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Wie Lernen funktioniert: "Dr. Mondino" erklärt im Video neuronale Freundschaften

Freigeschaltet am 20.08.2019 um 07:26 durch Andre Ott
Vokabeln lernen: Muttersprache klingt immer mit.
Vokabeln lernen: Muttersprache klingt immer mit.

Bild: Jakub Sproski/pixelio.de

Schülerinnen und Schüler sowie Berufstätige müssen nach den Sommerferien wieder "auf Alltagsmodus" umschalten. Das gilt auch für das Gehirn - denn nun heißt es in besonderem Maße wieder, früheres Wissen abzurufen sowie Neues zu lernen. Doch wie wird Wissen eigentlich im Gehirn abgespeichert? Wie funktioniert das Abrufen von Wissen?

Und was passiert mit Wissen, das man länger nicht mehr benötigt hat? Dazu gibt der neue animierte Erklärfilm der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung "Nichts vergessen - wie funktioniert unser Gedächtnis?" mit der fiktiven Figur "Dr. Mondino" Auskunft. Die Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Ingrid Ehrlich, Leiterin der Forschungsgruppe "Lernen und Gedächtnis" am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung Tübingen, erläutert weitere Aspekte.

Lernen: Auch neuronale Freundschaften müssen gepflegt werden

Das Gehirn - ein fein säuberlich geordnetes System mit Inhaltsverzeichnis? Weit gefehlt. Ein Sammelsurium von vielen Milliarden Nervenzellen ist im Gehirn für die Speicherung von Informationen verantwortlich. Die Informationen selbst werden in Gruppen ("Ensembles") aus mehreren Nervenzellen hinterlegt. Sind die Neuronen fast gleichzeitig aktiv, kann die Information abgerufen werden, die in diesem Ensemble abgespeichert ist.

"Man kann sich diese Ensembles wie verschiedene Freundeskreise vorstellen. Denn jede einzelne Nervenzelle kann nicht nur zu einer Gruppe gehören, sondern gleichzeitig zu sehr vielen verschiedenen", heißt es im Film. Wie bei echten Freundschaften gelte daher auch beim Lernen: Je öfters man gemeinsam aktiv ist, desto besser ist die Beziehung. Bei jeder Aktivierung eines Ensembles werden die Verbindungen zwischen den einzelnen Neuronen gestärkt und damit das Gelernte stabiler. Mit jeder Wiederholung einer Information rückt demnach ein bestimmter Freundeskreis in unserem Gehirn etwas enger zusammen. Und wenn man eine Information zum ersten Mal hört, entsteht quasi eine neue neuronale Freundschaft.

Erlerntes verschwunden oder nur versteckt?

Jeder Mensch kennt die Situation, wenn ihm plötzlich etwas nicht mehr einfällt, was er sonst stets im Gehirn abrufbar hatte. Für Prof. Dr. Ingrid Ehrlich vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung ist dies jedoch kein Grund zur Aufregung: "Es ist oft schwer herauszufinden, ob etwas wirklich vergessen oder nur so gut versteckt ist, dass wir die erlernte Information nicht mehr so einfach abrufen können. Es gibt für bestimmtes Lernverhalten Hinweise darauf, dass bei nochmaligem Lernen von etwas vermeintlich Vergessenem doch noch eine Erinnerung vorhanden ist, da man beim zweiten Mal schneller lernt."

Wird über eine sehr lange Zeit eine "neuronale Freundschaft" nicht gepflegt, kann dies aber durchaus zu einem tatsächlichen Vergessen führen: "Wie im richtigen Leben können auch im Gehirn Verbindungen verblassen und regelrecht abgebrochen werden", sagt Prof. Ehrlich. So schaffe sich das Gehirn Freiräume für andere Informationen. Gleichwohl gebe es auch negative Beeinträchtigungen von außen: Demnach könne der Abbau von "Ensembles" auch durch langanhaltenden Stress befördert werden.

Gute Lernumgebung schaffen - auch der Schlaf hilft beim Lernen

Grundsätzlich hat der Lernprozess selbst einen hohen Stellenwert für den Lernerfolg: "Ich kann nur etwas gut behalten, wenn ich es auch gut lerne", sagt Prof. Ehrlich. Ob das mit zusätzlichen Reizen verbunden ist, etwa mit Musik im Hintergrund oder bei einer anderen Beschäftigung, müsse jedoch jeder für sich selbst ausprobieren. Es könne aber sein, dass das Erinnern oder Abrufen der Informationen leichter fällt, wenn man dann wieder in der gleichen Situation oder Umgebung ist.

Wissenschaftlich erwiesen ist hingegen die positive Auswirkung des Schlafes: "Es gibt Studien, die zeigen, dass das vor dem Schlafengehen Erlernte im Schlaf gefestigt wird. Unser Gehirn ist nicht inaktiv im Schlaf, sondern vielmehr verarbeitet und konsolidiert es wichtige Informationen, die langfristig abgespeichert werden sollen. Dies passiert durch die Wiederholung der Aktivitätsmuster der Nervenzellen und derjenigen neuronalen Ensembles, die sich vorher im Wachzustand durch Lernen gebildet haben", stellt Prof. Ehrlich fest. Das Positive dabei: Wir müssen nichts aktiv dafür tun, sondern können es ganz einfach im Schlaf geschehen lassen.


Quelle: Gemeinnützige Hertie-Stiftung (ots)


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