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Lauterbachs Corona-Bruchlandung in Israel

Freigeschaltet am 14.09.2022 um 15:16 durch Sanjo Babić
Bild: xXanderxHeinl/photothek.dex/Imago Images/ Reitschuster/Eigenes Werk
Bild: xXanderxHeinl/photothek.dex/Imago Images/ Reitschuster/Eigenes Werk

Vorbemerkung: Auf dem Titelbild dieses Beitrags sehen Sie Lauterbach bei einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Nitzan Horowitz in Jerusalem. Bemerkenswert: Alle haben Masken auf, auch Merkels Ex-Sprecher Seibert, der jetzt Botschafter in Israel ist, nur Lauterbach hat keine auf – der Mann, der sonst bei jeder Gelegenheit alle auffordert, Masken in Innenräumen zu tragen. Dies berichtet der Investigative Journalist Boris REitschuster auf "Reitschuster.de".

Weiter berichtet Reitschuster: "Wahrscheinlich geht es vielen von Ihnen auch so wie mir: Man denkt, dass einen in Sachen Lauterbach nichts mehr überraschen könnte. Und man möchte eigentlich auch nichts mehr von ihm lesen. Oder gar hören – denn nicht zu Unrecht nennt ihn Oskar Lafontaine eine „Corona-Heulboje“.

Doch Lauterbach schafft es immer wieder, einen ins Staunen zu versetzen. Aktueller Anlass – sein Auftritt in Israel. Da er natürlich nur handverlesene Journalisten mitnimmt und kritische Berichterstatter keine Chance haben, einen der Plätze an der Sonne neben dem Minister zu ergattern, erfuhr ich die Ungeheuerlichkeiten nur aus zweiter Hand: Aus einem Bericht, den die „Welt“ schamhaft hinter einer Bezahlschranke versteckt hat. Wie die meisten ihrer Beiträge, die sich kritisch mit dem Thema Corona auseinandersetzen. So hat man einerseits die Chronistenpflicht erfüllt, was heute nur noch wenige große Medien tun. Andererseits wirbelt man nicht zu viel Staub auf und macht sich nicht allzu unbeliebt.

Gerne werfe ich für Sie einen Blick hinter die Bezahlschranke. Schon die Überschrift des Beitrags macht neugierig: „Lauterbach in Israel: ‚Unsere Regeln sind strenger als in jedem anderen europäischen Land‘.“ Auch der Vorspann ist starker Tobak für Lauterbachs Jünger: „Israels Pandemie-Management hielt Lauterbach lange für vorbildlich – heute setzt das Land aber auf Eigenverantwortung. Bei seinem Besuch wird dem SPD-Politiker der Kontrast zum deutschen Kurs vor Augen geführt.“

Braver Begleittross

Die ganze Geschichte wäre zum Lachen, wenn sie nicht zum Heulen wäre. Die Quintessenz: Lauterbach fliegt nach Israel, weil das Land immer mit die strengsten Corona-Regeln hatte. Ein Hardliner will sich offenbar Trost und Unterstützung bei anderen Hardlinern holen. Und dann das: In Israel angekommen, wird klar, dass die ehemaligen „Hardliner“ längst genau die Linie fahren, die Lauterbach um jeden Preis in Deutschland verhindern will: Sie setzen auf Eigenverantwortung statt auf staatliche Gebote und Verbote. Das Gesicht von Lauterbach, als er das begriff – wenn er es denn begriff – hätte ich gerne sehen wollen. Aber wie gesagt: Kritische Journalisten dürfen nicht mitreisen.

Dabei ahnte Lauterbach das Unheil offenbar gar nicht. Im Flugzeug, wo er sich mit Luxus á la „First Class“ verwöhnen ließ, war er noch guter Dinge, wie die handverlesene Kollegin von der Welt schreibt: „‘Kein Land hat in der Pandemie wissenschaftlich auch nur annähernd einen so großen Einfluss gehabt wie Israel‘“, schwärmt Lauterbach in der Flugzeugkabine. Und weiter: „Die Ministerreise nach Israel kommt also zu einem Zeitpunkt, an dem Lauterbach für seinen Corona-Kurs durchaus Rückendeckung aus dem Ausland gebrauchen könnte.“

Und dann statt der Rückendeckung eine volle Breitseite: „Noch auf der Reise des Ministers wird schnell klar, dass Israel einen Kurswechsel eingeschlagen hat. In dem Land gibt es kaum mehr Schutzmaßnahmen, die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln ist seit Ende April aufgehoben, selbst bei der jüngsten Corona-Welle im Juni wurde sie nicht wieder eingeführt. In Krankenhäusern und Pflegeheimen reicht das Tragen einer medizinischen OP-Maske. Politisch spielt Corona keine Rolle mehr, auch beim aktuellen Wahlkampf nicht. Das Credo: Eigenverantwortung.“

Verhöhnung der Bürger

Bei einem Treffen mit dem Generalsekretär des israelischen Gesundheitsministeriums, Nachman Ash sagt Lauterbach laut Welt: „‘Unsere Regeln sind strenger als in jedem anderen europäischen Land.‘ Dies rufe viel Kritik hervor, vor allem an seiner Person. Die Hälfte der Bevölkerung denke, wenn er weg wäre, wäre auch die Pandemie verschwunden, so der Minister, und einige im Raum lachen. Doch man müsse sich eben gut auf den Winter vorbereiten.“ Das muss man sich mal vorstellen! Auf der Bundespressekonferenz hat Justizminister Marco Buschmann von der FDP, die Dreistigkeit, Vorwürfe zurückzuweisen, wonach Deutschland Geisterfahrer in Europa sei (liest er meine Seite?). Keiner der anwesenden Hofjournalisten sagt etwas dagegen. Und dann gibt Lauterbach kurz darauf offen zu, dass Deutschland die strengsten Regeln hat. Was für eine Verhöhnung der Bürger!

Bei dem Treffen mit dem israelischen Gesundheits-Generalsekretär fragt Lauterbach laut „Welt“, wie sich Israel denn auf den Herbst vorbereite: „Wolle man nur abwarten und schauen? ‘Wahrscheinlich, ja‘, antwortet Ash. Statt Maßnahmen zu verhängen, wolle man bei den Risikogruppen für die angepassten Impfstoffe werben und häufiger das Medikament Paxlovid verabreichen.“ Lauterbachs Gesicht in dem Moment hätte ich gerne gesehen – denn faktisch hat Ash hier seinen gesamten Kurs abgewatscht. Er betont ja immer, man müsse sich vorbereiten, dazu sei der neue Maßnahmenkatalog nötig gewesen. Die „Welt“-Autorin verwischt das leider. Sie schreibt zu der Szene: „Lauterbach nickt, beide Themen haben auch für ihn Priorität. Doch der Eindruck bleibt: Bei der Einschätzung der Gefährlichkeit des Virus haben sich die beiden voneinander entfernt.“

Auch wenn der „Welt“-Artikel seine Kritik nicht nur hinter der Bezahlschranke, sondern auch zwischen den Zeilen versteckt: Im Vergleich zu den anderen großen Medien ist er geradezu vorbildlich. Einer schnellen Suche zufolge wurde bei ARD, ZDF, Süddeutsche und dem Rest der Regierungs-Verlautbarungs-Medien und -Blätter die Brisanz des Besuchs entweder gar nicht erwähnt oder heruntergespielt. Es ist das große Glück von Lauterbach im Besonderen und dieser Regierung im Allgemeinen, dass eine willfährige Presse auch noch ihre peinlichsten Aufritte und Fehler verschweigt oder, wie im Falle der Habeck-Aussage zu Insolvenzen, krampfhaft schönzureden versucht. Nur deshalb können sich Personen wie Lauterbach halten.

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Quelle: Reitschuster

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