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Verbraucherschützer und Politiker für Verbot von gefährlichem Pestizid

Archivmeldung vom 27.08.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.08.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Agrolandwirtschaft hantiert mit hochgiftigen Mitteln, von denen viele nur per Ausnahmegenehmigung durchgewunken wurden (Symbolbild)
Agrolandwirtschaft hantiert mit hochgiftigen Mitteln, von denen viele nur per Ausnahmegenehmigung durchgewunken wurden (Symbolbild)

Bild: Eigenes Werk /OTT

Verbraucherschützer und Politiker fordern von der Europäischen Union, den Einsatz des Pestizids Chlorpyrifos zu untersagen. "Der Wirkstoff muss umgehend verboten werden", sagte Matthias Wolfschmidt, Direktor für internationale Kampagnen der Organisation Foodwatch, der Tageszeitung "taz".

"Es ist unfassbar, dass sich für dieses Insektizid, welches seit vielen Jahren in der Kritik steht, die Zulassungen automatisch verlängern, weil die toxikologischen Prüfungen nicht abgeschlossen werden konnten", teilte Armin Valet, Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, mit. "Der Einsatz von Chlorpyrifos ist schon lange nicht mehr vertretbar", kritisierte auch Karl Lauterbach, Vize-Chef der SPD-Bundestagsfraktion.

Der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner (Grüne) hatte bereits in der taz vom Samstag verlangt, den Stoff zu verbieten (https://taz.de/Giftiges-Pestizid-an-Zitrusfruechten/!5617071/). Die taz berichtete dort, dass die Europäische Kommission den Mitgliedstaaten ein Verbot vorschlagen wolle. Anfang August hatte die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) festgestellt, dass Chlorpyrifos Embryonen schaden könne und nicht zugelassen sein dürfe. In einem Versuch im Auftrag des Herstellers Dow von 1998 seien die Kleinhirne von Ratten kleiner gewesen, deren Eltern Chlorpyrifos gefressen hatten. Die spanischen Behörden, die das Mittel ab 1999 für die EU überprüft hatten, sahen kein Problem. Deshalb erteilte die EU 2005 eine Genehmigung für den Wirkstoff und verlängerte diese drei Mal bis aktuell Januar 2020.

In Deutschland darf Chlorpyrifos anders als in Spanien, Polen und 18 weiteren EU-Ländern seit 2015 nicht mehr gespritzt werden. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde es aber beispielsweise 2017 vor allem in importierten Orangen, Mandarinen sowie Grapefruits gefunden. Treffer gab es auch etwa bei Äpfeln, Spargel und Tafelweintrauben.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass Chlorpyrifos in großen Mengen zum Beispiel in Spanien eingesetzt wird, obwohl die Efsa vor diesem Insektizid warnt", erklärte Verbraucherschützer Valet. Die Konsumenten erwarteten, dass die Behörden bei der Überprüfung der Mittel nicht "kritiklos Anbieterstudien" übernehmen.

Foodwatch-Aktivist Wolfschmidt verlangte, die automatische Verlängerung von Alt-Zulassungen zu beenden. Nach dem Gesetz müsse jeder Stoff nach den ersten zehn Jahren wieder bewertet werden, so dass eventuelle neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden können. Das geschehe aber aus Kapazitätsgründen bei "bis zu 200 Pestiziden viel zu spät", sagte Wolfschmidt.

Der Industrieverband Agrar, der die deutschen Pestizidhersteller vertritt, lehnte Forderungen etwa der Grünen ab, dass der Staat künftig die Studien selbst in Auftrag gibt. "Über die vorzulegenden Studien entscheidet schon heute das EU-Recht, nicht der Hersteller", schrieb Geschäftsführer Martin May der taz. "Dieses Verfahren weiter zu bürokratisieren, etwa indem die Hersteller nicht für ihre Studien zahlen, sondern in irgendeinen Fonds, bringt keinen Zugewinn an Sicherheit, schafft aber Mehrarbeit für die Behörden."

Quelle: taz - die tageszeitung (ots)

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