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Dolphin schickt Drohnen zu Verkehrsunfällen

Archivmeldung vom 12.03.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.03.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Bild: Dolphin Technologies
Bild: Dolphin Technologies

Nach einem Verkehrsunfall kann rasche Hilfe Leben retten. Bei Herz- und Atemstillstand geht es tatsächlich um Minuten, aber auch bei starken Blutungen steigt die Sterberate nach einer halben Stunde rapide an.

Bild: Dolphin Technologies
Bild: Dolphin Technologies

Der Telematik-Spezialist Dolphin Technologies stattet seit Jahren Fahrzeuge mit sogenannten eCall-Systemen aus, um Unfälle und deren Position sofort zu erkennen und Hilfe zu schicken. Nun sollen Drohnen ein noch besseres Bild der Situation liefern.

Auf dem Bildschirm der Einsatzzentrale erscheint eine Alarmmeldung: Ein Fahrzeug hatte gerade einen Unfall auf der A4 bei Fischamend. Neben der genauen Position liefert das eCall-Notrufsystem auch die Information, dass es einen seitlichen Aufprall mittlerer Stärke gegeben hat und vermutlich niemand im Fahrzeug verletzt ist. Gleichzeitig wird eine Sprechverbindung mit dem Fahrer aufgebaut und abgeklärt, ob vielleicht doch medizinische Hilfe notwendig ist und welche sonstigen Maßnahmen getroffen werden müssen. In diesem speziellen Fall ist die Situation klar und der Pannendienst kann das leicht beschädigte Fahrzeug nach einer halben Stunde in die nächste Werkstatt schleppen.

"Manchmal fehlen aber wichtige Informationen", sagt Harald Trautsch, Geschäftsführer von Dolphin Technologies, Spezialist für Unfallerkennung und automatische Meldung. "Es kommt zum Beispiel vor, dass trotz eines lediglich leichten Aufpralls kein Kontakt mit den Insassen hergestellt werden kann." In solchen Fällen obliegt es dem geschulten Personal der Einsatzzentrale, selbst über die Maßnahmen zu entscheiden. "Ideal wäre es hier natürlich, wenn unsere Call Agents tatsächlich sehen könnten, was gerade passiert", so Harald Trautsch. "Aus diesem Grund wollen wir eine Drohne zu schweren Unfällen schicken bzw. zu solchen, wo zusätzliche Informationen wichtig sind."

Testbetrieb in nationalen und internalen Projekten

Getestet wird derzeit mit Drohnen für den privaten Gebrauch, wobei es hauptsächlich darum geht, die Flugroute automatisch zu berechnen und an die Drohne zu übertragen. "Das funktioniert bereits einwandfrei", so Gerald Aichholzer, VP Product Development. "In einem nächsten Schritt wird es darum gehen, unsere Anwendung über Machine Learning dahingehend zu trainieren, dass sie die richtigen Entscheidungen in Bezug auf die Auswahl der Drohne und deren Verhalten am Unfallort trifft." Dolphin ist hier in ein internationales Projekt involviert, bei dem bei Massenkarambolagen über Drohnen erkannt werden soll, wo Hilfe am notwendigsten ist. "Die Erfahrung und das Know-how anderer Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist ein wichtiger Teil für den Erfolg des Projektes", ergänzt Harald Trautsch. "Solche Aufgaben löst man nicht alleine sondern holt die besten Player in den verschiedensten Disziplinen an Bord."

Logistik, Technik und Recht als Herausforderungen

Die großen Herausforderungen lauten Logistik, Technik und Recht. Die Standorte müssen so gewählt werden, dass die Drohnen innerhalb weniger Minuten am Unfallort sind. Außerdem müssen sie geladen werden und dürfen nur Gebiete überfliegen, die nicht bewohnt sind. Dolphin rechnet damit, dass die Distanz zwischen den Standorten nicht mehr als fünf Kilometer betragen soll. Vorrangig gilt es, das hochrangige Straßennetz auszustatten und sich auf jene Strecken zu konzentrieren, die eine hohe Unfallfrequenz haben.

Technisch ist es nicht notwendig, die Call Agents zu Drohnenpiloten auszubilden. Ein Knopfdruck in der Plattform genügt, und das Backend von Dolphin berechnet die optimale Flugroute zur Unfallstelle, die von der Drohne selbständig abgeflogen wird. Die Einsatzzentrale bestimmt dann, wie lange die Drohne vor Ort benötigt wird bzw. fliegt diese automatisch zu ihrem Standort zurück, wenn die Akkus schwächer werden oder sich die Witterung verändert. Die größte Hürde ist jedoch rechtlicher Natur. Drohnen dürfen nur in bestimmten Gebieten und nur mit entsprechender Genehmigung und Versicherung betrieben werden. Dass die Flugroute automatisch berechnet und auch selbständig abgeflogen wird, ist eine zusätzliche Herausforderung.

"Wir orientieren uns bei unseren Entwicklungen am Nutzen und nehmen potenzielle Hürden als Herausforderung", sagt Harald Trautsch. "Es ist unsere Aufgabe, durch intelligente Services wie Predictive Analytics, Machine Learning und Smart Communication Unfälle einerseits zu vermeiden und andererseits optimale Hilfe zu leisten, wenn doch einmal etwas passiert. Das bedingt, dass wir regelmäßig nicht nur technisches, sondern auch rechtliches Neuland betreten müssen. Aber Menschenleben sind es wert, die entsprechenden bürokratischen, technischen und unternehmerischen Risiken einzugehen."

Quelle: Dolphin Technologies (ots)

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