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Börsen-Zeitung: Leise Fed-Töne, Marktkommentar

Freigeschaltet am 18.03.2017 um 06:05 durch Andre Ott
Die US-Notenbank Federal Reserve hat in der gerade abgelaufenen Handelswoche den Schlüsselzins (Fed Funds Rate) für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld erhöht. Er liegt nun in der Spanne von 0,75% bis 1%. Es war die dritte Leitzinsanhebung seit Ende Dezember 2015. Und der Schritt an sich sorgte im Markt auch für keinerlei Überraschung mehr. Schließlich war er seitens der Fed gut vorbereitet, d.h., die US-Notenbanker hatten die Märkte gut darauf eingestimmt.

Die Datenlage ließ im Grunde genommen auch nichts anderes mehr zu. Der US-Jobmotor brummt. Die Arbeitslosenquote zeigt mit unter 5% den Status der Vollbeschäftigung an. Ein monatlicher Stellenzuwachs außerhalb der Landwirtschaft von mehr als 200000 ist fast schon an der Tagesordnung. Die Arbeitnehmer haben von der guten Konjunkturlage auch etwas, denn die Stundenlöhne zeigen einen aufwärtsgerichteten Trend.

Auf dem falschen Fuß

Der Zinsschritt an sich sorgte somit auch kaum noch für Gesprächsstoff am Markt. Allerdings beschäftigen sich die Analysten im Nachgang zur Sitzung des Offenmarktausschusses, der die geldpolitischen Entscheidungen trifft, mit den begleitenden Worten der Fed-Chefin Janet Yellen. Ihre Kommentare auf der anschließenden Pressekonferenz haben so manchen Marktteilnehmer wohl auf dem falschen Fuß erwischt.

Das war auch an der ersten Marktreaktion der US-Staatsanleihen ablesbar - die erste Marktreaktion auf Konjunkturdaten oder Äußerungen von Notenbankern werden von vielen Akteuren als richtungsweisende Einschätzung des Marktes eingestuft -, die sehr deutlich ausfiel: Die Renditen der US-Staatsbonds, insbesondere am kurzen Laufzeitenende, fielen kräftig zurück. Die Fed erhöht also die Zinsen, und der Markt reagiert nicht etwa mit einer gleichgerichteten Bewegung, sondern genau entgegengesetzt. Zurückzuführen war das auf die leisen Töne, die innerhalb der Fed angeschlagen werden - schon wieder einmal, ist man geneigt hinzuzufügen.

Yellen erklärte, dass sie zwar weiterhin davon ausgeht, dass die US-Wirtschaft in den nächsten Jahren in moderatem Tempo wachsen wird und dass sie des Weiteren erwartet, dass die Kerninflation zulegen wird. Zugleich hielt sie aber auch fest, dass die Geldpolitik weiterhin konjunkturunterstützend sein wird. Das war ein erster Hinweis darauf, dass mit forschen Zinsanpassungen nach oben erst einmal nicht gerechnet werden sollte.

Yellen ergänzte zunächst, dass ein zu langes Warten später ein womöglich höheres Tempo bei Zinserhöhungen erfordern würde. Doch dann schränkte sie wieder ein, dass der neutrale Leitzins in den USA aller Voraussicht nach unter den Niveaus der vergangenen Dekaden liegen würde. Und das war schon ein deutlicher Hinweis, auf was sich die Märkte einstellen sollten.

Eine Fed Funds Rate von vier, fünf oder gar sechs Prozent, wie sie sich mancher Marktakteur vielleicht noch erträumt, sollte man wirklich vergangenen Zeiten zuschreiben und wirklich nur noch diesen. Solche Leitzinsen wird man in USA wohl kaum noch wiedersehen. Und nicht nur in den USA, auch für die Eurozone darf das aus heutiger Sicht getrost ins Reich des Unmöglichen verbannt werden.

Das Umfeld ist derzeit auch alles andere als so klar ausgestaltet, dass die Fed nun bei jeder Zinssitzung noch mal nachlegen kann. Es sind die bekannten Unsicherheiten hinsichtlich der Konjunktur- und Inflationsentwicklung, die die Fed immer mal wieder vorsichtig taktieren lassen werden. Auch die Schwellenländer werden ins Kalkül der US-Zinspolitik eingehen.

Kommt es den USA zu weiteren Zinssteigerungen, droht den aufstrebenden Volkswirtschaften Ungemach infolge von unter Umständen recht beträchtlichen Kapitalabflüssen. Solche unangenehmen Entwicklungen wird die Fed vermeiden wollen. Das tat sie auch schon in der Vergangenheit. Die große Unbekannte in der Zinspolitik der Fed ist aber immer noch US-Präsident Donald Trump und die Ausgestaltung seiner fiskalpolitischen Maßnahmen. Yellen widmete sich diesem Aspekt auf der Pressekonferenz sehr eingehend, was untermauert, welchen Stellenwert die Fed der Fiskalpolitik von Trump beimisst.

Druck nimmt ab

Vor diesem Hintergrund nahm denn auch der Anpassungsdruck nach oben bei den US-Staatsanleiherenditen deutlich ab. Das wiederum sorgt auch in der Eurozone für Entspannung. Denn wenn sich der US-Markt wieder in ruhigeres Fahrwasser begibt und der Aufwärtsdruck bei den Renditen gemildert wird, dämpft das auch den Renditeauftrieb in der Eurozone.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Kai Johannsen

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