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Führungskräfte sind erschöpft: Erschöpfung stärker als beim Durchschnitt der Beschäftigten

Archivmeldung vom 24.02.2024

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 24.02.2024 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Mary Smith
Auctority-Studie Erschöpfung bei FührungskräftenDez2023
Auctority-Studie Erschöpfung bei FührungskräftenDez2023

Bildrechte: Auctority GmbH Fotograf: Monika Adam, Auctority GmbH

Fast zwei von drei Führungskräfte in Deutschlands Unternehmen sind erschöpft. In einer aktuellen Umfrage der Beratungsagentur Auctority in Zusammenarbeit mit civey unter 1.000 Führungskräften gaben 61,6 % an erschöpft zu sein. Demgegenüber sahen sich 30,3 % als weniger erschöpft, 8,1 % der Befragten antworteten unentschieden. Frauen in Führungspositionen sind mit rund 65 % etwas stärker betroffen als Männer (60 %) und besonders stark schlägt sich die Erschöpfung in der Altersgruppe der 30-39-jährigen nieder, wo 72 % angeben, erschöpft zu sein.

Im Vergleich zu einer vorhergehenden Studie zeigt sich, dass Führungskräfte sogar deutlich stärker erschöpft als der Durchschnitt aller Beschäftigten mit 52,8%. Eine Lösung des Problems könnte in mehr Arbeitsteilung für Führungskräfte liegen. Eine Mehrheit von 61 % der Führungskräfte steht Modellen geteilter Führung offen gegenüber.

"Führungskräfte haben denselben Stress wie alle anderen auch, dazu kommt aber eine Zusatzbelastung durch ständig zunehmende Aufgaben, Erwartungen und Verantwortung", so Randolf Jessl, Geschäftsführer von Auctority und Mitautor der Studie. "Eine naheliegende, aber viel zu selten überhaupt ins Auge gefasste Lösung ist es, diese Führungsverantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen", so Jessl.

Die Bereitschaft, Führungsverantwortung zu teilen, wurde in der Studie ebenfalls abgefragt. Dabei zeigte sich eine Mehrheit von 61,3 % grundsätzlich offen für geteilte Führung, nur ein gutes Viertel (27,1 %) lehnten dies ab. Bemerkenswerterweise lehnt gerade die am stärksten belastete Altersgruppe der 30-39-jährigen Führungskräfte geteilte Führung mit 40,5 % am stärksten ab, und auch Frauen sind mit 29 % skeptischer als Männer (26 %).

Prof. Dr Thomas Wilhelm von der SDI Hochschule München und Mitautor der Studie sieht in geteilter Führung einen idealen Ansatz, gleich mehrere Ziele unter einen Hut zu bringen. "Wer Führung teilt, entlastet nicht nur sich selbst, sondern fördert auch die Einsatzbereitschaft und die Entwicklungsmöglichkeiten im Team. Umgekehrt gilt: Die erschöpfte Führungskraft verschleißt und erschöpft auch ihr Team."

Spannend ist die Frage, welche Form geteilter Führung die Führungskräfte selbst sich vorstellen können. So wären 50,6 % der Führungskräfte bereit, einen Teil der Führungsaufgaben in ihr Team zu übertragen (Collective Leadership). 48,5 % wären mit einem gleichberechtigten Tandem zweier Führungskräfte einverstanden, dem sogenannten Co-Leadership. Die komplette Selbstorganisation im Team kommt hingegen auf eine deutlich geringere Anzahl an Befürwortern, nur 22,4 % sehen hierin eine Lösung. Hier sind es wiederum besonders die weiblichen Führungskräfte, die Zweifel haben. Nur 12,3 % sehen darin eine Möglichkeit, sich sinnvoll zu entlasten, bei den Männern sind es immerhin 27,5 %. "Wer Hürden überwunden und endlich eine Führungsposition erreicht hat, sieht es wahrscheinlich als Verlust, diesen Status durchs Teilen zu gefährden", deutet Berater Jessl das Ergebnis.

Eine Sonderrolle nehmen junge Führungskräfte unter 30 ein. Die Tandem-Rolle ist für sie überhaupt nicht vorstellbar, hingegen ist die Übertragung von Führungsaufgaben bei 59,7 % populär, und 62,7 % können sich sogar die Selbstorganisation vorstellen.

Stefanie Junghans, als Führungskraft bei Haniel selbst im Co-Leadership-Modus tätig, wirbt für das Tandem-Modell. "Ein guter erster Schritt ins verteilte Führen ist es, eine Führungsposition mit zwei gleichberechtigen Führungspersonen zu besetzen. Das geschieht häufig in Teilzeitverhältnissen und sorgt dafür, dass sich zwei Personen abstimmen und ergänzen, jeweils ihre Stärken, Perspektiven und Netzwerke einbringen, im Innenverhältnis um die beste Lösung ringen und nach außen mit einer Stimme sprechen. Das führt allen vor Augen, dass man Führung teilen kann und Führung dadurch besser wird", so Junghans.

"Die Erschöpfung von Führungskräften ist auch das Resultat veralteter Vorstellungen von Führung und Organisation", ist Randolf Jessl überzeugt. "Die Führungskraft der Vergangenheit sah sich mit der überbordenden Erwartung konfrontiert, alles zu wissen und zu können. Das war schon immer falsch." Prof. Dr. Thomas Wilhelm hat eine Vision: "In Zukunft wird Führung nicht mehr so stark als One-Man-Show verstanden werden, sondern als Gemeinschaftsleistung, bei der jeder gefordert ist und zu der jede beiträgt. Das wird zur Entlastung formaler Führungskräfte führen und Entwicklungs- und Reifungschancen für Mitarbeitende und Teams eröffnen."

Wie geteilte Führung gelingen kann, dazu haben Randolf Jessl und Prof. Dr. Thomas Wilhelm sowie Stefanie Junghans mit ihrer Kollegin Janina Schönitz im vergangenen Jahr zwei Fachbücher veröffentlicht.

Über die Studie

Im Auftrag der Beratungsagentur Auctority hat das Meinungsforschungsinstitut Civey im Dezember 2023 Online 1.000 Führungskräfte in Deutschland zu Erschöpfung sowie zu Möglichkeiten geteilter Führung befragt. Die Ergebnisse der Studie werden im Februar als Factsheet veröffentlicht und können per E-Mail angefordert werden unter [email protected].

Quelle: Auctority GmbH (ots)

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