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Börsen-Zeitung: Auf der Rasierklinge

Archivmeldung vom 11.12.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.12.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott

Fünf Stunden Präsentationen, elf Referenten, 144 Folien: An Informationen hat es die Deutsche Bank auf ihrem Investorentag nicht mangeln lassen. Dass die Aktie dennoch schwächer als der Dax schloss, darf man als Indiz werten, dass sich die Begeisterung der Investoren in engen Grenzen hält.

Man muss aber ebenso konstatieren: Es ist auch nichts weiter kaputt gegangen, nachdem die Bank noch im September ihre Ertragserwartung leicht gesenkt hatte. Was bleibt? Zu einem kleinen Hoffnungsschimmer taugt, dass ausgerechnet die im Sommer gerupfte Investmentbank inzwischen zu einer etwas mutigeren Ertragsprognose Anlass gibt. Schließlich will die Bank den Beweis antreten, dass sie bis 2022 im gesamten Konzern den Ertrag halten kann, auch wenn sie bis dahin 18.000 Stellen abbaut. Schwerer als die jüngsten Signale aus der notorisch volatilen Investmentbank wiegt jedoch die strategische Position des Instituts: Konzernchef Christian Sewing hat die Bank den Investoren vor allem als Kostensenkungsfall verkauft.

Das ist sicher nicht falsch. Kostensenkungen aber sind beileibe kein Alleinstellungsmerkmal: Jedermann in der Branche muss sparen, und manche Bank hat damit sogar schon lange vor Deutschlands größtem Kreditinstitut angefangen. Was spricht außer einem nun überdurchschnittlich hohen Einsparpotenzial kurzfristig für die Deutsche Bank? Im Investment Banking hat die Ertragskraft im laufenden Zyklus den Höhepunkt überschritten, im Firmenkundengeschäft drohen im Zuge des Abschwungs höhere Belastungen, und im Privatkundengeschäft sorgt die Geldpolitik für Ertragsabrieb. Derweil droht das Management vor lauter Beschäftigung mit dem eigenen Umbau das nächste Mega-Thema zu verpassen: Seine Ausführungen zur Nachhaltigkeit beschränkten sich auf Aussagen zum geplanten Vertrieb passender Produkte.

Auf lange Sicht wiederum steht der Bank eine mächtige Inflation der Kapitalanforderungen bevor. Gut zwei Jahre nach den entsprechenden Beschlüssen hat sie am Dienstag erstmals den Effekt des Abschlusses von Basel III beziffert: schlappe 59 Mrd. bis 76 Mrd. Euro an Risikoaktiva. Mit überarbeiteten Regeln zum Handelsbuch sowie zu bankinternen Modellen läuft dies auf einen Anstieg des Eigenkapitalbedarfs um gut ein Viertel bis fast ein Drittel bis 2029 hinaus. Wer da an Nachsteuerrenditen von 8% glaubt, braucht neben Zuversicht mit Blick aufs Management auch Gottvertrauen. Die Restrukturierung der Deutschen Bank ist und bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Bernd Neubacher

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