Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Berichte Ernährung Liebe geht DOCH durch den Magen: Salomé – oder: Die ungeschriebene Geschichte

Liebe geht DOCH durch den Magen: Salomé – oder: Die ungeschriebene Geschichte

Archivmeldung vom 23.03.2013

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.03.2013 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Grafik: Herbert Jost-Hof
Grafik: Herbert Jost-Hof

Kreative Blockaden kommen in den klügsten Köpfen vor. Gut, wenn man in einem solchen Fall Freunde hat, die einem mit Ideen zur Seite stehen – vorausgesetzt, man mag diese Ideen.

Es ist gut, wenn man Freunde hat, überhaupt und sowieso. Erst recht ist es ein Segen, wenn man, wie Du, regelmäßig eine Kolumne schreibt, aber eher unregelmäßig Einfälle hat. Ob es nun wirklich am Alter liegt oder nicht, mag hier nicht weiter interessieren – jedenfalls wurdest Du früher durchaus öfter von Musen geküsst als heute. Doch zum Glück gibt es ja eben Freunde, die das ausgleichen können. Im übertragenen Sinne, versteht sich.
Du musst nur einen anrufen, schon sprudeln die Ideen … und wenn Du Glück hast, ist sogar eine dabei, die Du dann umsetzen kannst. Ja, wenn Du Glück hast …

Martin ist so eine Anlaufstelle für Inspirationen. Er freut sich, wenn er Dir helfen kann und meist sind seine Einfälle direkt verwertbar.
„Also“, fragt er und Du hörst an seiner Stimme, dass er gespannt darauf ist, welche Herausforderung sich ihm bieten wird, „worum soll's denn diesmal gehen?“
„Grüne Soße“, sagst Du und lässt eine Pause folgen. Erst als die etwas zu lang wird, fühlst Du Dich verpflichtet, ein vorsichtiges „Bist du noch da?“ anzuschließen.
Die Antwort ist ein Brummen.

„Hast Du was gegen Grüne Soße?“, willst Du von ihm wissen.
„Nein. Nein, überhaupt nicht. Ich mag die wirklich gern. Das ist frisch, das ist lecker – nur das Einzige, was mir spontan dazu einfällt, ist diese Geschichte mit circa zwanzig Portionen davon, auf denen wir sitzen geblieben sind.“ Es klingt frustriert.
„Wieso denn?“
„Ach, das war mit dem Städtepartnerschaftsverein, dem, der sich um den Austausch mit der französischen Partnerstadt kümmert. Die Franzosen kamen hierher und wir mussten ihnen natürlich was Gutes anbieten und es sollte auch was für die Region Typisches sein. Also kamen wir auf Grüne Soße. Mit Tafelspitz“, lautet die Erklärung, die Dir allerdings nicht furchtbar viel sagt.
„Und wo ist … oder war … das Problem?“
„Essen die Franzosen nicht. Entweder ein Gericht ist warm oder ein Gericht ist kalt. Warmes Fleisch mit kalter Soße, das geht nicht an die ran, nicht mal um der Freundschaft Willen“, sagt Martin. Und nun ist es an Dir zu brummen.

„Aber hör mal, du kannst doch vielleicht so'ne deutsch-französische Liebesgeschichte draus machen. 'Oh, l'amour' und 'Je ne regrette rien' und so ...“, schlägt er vor
“Vielleicht“, erwiderst Du und bist nicht überzeugt, obwohl bereits Edith Piaf herzzerreißend in Deinem Kopf zu singen begonnen hat.
Wieder eine Pause.

„Grüne Soße ...“, beginnst Du von Neuem und es klingt, als würdest Du dem Geschmack eines guten Weines nachspüren. „Was fällt uns ein zu Grüner Soße …?“
„Vegetarisch?“
„Nicht unbedingt. Siehe oben“, erinnerst Du ihn.
„Was ist da eigentlich drin?“ Eine berechtigte Frage.
„Also,“ fängst Du an aufzuzählen, „erstmal sieben verschiedene Kräuter ...“, und bevor Du weiterreden kannst, fällt er Dir ins Wort mit einem lauten „Ha!“, was Dich natürlich zu der Frage veranlasst: „Ha! … Was?“
„Sieben! - Das ist doch einfach. Das ist wie Salomé, nur kein Tanz mit sieben Schleiern, sondern stattdessen halt mit sieben Kräuter.“ Es ist nicht zu überhören, dass Martin von sich und seinem Gedanken begeistert ist. Eine Empfindung, die Du an dieser Stelle nicht wirklich teilst.

„Ein Tanz mit sieben Kräutern, oder was? Schrecklich betörend.“ Nicht, dass Du ein Spielverderber sein willst, aber das ist wirklich schräg.
„Warum denn nicht? - Also, du hast heut' auch gar keine Phantasie. Pass' mal auf, das geht so: Da ist diese superhübsche Frau ...“
„Salomé“, unterbrichst Du ihn.
„Nein. Die heißt bei uns anders … 'Susanne', zum Beispiel. - Also, da ist diese Susanne und die bereitet gerade Grüne Soße zu ...“
„Wo?“ fragst Du mit gespieltem Interesse.
„Keine Ahnung. Zu Hause, vermutlich. Die macht diese Grüne Soße, weil sie abends Gäste bekommt. Ja, das ist gut. Gäste … das ist gut.“
„Du sprühst ja heute richtig“, lobst Du und würde Dir Martin wirklich zuhören, dann fiele ihm sofort der falsche Ton in Deiner Stimme auf. Doch glücklicherweise ist er von der eigenen Erzählung völlig in Anspruch genommen.
„Und dann merkt sie, dass ihr noch was fehlt fürs Essen. Oder vielleicht der Wein dazu ...“, fährt er fort, „und sie hat es eilig. Da kleckert sie sich was von der Soße über ihren Rock.“
„Sie hätte eine Schürze tragen sollen“, Du schüttelst den Kopf über diese Nachlässigkeit.

„Quatsch!“ Martin klingt angesäuert, „dann wäre doch die Geschichte kaputt ...“
„Ach so.“
„Ja, weil sie jetzt mit dem verkleckerten Rock zum Supermarkt muss. Sie wischt nur ein wenig über den Fleck und der wird davon nur noch breiter, verstehst du …?“
„Hmhm“, machst Du, um ihn nicht zu enttäuschen. Er ist jetzt wirklich in seinem Element.

„Also, sie zieht schnell einen Mantel drüber, weil sie keine Zeit zum Umziehen hat. Und dann saust sie in den Supermarkt. Und da ist dieser Mann mit dem Hund ...“
Hier unterbrichst Du ihn erneut: „Hund? Was für ein Hund?“
„Ist doch egal“, zischt Dein Gesprächspartner, „ein Schnauzer, von mir aus. Schnauzer sind klasse. Und der Hund ist verrückt nach Grüner Soße. Und die riecht er natürlich an dem Rock und springt die Frau im Supermarkt an und versucht ihr den Fleck vom Rock zu lecken ...“, Martin lacht, „Hey, das ist echt gut!“
„Im Supermarkt? Die lassen da doch keine Hunde rein.“

„Mann, bist du kleinlich heute. Kein Wunder, dass dir nichts einfällt. Du meuchelst ja jeden kreativen Gedanken!“ Und während Du noch an diesem Vorwurf kaust, kehrt er zu seiner Geschichte zurück: „Gut“, billigt er Dir zu, „dann spielt das Ganze eben vor dem Supermarkt. Ist auch egal. Jedenfalls ist der Hund verrückt nach Grüner Soße und sie will ausweichen – das ist der Tanz, verstehst du? - und sein Herrchen will ihn zurück reißen und verliebt sich sofort in die Susanne ...“
„Sofort?“
„Sofort, auf der Stelle und unsterblich. Und sie sich in ihn. Und dann lädt sie ihn ein zu sich nach Hause, ruft ihre Freunde an und sagt ihnen, sie hätte Migräne, also ist die Party geplatzt. Und als der Kerl mit dem Hund dann kommt, kriegt sie den Mann und der Hund die Grüne Soße – zack! - Liebe, Ende, Abspann.“ Martin lacht wieder. Du lachst nicht.

„Wie im richtigen Leben“, knurrst Du leise. Aber nicht leise genug. Er hat es gehört und keift beleidigt: „Als wär' deine Kolumne sonst besser.“ Das hat gesessen.
„Und wie, bitte“, begehrst Du mit spitzem Tonfall zu wissen, „gedenkst du diese überaus realistische Story zu betiteln?“
Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Salomé 2013.“
Es folgt eine mittellange Pause.
Schließlich sagst Du: „Sei mir nicht böse, Martin, aber … nein.“
„Nein?“
„Nein. Definitiv: nein. Ich habe so etwas wie einen Ruf zu verlieren“, erklärst Du.
„Ach? - 'So etwas wie …', die Formulierung ist wenigstens angemessen“, kommentiert er gehässig.
„Aber weißt du was?“ fragst Du zuckersüß. „Du hast mich doch auf eine Idee gebracht. Es geht schließlich um Essen und Beziehungen, nicht wahr? - Warum also nicht eine Geschichte schreiben über einen Autor, dessen Beziehung zu einem seiner Freunde durch einen völlig unzulänglichen Versuch kreativer Unterstützung und die sich dabei entblößende, die geradezu erschreckende literarische Unreife des Freundes nachhaltig gestört wird? Es muss schließlich nicht immer ein Happy-End geben.“
„Du undankbares Stinktier!“ ist gerade noch zu vernehmen, während Du den Hörer auflegst.

Text von Herbert Jost-Hof

Passend zur Kolumne von Herbert Jost-Hof folgen hier nun zwei Rezepte, eines davon vegan.

Frankfurter Grüne Sauce

Zutaten für 4 Portionen
500 g Natur-Joghurt
2 EL Senf, mittelscharfer
1 Becher Saure Sahne
1 Zitrone(n), unbehandelte, der Saft und die abgeriebene Schale davon
Meersalz
Pfeffer

In die Frankfurter Grüne Soße gehören traditionell sieben Kräuter: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Seltener wird Dill zugegeben. Varianten aus Notzeiten enthielten auch Blätter von beispielsweise Gänseblümchen, Löwenzahn oder Breitwegerich. Wer Glück hat, bekommt die frischen Kräuter bereits abgepackt auf dem Markt (vornehmlich in Mittelhessen). Eine gute Alternative, wenn auch nicht so aromatisch, sind die Tiefkühlkräutermischungen von Iglo oder Aldi (dann 2 Pck. nehmen).

Zubereitung

Zitrone abreiben und ausdrücken. Yoghurt, Senf, Saure Sahne, Zitronensaft und -schale mischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Kräuter (entweder einzeln nach Bedarf besorgen oder in einem großen Bund) waschen und fein hacken. Kräuter mit der Sauce mischen und servieren.

Als Beilage eignen sich Kartoffeln (Pellkartoffeln oder Ofenkartoffeln) und gekochte Eier.

Arbeitszeit: ca. 30 Min.

Frankfurter grüne Soße (vegan)

Zutaten
1 Becher Joghurt (Alpro Soya Yofu natur, 500 g)
1/2 Glas Mayonnaise ohne Ei (ca. 100 g)
1/2 Pck. Sahne - Ersatz (Alpro Soya Cuisine, ca. 100 g)
2 TL Senf
1 kleine Zitrone(n), ausgepresst
Meersalz und schwarzer Pfeffer

In die Frankfurter Grüne Soße gehören traditionell sieben Kräuter: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Seltener wird Dill zugegeben. Varianten aus Notzeiten enthielten auch Blätter von beispielsweise Gänseblümchen, Löwenzahn oder Breitwegerich. Wer Glück hat, bekommt die frischen Kräuter bereits abgepackt auf dem Markt (vornehmlich in Mittelhessen). Eine gute Alternative, wenn auch nicht so aromatisch, sind die Tiefkühlkräutermischungen von Iglo oder Aldi (dann 2 Pck. nehmen).

Zubereitung

Frische Kräuter sehr fein schneiden oder in der Küchenmaschine zerkleinern, die Tiefkühlpackung muss nicht aufgetaut werden (taut in der Mischung von selbst auf). Die Zitrone auspressen. Dann alle Zutaten miteinander verrühren, den Zitronensaft untermischen. Mit Salz und etwas Pfeffer würzen und über Nacht ziehen lassen.

Dazu Pellkartoffeln oder Bratkartoffeln reichen.

Arbeitszeit: ca. 15 Min.

Videos
Symbolbild
... Und wenn Dein Körper das kleine Corona Problem schon selbst erledigt hat?
Vernon Coleman 2019
Dr. Vernon Coleman: „Das könnte unmöglich passieren! Oder doch?“
Termine
Das Ende der Pandemie - Der Tag der Freiheit / Lockdown-Großdemo
Berlin
01.08.2020
Newsletter
Wollen Sie unsere Nachrichten täglich kompakt und kostenlos per Mail? Dann tragen Sie sich hier ein:
Schreiben Sie bitte banane in folgendes Feld um den Spam-Filter zu umgehen