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Audio-Pistole lässt Redner verstummen

Archivmeldung vom 03.03.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.03.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Speech Jammer: Audiokanone erschwert das Weiterreden. Bild: aist.go.jp
Speech Jammer: Audiokanone erschwert das Weiterreden. Bild: aist.go.jp

Forscher des National Advanced Industrial Science and Technology Institute in Tskuba und der Universität Ochanomizu arbeiten an einem Gerät, dass bei der Wiederherstellung der Ruhe helfen soll. Die "Speech Jamming Gun" ist dafür gedacht, an Orten wie Bibliotheken Stille einkehren zu lassen, wenn Besucher sich nicht an das Sprechverbot halten. Dabei bedarf es keiner aufwendigen, technischen Lösung, denn die Forscher bauen auf einen Psychotrick.

Das im Internet bereits als "Shut Up Gun" kursierende Konzept sieht ein in Kanonenform verpacktes Aufnahme- und Abspielgerät vor, das optisch Ähnlichkeiten mit einer Radarpistole aufweist. Es soll zum Einsatz kommen, wenn Menschen den Ablauf einer Diskussion stören oder an leisen Plätzen die Hausordnung missachten. Weitere Einsatzmöglichkeiten, etwa bei Parlamentariern, die ihre Redezeit überschreiten und trotz abgestelltem Mikrofon munter weitersprechen, sind denkbar.

Das Prinzip ist simpel: Die "Verstummungskanone" nimmt auf, was der jeweilige Sprechquerulant von sich gibt und spielt es ihm mit einer Verzögerung von rund 0,2 Sekunden vor. Ähnlich wie bei Anruf-Rückkoppelungen über die Lautsprecherwiedergabe soll dies auf psychologischer Ebene eine Hemmung auslösen, die es schwer bis unmöglich macht, weiter zu sprechen. Der Prototyp der Sprechpistole verfügt über ein Richtmikrofon und direktionale Lautsprecher, sodass es auch möglich ist, Dampfplauderer aus der Distanz "unter Beschuss" zu nehmen.

"Papagei-Effekt" stört Redner

Im Rahmen der Forschungsarbeit haben die beiden Erfinder, Kazutaka Kurihara und Koji Tsukada, auch herausgefunden, dass sich Vorträge, die abgelesen werden, deutlich leichter auf diese Weise unterbrechen lassen als spontane Reden. Durchgehende Variation der Wiedergabeverzögerung soll die Effektivität des Speech Jammers zudem erhöhen.

Bezüglich einer kommerziellen Verwertung ihrer Entwicklung sind sich die japanischen Wissenschaftler noch nicht sicher. Sie sind jedoch überzeugt davon, dass die "Shut Up Gun" einen wichtigen Beitrag zur Friedensstiftung leisten kann. "Wir müssen Regeln für den Ablauf eines Gespräches aufstellen und einhalten. Es geschieht immer noch oft, dass die negativen Aspekte des Sprechens zu einer Hürde für die friedvolle Beendigung von Konflikten werden", geben sie zu Protokoll.

pressetext hat die Psychologin Hermine Widl zur Wirkweise der japanischen Erfindung befragt. Sie bestätigt, dass das Prinzip durchaus funktioniert. "Man fasst einen Gedankengang und möchte ihn aussprechen, wird dabei aber blockiert. Denn das Hören des eigenen 'Ich' wird vom Gehirn als Prozess hierarchisch höher eingeordnet", sagt die Expertin. Der "Speech Jamming Gun" steht sie jedoch ablehnend gegenüber: "Die Waffenform des Gerätes ist ein zu radikaler Zugang. Ein gewaltvolles, pädagogisches Mittel dieser Art halte ich für sehr ungeeignet, um Gespräche zu moderieren."

Quelle: www.pressetext.com/Georg Pichler

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