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Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Freitod Adolf Merckles

Archivmeldung vom 08.01.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.01.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Inmitten der immer aufgeregteren Diskussion um die Finanzkrise und ihre Folgen zwingt der Freitod Adolf Merckles zum Innehalten. Zum Nachdenken über Werte. Über Verantwortung. Und über ihre Grenzen.

Nach allem, was man über den öffentlichkeitsscheuen Milliardär weiß, war Adolf Merckle das Gegenteil eines Raffkes. Zwar wird er als knallharter Verhandlungspartner geschildert. Aber zugleich eben auch als fürsorglicher, christlich geprägter Firmenpatriarch, der sich um seine Mitarbeiter in herausragender Weise sorgte, der Kunst und Wissenschaft förderte. Aus dem Familienbetrieb mit gerade einmal vier Millionen D-Mark Umsatz schuf er in vier Jahrzehnten ein Imperium mit 100 000 Mitarbeitern - und das alles geriet ins Wanken durch eine einzige, gigantische Fehlspekulation. Adolf Merckle blieb ein reicher Mann. Geldsorgen haben ihn nicht bedrückt, als er einsam auf einem Bahngleis seinem Leben ein Ende setzte - nicht ohne zuvor noch die Verträge zu unterschreiben, die einem Großteil seines Imperiums das Überleben sichern. Die Kraft für das eigene Überleben fand er nicht mehr. Sie waren einfach zu sehr eins geworden: Lebenswerk und Lebenssinn. Ja, wir wollen Manager und Unternehmer, die Verantwortung tragen. Adolf Merckle aber hat sich Übermenschliches abverlangt. Daran musste er scheitern. Denn auch er war nur ein Mensch. Fehlbar  - wie ein jeder von uns.

Quelle: Westfalen-Blatt

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