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Mit sechs Punkten zu mehr Chancengleichheit: Die Brailleschrift ermöglicht blinden Menschen ein unabhängiges Leben

Archivmeldung vom 02.01.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.01.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Bild: "obs/Christoffel Blindenmission e.V./Comfort Mussa/CBM"
Bild: "obs/Christoffel Blindenmission e.V./Comfort Mussa/CBM"

Während die anderen Papier und Stift zur Hand nehmen, greift Julienne im Unterricht zur Braille-Tafel. Die 13-Jährige aus Kamerun ist blind, und sie gehört zu den Besten in ihrer Klasse. Schnell flitzen ihre Finger über die Schreibtafel. Sie drücken mit dem Griffel die Punkte in das eingelegte Blatt der aufklappbaren Tafel.

Inzwischen ist Julienne genauso flink wie ihre Mitschülerinnern und Mitschüler, wenn sie sich Notizen macht oder ihre Klassenarbeiten schreibt. 1825 erfand Louis Braille die Blindenschrift, die jeden Buchstaben durch eine Kombination aus sechs Punkten ersetzt. Ein Meilenstein, der zahlreichen Menschen rund um den Globus das Lesen und Schreiben ermöglicht - und ihnen den Weg zu Schule und Beruf öffnet.

Anlässlich des Welt-Braille-Tags am 4. Januar erinnert die Christoffel-Blindenmission (CBM) an die Bedeutung dieser Punktschrift für blinde und sehbehinderte Menschen. Weltweit sind 36 Millionen Menschen blind. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern. "Dort sind blinde Kinder häufig noch immer vom Schulbesuch ausgeschlossen", sagt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Deshalb setzt sich die CBM in ihren Projekten dafür ein, dass diese Kinder Braille-Schrift lernen und zur Schule gehen können."

Bildung schenkt Zukunft

So war es auch bei Julienne. Das Mädchen kommt aus einer abgelegenen Region, drei Autostunden von der Hauptstadt Yaoundé entfernt. "In unserem Dorf gab es keine Schule für Kinder, die wie ich nicht sehen können", berichtet Julienne. Sie ist das jüngste von sieben Kindern. Ihre Eltern haben nicht das Geld, sie auf eine der wenigen inklusiven Schulen im Land zu schicken. Ohne die Hilfe des CBM-Partners Promhandicam hätte Julienne keinen Zugang zu Bildung und zu all den Möglichkeiten, die sich dadurch jetzt für sie eröffnen. Promhandicam ermöglichte dem Mädchen, die von ihm geförderte inklusive Schule in Yaoundé zu besuchen. Julienne fühlt sich wohl in dieser Schule, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen und spielen.

Wie viele ihrer Mitschüler, die aus ganz Kamerun hierherkommen, wohnt sie im angeschlossenen Internat. Der CBM-Partner trägt die Kosten für die Unterkunft, den Schulbesuch und die Braillematerialien. Julienne hat große Pläne für die Zukunft: Sie will einen sozialen Beruf ergreifen, anderen Menschen helfen und dafür nach dem Schulabschluss eine Ausbildung machen. Ihre Chancen stehen gut. Denn hier bekommt sie die Förderung, die sie braucht, um einmal allein im Leben zurecht zu kommen. Damit sie, so wie alle anderen auch, ihren Weg geht und ihr Land später mit ihren Fähigkeiten bereichert.

Quelle: Christoffel Blindenmission e.V. (ots)


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