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Streit um Beschneidungen geht weiter

Archivmeldung vom 11.10.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.10.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Manuel Schmidt
Durchführung einer Brit Mila. Die Beschneidung ist im Judentum weit verbreitet.
Durchführung einer Brit Mila. Die Beschneidung ist im Judentum weit verbreitet.

Foto: Cheskel Dovid
Lizenz: GFDL
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, wendet sich in der Beschneidungsdebatte gegen eine aus seiner Sicht überzogene Betonung des Kindeswohls. "Bei der im Gesetz vorgesehenen Berücksichtigung des Kindeswohls muss man sich vor einer ideologischen Instrumentalisierung hüten", sagte Mazyek der "Welt" (Donnerstag, 11. Oktober).

Es sei bei Muslimen "gängige Praxis, dass man den Willen des Jungen ernst nimmt und versucht, dem Kind eventuell vorhandene Ängste zu nehmen". Zu "warnen" jedoch sei beim Berücksichtigen des Kindeswohl "vor einseitigen Überinterpretationen". Im Übrigen, so Mazyek weiter, seien die Muslime "jederzeit offen für Gespräche darüber, wie und mit welchen Standards die Beschneidung konkret durchgeführt werden soll".

Gleichzeitig forderte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christian Woopen, klare Regeln für die praktische Durchführung der Vorhautentfernung bei Jungen. "Wenn der Gesetzgeber die Beschneidung bei Jungen ermöglichen will, dann braucht es wie bei anderen operativen Eingriffen auch Regeln für die Praxis, mit denen näher spezifiziert wird, wie und unter welchen Bedingungen dieser Eingriff durchgeführt wird", sagte Woopen der "Welt".

Allerdings stelle sich bei den Beschneidungen das Problem, "dass auch außermedizinische Aspekte eine Rolle spielen, sodass man den gewöhnlichen Weg rein ärztlicher Richtlinien oder Leitlinien nicht gehen" könne. Daher fordert Woopen, "dass sich nun die Betroffenen und beteiligten Gruppen - zumal Mediziner, Kinderpsychologen, Vertreter der Religionsgemeinschaften und Elternvertreter - zusammensetzen und fachliche Standards festlegen".

Das betreffe vor allem "Standards für die medizinische Durchführung des Eingriffs sowie für die Schmerzbehandlung beim Kind je nach Alter". Zu klären seien weiterhin die "Inhalte der elterlichen Aufklärung einschließlich der Risiken und möglichen Folgen" und "nicht zuletzt die Einbeziehung des Kindes und seines Willens". Dies müsse auch Teil der Ausbildung von Beschneidern sein. Welchen formalen Stellenwert "solche leitlinienartigen Regeln dann haben können, wird sich noch zeigen müssen", sagte Woopen der "Welt". "Aber ohne solche Regeln wird es nicht gehen."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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