Briefwähler wird in diesem Jahr offenbar einen neuen Rekordwert erreichen. In den zehn größten Städten wurden so viele Unterlagen angefordert wie noch nie, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". In Stuttgart sind es demnach über 25 Prozent mehr als bei der Bundestagswahl 2009, in München und Köln rund 20 Prozent.

In Berlin haben knapp eine halbe Million Bürger Stimmzettel angefordert, das ist ein Fünftel aller Wahlberechtigten. Hinzu kommen die Direktwähler, die ihre Stimme schon in den Wochen vor der Wahl in Meldehallen oder Rathäusern abgeben.

Die Wahlämter stellt der Ansturm vor Probleme: Zwar habe man mit einer höheren Nachfrage gerechnet, aber nicht mit einem solch drastischen Anstieg. In Bremen etwa machen Mitarbeiter Überstunden, um alle Anträge rechtzeitig bearbeiten zu können, viele Städte haben zusätzliche Aushilfen eingestellt. Die Stadt Köln hat erneut externe Dienstleister mit dem Scannen und Drucken der Wahlbriefe beauftragt.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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