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Börsen-Zeitung: Stolzer Preis, logischer Schritt

Archivmeldung vom 13.07.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.07.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott

Der Deal ist eine echte Überraschung. Mitten in einer vermeintlichen Führungskrise stellt sich der Pharmazulieferer Gerresheimer neu auf, öffnet sein Geschäftsmodell für die Digitalisierung und investiert mit bis zu 350 Mill. Euro ein ordentliches Sümmchen. Dabei hatte der MDax-Konzern im Februar ebenfalls völlig überraschend seinen erst wenige Monate amtierenden Vorstandschef, den früheren BASF-Manager Christian Fischer, vor die Tür gesetzt. Die Suche nach einem neuen CEO läuft seitdem - und zieht sich hin. In der Zwischenzeit hat Finanzvorstand Rainer Beaujean auch das Amt des Vorstandssprechers übernommen.

Befürchtungen, die Lücke in der obersten Führung könnte Gerresheimer lähmen, hat der verbliebene dreiköpfige Vorstand am Donnerstag eindrucksvoll widerlegt. Die Erleichterung darüber dürfte auch einen Teil des beeindruckenden Kursanstiegs von bis zu 10% ausmachen, den der MDax-Wert gestern verzeichnete und damit Kursverluste vom Jahresanfang wettmachte.

Mit dem Kauf von Sensile Medical, einem Entwickler von vernetzten Mikropumpen für Medikamente, hat Interimschef Beaujean eine überzeugend klingende Strategie für die Weiterentwicklung des Konzerns vorgelegt.

Zugegeben: 350 Mill. Euro für ein junges, 2004 gegründetes Unternehmen, das noch kein zugelassenes Produkt am Markt hat, sind ein stolzer Preis. Und die vielversprechenden Umsatz- und Ertragsaussichten reichen weit in die Zukunft hinein. Das unternehmerische Risiko für den Traditionskonzern Gerresheimer, der sich vom Bierflaschenproduzenten zum hochspezialisierten Pharmazulieferer wandelte, hat sich mit Sensile Medical deutlich erhöht. Da machen sich zwei neue, gleichzeitig bekannt gegebene Großaufträge nicht schlecht, die für Stabilität im bisherigen Kerngeschäft sorgen sollen.

Gerresheimer scheint mit der Akquisition in der Schweiz einen intelligenten Ansatz gefunden zu haben, die eigenen Kompetenzen und den existierenden Zugang zu den großen Pharmaherstellern mit den Chancen der neue digitalen Möglichkeiten zu verknüpfen. Die Anwendungsfelder für die vernetzte Mikropumpe von Sensile Medical sind breit gefächert: Allein die derzeitigen Projekte reichen von Therapien für Diabetes über chronische Herzinsuffizienz bis zu Parkinson und Krebsmedikationen.

Bleibt die Frage nach dem künftigen CEO: Sie erscheint nach den Ankündigungen vom Donnerstag weniger drängend. Es läuft ja auch so.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Antje Kullrich

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