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„Querdenker entführte Sohn nach Panama“: Eine (Falsch-)Meldung und ihre Geschichte – Bauchklatscher der Bild

Archivmeldung vom 28.09.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.09.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: Shutterstock (Symbolbild) /Reitschuster / Eigenes Werk
Bild: Shutterstock (Symbolbild) /Reitschuster / Eigenes Werk

„‘Querdenker‘ entführt Sohn nach Panama“ – diese oder ähnliche Schlagzeilen gingen in diesem Winter breit durch die Medienlandschaft, bis hinein in die Schweiz. Der Tenor der Artikel: Wegen einer drohenden Impfung habe ein Mann sein zehnjähriges Kind verschleppt. Dies berichtet der Investigative Journalist Boris Reitschuster auf "Reitschuster.de".

Weiter berichtet Reitschuster: "Die „Bild“ schrieb im Februar: „Der schlimme Verdacht der Mutter: Raphael wurde entführt, weil er nicht geimpft werden sollte. Der Sohn habe gesagt, dass er nichts gegen eine Corona-Impfung habe. Doch der Vater sei strikt dagegen gewesen.“

Inzwischen ist der damals entführte Junge wieder bei seiner Mutter – nachdem der Vater durch einen internationalen Haftbefehl in Panama festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert wurde. Das Amtsgericht Pforzheim verurteile den Mann jetzt für die Entführung des eigenen Kindes zu drei Jahren Haft. Dass sich bei der Verhandlung herausstellte, dass der Vater kein „Querdenker“ ist, und dass nicht etwa Angst vor der Impfung das Motiv war, erfahren die Leser in vielen Berichten über das Urteil überhaupt nicht – so wird es etwa in einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Sender SWR mit keinem Wort erwähnt. In anderen Berichten ist es nur am Rande, im Kleingedruckten, nachzulesen.

Den Vogel schießt die „Bild“ ab. Sie schreibt in einem Bericht über den Prozess: „Andere Medien hatten berichtet, dass er Impfgegner sei und nicht gewollt habe, dass sein Sohn geimpft werde. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu bisher nicht. Vor Gericht beteuerte der Mann, kein Coronaleugner zu sein: Der Angeklagte trägt Maske, hatte selbst Corona (nach eigener Aussage).“

„Andere Medien“? Im gleichen Artikel blendet die Bild zwei Vorschauen auf eigene Texte ab, in denen sie eben genau dieses Narrativ bedient:

Bild: Boris Reitschuster / Eigenes Werk

Peinlicher geht es kaum noch.

Dabei ist das Ablenkmanöver noch der geringere Skandal. Dass hier in den Überschriften breit ein falsches Narrativ verbreitert wurde, mit dem man der massiven, auch staatlichen Hetze gegen Kritiker der Corona-Impfung Vorschub leistete, und dann die Korrektur später weit unten im Text versteckt wird, ist nicht anders zu bezeichnen als perfide.

Bei den meisten Lesern wird die Schlagzeile von einst hängen bleiben. Und nicht die jetzige Richtigstellung.

Man kann sich für solche Medien nur noch schämen.

Und man muss immer wieder auf die Duden-Definition von Propaganda verweisen: Die „systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher o. ä. Ideen und Meinungen mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen.“

PS: Auch wenn es politisch höchst inkorrekt ist, möchte ich das Urteil von drei Jahren Haft für den Vater, der sein Kind nicht zur Mutter zurück brachte, sondern gegen seinen Willen nach Panama mitnahm (was nicht zu beschönigen ist und dem Jungen psychischen Schaden brachte), gegenüberstellen der Bewährungsstrafe, mit der ein abgelehnter Asylbewerber aus Afghanistan davon kam, der eine Elfjährige im Stadtpark von Neustrelitz missbrauchte. Allein die Erwähnung zweier solcher Urteile in einem Satz wird ja heute als „Populismus“ diffamiert. Ich finde, es ist umgekehrt: In einer Demokratie ist es zwingend, auch die Justiz immer kritisch zu hinterfragen."

Quelle: Reitschuster

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