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Aufruf von 70 Sprachforschern gegen Gendern im Gebühren-TV

Freigeschaltet am 01.08.2022 um 13:05 durch Sanjo Babić
Bild: Shutterstock (Symbolbild) /Reitschuster / Eigenes Werk
Bild: Shutterstock (Symbolbild) /Reitschuster / Eigenes Werk

Es ist schwerer Tobak aus der Wissenschaft – und gegen das „Gendern“ in den öffentlich-rechtlichen Sendern – ideologische Indoktrinierung, die die Indoktrinierten auch noch selbst bezahlen müssen, erhebt sich immer mehr Widerstand. Schon im Dezember gab es heftige Kritik von Gremienmitgliedern des ZDF-Fernsehrats an der umstrittenen Praxis. Dies berichtet der Investigative Journalist Boris Reitschuster auf "Reitschuster.de".

Weiter berichtet Reitschuster: "Der Bayerische Rundfunk wurde zum Gegenstand von Spott und heftiger Kritik, weil er sich in einer Diskussion mit folgender Abstimmung mit Schülern massiv blamierte und offenbarte, wie sehr es den Journalisten um eine Umerziehung der Menschen geht (siehe hier).

Jetzt geht der öffentliche Druck gegen das Gendern noch weiter: „Rund 70 Sprachwissenschaftler und Philologen fordern in einem aktuellen Aufruf ein Ende des Genderns im ÖRR“, schreibt die „Welt“ in einem Artikel, der leider hinter der Bezahlschranke steht. Unter den Unterzeichnern: „Mitglieder des Rates für deutsche Rechtschreibung, der Gesellschaft für deutsche Sprache, des PEN Deutschland, des Leibniz-Zentrums Allgemeine Sprachwissenschaft sowie eine ganze Reihe linguistische Schwergewichte.“ Den ganzen Aufruf finden Sie hier.

„Ausgangspunkt der Gender-Sprachpraxis sei ‘die Bewertung des generischen Maskulinums als diskriminierende Sprachform, die wir als Sprachwissenschaftler und Philologen zurückweisen‘“, heißt es in dem Aufruf laut „Welt.“ „Generisches Maskulinum“ ist der Fachbegriff für Substantive wie Freunde, Bürger oder Lehrer. Während Anhänger der Genderns sie für eine Benachteiligung von Frauen halten, werden sie aus wissenschaftlicher Sicht geschlechtsneutral gebraucht. Mit anderen Worten: Wer sie benutzt, denkt dabei nicht nur an die betreffenden männlichen Personen, sondern an die Gesamtheit.

‘Vorbild und Maßstab für Millionen‘

Die Sprache im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Radio sei „Vorbild und Maßstab für Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern“, machen die Wissenschaftler geltend. Daraus erwachse für die Sender die Verpflichtung, sich an geltenden Sprachnormen zu orientieren und „mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen“, mahnen die Sprachexperten laut „Welt“.

Die Wissenschaftler kritisieren dem Bericht zufolge zudem die „Missachtung der amtlichen Rechtschreibregeln“ bei den Öffentlich-Rechtlichen und eine „orthografische Freizügigkeit“ durch Gendersterne und andere Binnenzeichen. Mit dem Bildungsauftrag der Sender ist das nach Ansicht der Wissenschaftler nicht zu vereinbaren. Die Kunstpause vor dem „innen“ („Glottisschlag“) entspreche zudem nicht der geltenden Aussprachenorm, heißt es in dem Aufruf.

Das Gendern stehe zudem „nicht im Einklang mit dem Prinzip der politischen Unparteilichkeit“, zu der die Öffentlich-Rechtlichen als zwangsfinanzierte Sender verpflichtet sind und die laut Medienstaatsvertrag eine der Grundlagen für die Gebührenfinanzierung ist. „Die ‘gendergerechte Sprache‘ gründet auf der feministischen Linguistik der späten 1970er-Jahre. Deren Thesen (beispielsweise das Deutsche sei eine ‘Männersprache‘) weisen Sprachwissenschaftler bis heute als unwissenschaftlich und ideologisch zurück“, schreibt die „Welt: „Aktuell wird das Gendern nach Einschätzung der Aufrufunterzeichner ‘vorrangig von identitätspolitisch orientierten universitären Gruppierungen‘ vorangetrieben. Zu dieser ‘ideologisch begründeten Sprachform‘ müsse der ÖRR kritische Distanz wahren.“

‘Mit moralisierendem Gestus‘

Umfragen zufolge können sich die Wissenschaftler mit ihrem Appell auf eine breite Unterstützung der Menschen in Deutschland verlassen: Mehr als drei Viertel sind demnach gegen das Gendern in den Medien. Die Unterzeichner kritisierten zudem laut „Welt“ eine „vielfach mit moralisierendem Gestus verbundene Verbreitung der Gendersprache durch die Medien“. Dies sorge für „erheblichen sozialen Unfrieden“.

Initiator des Aufrufs ist der Germanist und Buchautor Fabian Payr. „Die Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind sprachprägend“, sagt er im Gespräch mit der „Welt“: „Sie sind, was einst Luthers Bibel war: ein Modell für ein einheitliches Deutsch.“ Es könne daher nicht angehen, dass in den Anstalten beim Sprachgebrauch Laissez-faire herrsche.

Auch wenn Payr damit in meinen Augen die Bedeutung der Öffentlich-Rechtlichen überschätzt – insbesondere bei den jüngeren Menschen, die ARD, ZDF & Co. kaum noch erreichen: An der Wichtigkeit und Richtigkeit seiner Initiative ändert das in meinen Augen nicht das Geringste. Umso bedauerlicher, dass der wichtige Artikel darüber in der „Welt“ hinter eine Bezahlschranke versteckt ist. Ich hoffe, mit meinem Beitrag hier kann ich da etwas entgegenwirken. Aber auch die Lektüre des Original-Aufrufs ist wertvoll.

Die Zeitung verweist allerdings auch darauf, dass die öffentliche-rechtlichen Anstalten keine einheitliche Linie beim Gendern verwenden – eine für mich überraschende Erkenntnis, sind meine subjektiven Eindrücke doch eher, dass die Gendersprache überwiegt. Wörtlich heißt es in dem Artikel: „Während der RBB-Jugendsender Fritz in den Nachrichten nach eigenen Angaben mit Kunstsprechpause gendert, verwenden im Deutschlandfunk nur manche Journalisten diese Sprechweise, andere nutzen praktisch ausschließlich das generische Maskulinum. Das ZDF möchte laut seiner Zuschauerredaktion ‘möglichst diskriminierungsfrei kommunizieren‘, worunter man offenbar den Gebrauch von Gendersternen versteht. Es gebe aber keine Vorgaben für die ‘Moderator*innen‘ und ‘Korrespondent*innen‘, heißt es aus Mainz.“

Absurde Antwort vom ZDF

Als ich diese Reaktion des ZDF in dem Beitrag las, musste ich schmunzeln. Selten findet man so viel Absurdität in einem einzigen Satz. Dass es keine offiziellen Vorgaben gibt, mag stimmen – allein die Nutzung der Gender-Sternchen in dem entsprechenden Satz ist aber ein Indiz dafür, wie die Stimmung ist in dem Sender. Und warum man durch Gendern ‘möglichst diskriminierungsfrei kommunizieren‘ würde, bleibt mir unerklärlich – wenn mehr als drei Viertel der Menschen diese Praxis ablehnen. Und sich möglicherweise genau dadurch diskriminiert fühlen.

Bei der „Tagesschau“ in der ARD herrscht laut der Zeitung „die gleiche Beliebigkeit“ (wobei ich beim ZDF eben diese Beliebtheit nicht sehe): „Während die Zuschauer in einer Ausgabe der Sendung mit einer Häufung von Beidnennungen und Partizipienformen wie ‘Mitarbeitende‘ beglückt werden sollen, fällt die nächste Ausgabe praktisch genderfrei aus. Ein Unding für die Sprachexperten.“

Das Ganze erinnert mich an milde autoritäre Systeme, in denen sich manche in vorauseilendem Gehorsam die Fahne der herrschenden Partei ans Revers heften, andere diesen Kniefall (oder bei manchen dieses ideologische Bekenntnis) jedoch vermeiden.

Aufrufinitiator Payr wünscht sich laut der Zeitung „verbindliche Regelungen in den Sendeanstalten“. Auch da teile ich die Einschätzung nicht zu hundert Prozent. Denn aktuell gibt es zwar keine „verbindliche Regelung“, aber doch massiven Anpassungsdruck an den Zeitgeist. Wer Karriere machen will, kommt um das Gendern schlecht herum. Ich würde von einer „quasi-verbindlichen Regelung“ sprechen.

Tendenziöse Bericht

Die Unterzeichner werfen den Sendern auch vor, bei ihren Berichten über das Gendern seien sie „unausgewogen, vielfach tendenziös und würden ‘im Wesentlichen die Legitimation der eigenen Genderpraxis‘“ beabsichtigen – was das Gegenteil von kritischem Journalismus wäre. Laut den Wissenschaftlern herrscht in den Angeboten von ARD und ZDF eine positive Darstellung des Genderns vor, wie die Welt schreibt: „Kritiker würden nicht selten als reaktionär, unflexibel und frauenfeindlich geschildert.“ Wenn „Experten“ zu Wort kämen, „so stammten diese vorrangig aus dem Lager der Befürworter“.

Kritik üben die Unterzeichner auch daran, dass zunehmend „psycholinguistische Studien herangezogen werden, um Veränderungen des Sprachgebrauchs zu legitimieren“. In dem Text heißt es: „Diese Studien liefern keinen belastbaren Beleg dafür, dass generische Maskulina mental vorrangig ‘Bilder von Männern‘ erzeugen. Vielmehr zeigt sich, dass die Kontextbindung, die zur Unterscheidung eines generischen von einem spezifischen Maskulinum entscheidend ist, in solchen Studien in wissenschaftlich unzulässiger Weise ausgeblendet wird. Es kann mithin aufgrund fehlerhafter Studiendesigns nicht als empirisch gesichert gelten, dass generische Maskulina (Genus) vorrangig im Sinne von ‚männlich‘ (Sexus) gelesen werden (Zifonun 2018, Payr 2022, Kurfer 2022). Die pauschalisierende Bewertung des generischen Maskulinums als grundsätzlich diskriminierende Sprachform ist auf wissenschaftlicher Basis nicht begründbar.“

Weiter steht in dem Text: „Auch andere zentrale Thesen der ‚gendergerechten Sprache‘ halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand, etwa die abwegige Behauptung von der angeblichen ‚Unsichtbarkeit’ der Frau in der deutschen Sprache (Pusch: ‚Das Deutsche als Männersprache‘) oder die These, mit einem Eingriff in sprachliche Strukturen könnten gesellschaftliche Veränderungen bewirkt werden (sprachidealistische Position). Wir weisen auch darauf hin, dass Gendern zu einer ausgeprägten Sexualisierung der Sprache, also zu einer permanenten Betonung von Geschlechterdifferenzen führt. Daher wird das wichtige Ziel der Geschlechtergerechtigkeit konterkariert und Gendern von einigen Debattenteilnehmern auch als sexistisch bezeichnet. (Pollatschek 2020). Im Hinblick auf das angestrebte Ziel – Geschlechtergerechtigkeit – ist Gendern also dysfunktional.“

Quelle: Reitschuster

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