Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Berichte Ernährung Liebe geht DOCH durch den Magen: Frühreif – oder: Warum Lolita keinen Apfelkuchen backt

Liebe geht DOCH durch den Magen: Frühreif – oder: Warum Lolita keinen Apfelkuchen backt

Archivmeldung vom 07.09.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 07.09.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Grafik: Herbert Jost-Hof
Grafik: Herbert Jost-Hof

Wissenschaftler bestätigen, was Generationen von Eltern bereits ahnten: Die Gehirne von pubertierenden Teenagern funktionieren nicht normal. Das macht das Zusammenleben mit ihnen nicht gerade unkompliziert – und das nicht allein für die Angehörigen früherer Generationen.

Sie ist so süß mit kleinem Schmollmund, den sie wahlweise in zartem Pink oder schrillem Rot schminkt. In diesem Alter kann man sich das erlauben. Denn eigentlich ist sie noch ein kleines Mädchen. Findest Du. Aber dann wieder sagt Stephan, dass Mädchen doch viel früher reif sind als Jungen. Und wenn das stimmt, dann gleichen sich die zwei Jahre wohl wieder aus. Und sie sieht auch gar nicht aus wie fünfzehn. Und Du siehst nicht aus wie siebzehn. Findet sie. Du gibst ihr recht. Schließlich bist Du wirklich cool, viel cooler als man nach Recht und Gesetz mit siebzehn sein kann.
Okay, an der Sache mit dem Bart musst Du noch ein Weilchen üben. Aber die Scharfmacher stehen ohnehin nicht auf Haare im Gesicht. „Scharfmacher“ ist Stephans Ausdruck für die Art Mädchen, die Euch gefallen. Stephan ist Dein Freund und er ist auch cool, obwohl er noch ein paar Monate jünger ist als Du.

Ja, sie ist süß. Und sie heißt Severine, aber sie wird nur „Sev“ genannt oder „Sevy“ - oder „Schnitz“, doch die Verwendung dieses Kosenamens bleibt Dir vorbehalten. Sie isst so gern Äpfel in jeder Form, aber am liebsten roh und fein säuberlich zerteilt, eben zu Apfelschnitzen.

Das ist so eine Sache, die Du an ihr magst: dass sie völlig modern ist und erwachsen und weiblich und sexy (oder zumindest, was Du dafür hälst), aber trotzdem irgendwie ein Mädchen vom Lande in ihr steckt. Die perfekte Mischung aus Lolita und Heidi. Wobei Dir weder der eine Name noch der andere etwas sagen würde. Literatur, egal ob für Kinder oder Erwachsene, ist eigentlich nie Dein Ding gewesen. Dabei ist es ja nicht so, dass Du gar nicht liest. Schließlich gibt es ja noch die Anweisungen zu PC-Spielen und die Kurznachrichten, die Dich über Dein Smartphone erreichen.

Ein Teil davon kommt immer noch von Billie. Das ist Deine „Ex“. Einesteils nervt es Dich, dass sie nicht einfach aus Deinem Leben verschwunden ist, andererseits ist es auch gut, immer wieder einen Anlass zu haben, von Deiner „Ex“ zu sprechen. Das klingt so verdammt erwachsen. Es zeigt, dass Du ein richtiger Mann bist.

Mit Billie hast Du eigentlich nur Mitleid gehabt, sagst Du heute. Armes Ding! Ihre bescheuerten Eltern haben sie doch tatsächlich „Sybille“ genannt. Das muss einen ja fürs Leben versauen. Ihr habt sie zu „Billie“ gemacht und für ganze fünf Monate und zweieinhalb Wochen war sie cool. Aber dann hat sie angefangen, Stress zu verbreiten. Sie wollte klammern. Nicht mit Dir!

Jetzt ist sie in Ungnade gefallen. Alles, was vorher toll an ihr war, ist lächerlich geworden. Im Frühjahr hatte es noch in recht positiver Weise Dein Interesse erregt, als Du mitbekommen hattest, sie tanzt in der Garde des Karnevalsvereins. Jetzt ist sie die „Täterä-Tussi“, Deine Ex und eine echte Nervnummer.
Es ist Dir völlig unbegreiflich, was sie immer noch von Dir will. Schließlich ist es zwei Wochen her, dass Du ihr gesagt hast, sie soll Dich in Ruhe lassen. In anderen Worten: eine Ewigkeit. Die Alte ist komplett und ganz und gar vorgestern, das ist fast schon „dino“. Schließlich bist Du jetzt mit Sev zusammen. Und mit ihr ist alles ganz anders. Naja, nicht ganz. Eigentlich ist alles genauso wie vorher, von der Freundin abgesehen. Aber die ist dann eben wenigstens ganz anders.

Sev ist „giga-bäng!“. Auch wieder so eine Erfindung von Stephan, dem ihr es zu seinem Missvergnügen abgeschlagen habt, sich zu einem „Steph“ zu verkürzen. Das hätte dann doch zu Verwechslungen mit Sev führen können, die auch massiv auf ihrer Einzigartigkeit bestanden hatte. Da er aber irgendwie – schon allein aus kommunikationsökonomischen Gründen – auch gerne einen komprimierten Namen sein Eigen nennen wollte, wurde er schließlich zu „Stan“, natürlich englisch ausgesprochen, versteht sich von selbst. Englisch ist schließlich cool, denn „cool“ ist schließlich englisch.

So seid ihr wirklich ein tolles Trio, Sev und Stan und Du: Diel. - „Diel“ ist die Kurzform von Daniel. Das hast Du Dir selbst ausgeheckt und alle beneiden Dich darum. Es klingt phantastisch, besonders wenn Sev es ausspricht.

„Diel“, sagt sie und sieht Dich von schräg unten an. „Ich hab da mal was. Irgendwie fänd ich's total …“, dann unterbricht sie sich, schüttelt den Kopf, dass die rot gefärbten Spitzen ihrer blonden Haare zittern, ...Nee, Quatsch. Vergisses. Blöde Idee.“ Und sie zieht eine Schnute.
„Was'n?“ fragst Du, „Sag schon, Schnitz.“
Sie senkt den Kopf, zuckt die Schultern. Die Finger ihrer rechten Hand malen Kreise auf den Oberschenkel Deiner Jeans, die deshalb im Schritt zu eng wird. Ja, denkst Du, so fühlt sich Liebe an.
Dann schaut sie Dir in die Augen mit diesem Puppengesicht und entfaltet dieses breite Kinderlächeln: „Is so ne verrückte Idee und so. Weiß ich. Aber ich dachte, ich könnt dir doch'n Kuchen backen.“ Sie kichert nervös.

Du findest die Idee überhaupt nicht verrückt und auch nicht blöd. Du findest das richtig toll und süß und Deine Ex hat das nie für Dich gemacht.
„Hey“, erwiderst Du anerkennend. „Das is voll bäng.“
Offenbar ist sie über diese Zustimmung sehr erleichtert und erfreut.
„Giga-bäng?“ fragt sie.
Du nickst.
Sev lacht. Es ist toll, wenn sie lacht. Du lachst mit.
„Dass du das kannst ...“, lobst Du bewundernd.
„Ach“, erklärt sie mit einer wegwerfenden Handbewegung, „das is nich schwer. Ich hab meine Mutter gefragt. - Ich so: 'Du, is das eigentlich schwer'n Kuchen zu backen?' - Sie so: 'Ey, Kuchen Backen? Was geht da denn ab?' - Ich so: 'Na, hätt halt mal Lust dazu.' - Und sie: 'Na, das kriegen wir schon hin.'“ Erneutes Gelächter ihrerseits.

Das ist wahrhaftig eine Überraschung! Und ja, genau das magst Du an ihr: Auf solche Ideen kommt nur sie und nur Sev kann Kuchen backen, ohne dabei plötzlich wie eine Haustrutsche zu wirken. Du bist wirklich begeistert und vermittelst es ihr so gut Du kannst in einem langen Kuss, denn Du hast keine Ahnung, wie Du das in Worte fassen solltest.

„Es gibt jetzt schon die ersten Äpfel. Hab ich gesehn, hinter der Tankstelle in der Krügerstraße, in dem verwilderten Obstgarten. Besorgst du mir welche?“ will sie wissen und selbstverständlich willigst Du ein. Ihre kleinen Hände klatschen erfreut Beifall.
„Jetzt?“ fragt sie.
„Wieso'n gleich?“
Sev legt den Kopf zur Seite und betrachtet ihre Armbänder. „Ach, meine Mutter. Du weißt doch, wie Mütter sind. So: 'Ja, toll, mach'n wir's doch heute noch …' Die is total ADHS jetzt und da dacht' ich ….“ Sie beendet den Satz nicht, sondern sieht Dich an, ein wenig skeptisch und setzt dann hinzu: „Oder?“
„Nee, ja, klar“, bestätigst Du, „cool.“
Sev gibt Dir einen Kuss auf die Backe und Du ziehst los.

Zwar hast Du keine Ahnung davon, wie viel Äpfel man für einen Kuchen benötigt und überhaupt stellst Du am Zielort beim Betrachten des Obstes fest, dass Du Dir nicht sicher bist, was davon zu verwenden ist und was nicht, aber natürlich hättest Du das nicht zeigen können.
Da es ohnehin heiß ist, beschließt Du, Dein T-Shirt auszuziehen und die Äpfel darin zu sammeln, denn Du hast ja keinerlei Behältnis bei Dir. Sicher werden Äpfel gewaschen. Und vielleicht sogar geschält, bevor sie in einem solchen Kuchen landen. Die hier das sollten auf jeden Fall werden.
Du schnupperst unter Deinen Achseln. Also, wenn das fertige Produkt nach Deinem Deo riechen sollte, wirst Du einen Grund finden, es nicht zu essen.

Diese Äpfel sehen alle fürchterlich blass aus und Du hoffst, dass Schnitz dieses Obst nicht nur heiß und innig liebt, sondern auch etwas davon versteht. Nicht, dass das Zeug vielleicht doch noch gar nicht für den menschlichen Verzehr geeignet ist.

Schließlich ist Dein improvisierter Beutel gefüllt und Du machst Dich auf den Rückweg. Dabei fällt Dir ein, Du könntest noch bei Stan vorbeischauen und ihm berichten, was Deine Sev da geplant hat. - Guter alter Stan! Wenn er schön brav ist, kann er ja auch ein Stück Kuchen abkriegen. Oder vielleicht auch nicht.

Als Du um die Ecke der Garage von Stans Elternhaus in den Garten einbiegst, stellst Du fest, dass Stan vielleicht gar kein Interesse am Kuchen haben wird. Denn offensichtlich hat er bereits die Bäckerin und was die beiden im Schatten einer Hollywoodschaukel tun, sieht nicht nach dem Austauschen von Rezepten aus.

Im ersten Moment willst Du losstürmen und ihn verprügeln. Aber Du kannst Dich nicht bewegen. Plötzlich hast Du diese Vision von Dir selbst, wie Du da stehst, mit nacktem Oberkörper und einem T-Shirt voller Äpfel. Cool ist irgendwie doch ganz anders.
Plötzlich wird Dir klar, worum es hier geht: „Diel“ or no „Diel“. Und die Antwort scheint offensichtlich ...

Text von Herbert Jost-Hof

Passend zur Kolumne von Herbert Jost-Hof folgen hier nun zwei Rezepte, eines davon vegan.

Apfel - Schmand - Torte

Rezept für 1 Portion
Zutaten

175 g Butter
160 g Rohrohrzucker
200 g Mehl
1 TL Backpulver
1 Ei(er)
4 Äpfel (Boskop)
1/2 Liter Apfelsaft
1 Zitrone(n), den Saft
200 g Rohrohrzucker
2 Pck. Puddingpulver
200 ml Sahne
2 Becher Schmand
2 TL Rohrohrzucker / Zimt zum Bestreuen

Zubereitung: 

4-5 Äpfel schälen und in Würfel schneiden. Dann den Apfelsaft mit dem Zitronensaft, dem Zucker und dem Puddingpulver zum kochen bringen (großen Topf verwenden!). Während des Aufkochens mehrmals umrühren bis die Mischung etwas fest wird. Dann von der Herdplatte nehmen und die Apfelstückchen unterheben. Nun aus den Zutaten den Mürbeteig zubereiten und auf eine mit Backpapier ausgelegten Springform geben. Teig an den Rändern der Form hochziehen (hier braucht man etwas Geduld). Dann die abgekühlte Apfel-Pudding Masse auf den rohen Mürbeteig füllen und bei 180-200 Grad C ca. 20 - 30 Min. im vorgeheizten Backofen backen.
Eine Stunden abkühlen lassen.
Für die Dekoration die Sahne mit dem Zucker steif schlagen und anschließend den Schmand vorsichtig unterheben. Sahne-Schmand Creme auf der erkalteten Torte verstreichen und - je nach Geschmack - die Zimt-Zucker Mischung darüber streuen.

Arbeitszeit: ca. 45 Min.

Vegane Apfelpfannkuchen mit Reisdrink

Rezept für 4 Portionen
Zutaten

300 ml Milch (Reisdrink), oder Soja-Reisdrink
150 g Vollkornmehl
100 g Haferflocken
150 ml Apfelsaft
1 m.-großer Apfel, klein geschnitten
1 Prise Meersalz
10 ml Mineralwasser
etwas Öl, für die Pfanne

Zubereitung: 

Alle Zutaten mit einem Schneebesen oder Rührlöffel zu einem glatten Teig vermischen. In einer Pfanne etwas Öl erhitzen und darin Pfannkuchen ausbacken.

Arbeitszeit: ca. 5 Min.

Achtung! - Ein wichtiger Hinweis für alle Fans der Kolumne „Liebe geht DOCH durch den Magen“: Am Mittwoch, dem 2. Oktober 2012, wird Herbert Jost-Hof live mit seinen Texten um Essen, Trinken und Beziehungen im unterfränkischen Oberschwappach zu erleben sein, im bunten Programm der Filmpremiere „Rindergulasch und der rosarote Cadillac“. Es gibt dort außer Film und Literatur auch jede Menge erstklassige Musik, phantastische Stimmung und eine gigantische Tombola. - Und das alles für einen guten Zweck, denn die Erlöse des Abends kommen der Betreuung krebskranker Kinder zugute.

Anzeige: