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Jugend und Corona in Deutschland: Die junge Generation am Ende ihrer Geduld

Archivmeldung vom 16.06.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.06.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Junge Menschen in Deutschland sagen aus, dass sie die Corona-Pandemie ihr Leben stark beeinflusst.  Bild: Simon Schnetzer / Studie Junge Deutsche Fotograf: Grafik: Simon Schnetzer
Junge Menschen in Deutschland sagen aus, dass sie die Corona-Pandemie ihr Leben stark beeinflusst. Bild: Simon Schnetzer / Studie Junge Deutsche Fotograf: Grafik: Simon Schnetzer

Auch nach 15 Monaten Corona-Ausnahmezustand zeigt die große Mehrheit der jungen Generation ein hohes Ausmaß an Solidarität und Bereitschaft, die Schutzregeln während der Pandemie einzuhalten. Im Vergleich der repräsentativen Befragung von Herbst 2020 zum Sommer 2021 hat die Bereitschaft unter 14- bis 29-Jährigen, die AHA-Regeln einzuhalten, um sieben Punkte von 73 auf 66 Prozent nachgelassen.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der zweite Sonderauswertung der Studie "Junge Deutsche", die heute veröffentlicht wurde. In die Studie war eine repräsentativ ausgewählte Gruppe von 1.011 14- bis 29-Jährigen einbezogen.

"Der Rückgang an Disziplin ist kein Zeichen von abnehmender Solidarität, sondern ein Hilferuf", sagt Studienleiter Simon Schnetzer: "Jugendliche wägen das Risiko von Regelverstößen gegen psychische Schäden ab, um endlich wieder Spaß im Leben zu haben". Die Erwartungshaltung an die Politik ist der Studie zufolge eindeutig: Jugendliche lehnen pauschale Verbote ab und wünschen sich nachvollziehbare und auf die jeweilige Situation bezogene Vereinbarungen, an denen sie beteiligt werden. Sie bewerten auch die Rangfolge beim Impfen skeptisch. "Sie sehen mit großer Irritation, dass ältere Bevölkerungsgruppen ihr Alltagsleben bereits wieder normal gestalten können und empfinden die Rechte für Geimpfte als große Ungerechtigkeit, solange sie kein Impfangebot bekommen haben", so Mit-Autor Klaus Hurrelmann.

Die größte Belastung durch die Corona-Pandemie erleben junge Menschen dadurch, dass sich für 53% die psychische Gesundheit verschlechtert hat und 48% das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Die Zielgruppenanalysen zeigen, dass Jugendliche und Studierende darunter leiden, dass Schulen und Hochschulen keine geeigneten Strukturen für den Digitalunterricht angeboten haben. Das Gefühl, die wichtigsten Parameter für die Gestaltung des eigenen Lebens nicht mehr selbst in der Hand zu haben, führt zu einer hohen Belastung im psychischen Wohlbefinden.

Das geht anschaulich aus den Interviews mit den Studienteilnehmern hervor. So berichtet eine 16-jährige Schülerin, dass sie sich vor drei Wochen in psychische Behandlung begeben musste. Ein 21-jähriger Angestellter fühlt sich gefangen in seinem Leben, weil ein Tag dem anderen gleicht. Eine 23-jährige Auszubildende leidet unter Burn-out-Symptomen, weil sie ihren Stress nicht wie sonst im Fitnessstudio abbauen kann. Eine 27-jährige Arbeitslose leidet an Depressionen wegen der erschwerten finanziellen und beruflichen Lage.

In der Studie wurde zum ersten Mal die Impfbereitschaft der jungen Generation erfragt. Die Ergebnisse sind eindeutig: Eine deutliche Mehrheit von 60% der befragten 14- bis 29-Jährigen möchte sich impfen lassen. 22% stehen einer Impfung abwägend gegenüber. Nur 18% wollen sich nicht impfen lassen. Den Jungen fällt es sichtlich schwer, zu der Gruppe der Bevölkerung zu gehören, die bei Schutzimpfungen gegen das Corona-Virus an letzter Stelle der Prioritäten steht. Sie möchten endlich ihre Freiheitsrechte zurückerlangen. Daher ist es nicht überraschend, dass nur 29% von ihnen Freiheiten für Geimpfte befürworten und 71% diesen kritisch gegenüberstehen oder sie ablehnen.

Die befragten 14- bis 29-Jährigen erwarten jetzt konkrete Entscheidungen, wie sie ihre Freiheiten schrittweise zurückgewinnen können und in die Impfangebote einbezogen werden. Nach Einschätzung der Autoren sollten alle diese Entscheidungen nicht über die Köpfe der jungen Leute hinweg gefällt, sondern möglichst mit ihrer direkten Beteiligung beraten und beschlossen werden. Die Jugend brauche jetzt ein deutliches Signal, dass ihre schwierige Situation politisch beachtet wird. Ansonsten sei mit Protesten und politischer Unzufriedenheit zu rechnen.

Datenbasis: Die Sonderstudie "Jugend und Corona in Deutschland" im Rahmen der Studienreihe "Junge Deutsche" basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung der deutschsprachigen Bevölkerung im Alter von 14 bis 29 Jahren. Insgesamt wurden für die Studie 1.011 junge Menschen befragt. Inhaltlich und methodisch wird die Sonderstudie von Simon Schnetzer geleitet und von Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann (Hertie School) beraten. Die Quotierungen für die Repräsentativität wurden vom Institut für Demoskopie Allensbach erstellt. Die Befragung wurde vom 13. bis 19. Mai 2021 von der Respondi AG durchgeführt.

Quelle: Simon Schnetzer / Studie Junge Deutsche (ots)

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