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Corona-Maßnahmen auf Grundlage von Twitter-Umfragen? “Wir versuchen hier, die Datenlücken zu füllen“

Freigeschaltet am 12.09.2022 um 07:27 durch Sanjo Babić
Bild: XanderSt/Shutterstock/Reitschuster/Eigenes Werk
Bild: XanderSt/Shutterstock/Reitschuster/Eigenes Werk

Das überarbeitete Infektionsschutzgesetz (IfSG), das zum 1. Oktober 2022 in Kraft treten wird, steckt voller Widersprüche und evidenzbefreiter Maßnahmen. So soll in Fernzügen eine FFP2-Maskenpflicht gelten, in Flugzeugen aber nicht. Diese und weitere Änderungen des Entwurfs wurden den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags erst wenige Stunden vor der Beschlussfassung zugeschickt. Dies berichtet der Investigative Journalist Boris Reitschuster auf "Reitschuster.de".

Weiter berichtet Reitschuster: "Der CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge kritisierte das Hin und Her der Ampel bei der inhaltlichen Ausgestaltung dieses elementaren Gesetzesentwurfs scharf: „Zentrale Regelungen werden in letzter Minute verändert. Mit Wissenschaftlichkeit hat dieses Tauziehen nichts mehr zu tun.“

Um die Bundesregierung bei wichtigen Fragen zur Corona-Politik zu unterstützen, wurde im Dezember 2021 kurz nach Amtsantritt der Ampelkoalition ein Expertenrat ins Leben gerufen. Zur Aufgabe dieses Gremiums heißt es seitens der Bundesregierung: „Der Expertenrat informiert das Bundeskanzleramt auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse über infektionsbiologische, epidemiologische, gesundheitssystemische, psychosoziale und gesellschaftliche Entwicklungen.“ Und weiter: „Er erarbeitet Empfehlungen für die Pandemiebewältigung und zur Vorbeugung von weiteren Pandemien. Wesentliche Ergebnisse der Beratungen werden dem Bundeskanzleramt als Stellungnahmen oder Empfehlungen vorgelegt und grundsätzlich veröffentlicht.“

Tweet von Wissenschaftlerin sorgt für Empörung

Zu den Mitgliedern des Corona-Expertenrats gehört unter anderem auch Dr. Viola Priesemann. Die Wissenschaftlerin arbeitet am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Mit einem fragwürdigen Tweet offenbarte Priesemann jetzt, was sie unter „aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen“ zu verstehen scheint, mit denen sie die Bundesregierung beraten will. Am 7. September twitterte die Expertin unserer Regierung: „Wir versuchen hier, mit Hilfe von Twitter-Umfragen, die Datenlücken zu füllen. Danke für die Unterstützung bisher. Ich bitte hier nochmal um kurze Infos.“

Richtig ist: Die Datenlage in Deutschland zu Fragen wie etwa dem Grad der Immunität in der Gesamtbevölkerung oder wie viele Menschen ursächlich an Corona versterben ist gelinde gesagt als katastrophal zu bezeichnen. Ob nun aber ausgerechnet Umfragen auf Twitter das geeignete Mittel sind, um an diese für evidenzbasierte Maßnahmen eigentlich unentbehrlichen Daten zu kommen, muss doch arg bezweifelt werden. So wollen Priesemann und ihre Mitstreiter – die Expertin schreibt „wir“ – von ihren Followern wissen: Wie häufig haben Sie sich in den letzten zwei Monaten PCR-bestätigt mit Corona infiziert? Hatten Sie eine oder mehrere Covid-19-Infektionen in dieser Zeit, die nicht gemeldet wurden? Wie häufig hatten Sie in den letzten zwei Monaten die Vermutung (ohne Positiv-Test), dass Sie sich infiziert haben? Wenn Sie in der gesamten Pandemie noch keine Infektion hatten: „Was meinen Sie, war bei Ihnen der Grund?“

Unfassbar! Als wäre es nicht schon verstörend genug, dass ein offizielles Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung auf Twitter völlig ins Blaue hinein solche Fragen stellt, setzt Viola Priesemann noch eins drauf. Die Wissenschaftlerin fragt ihre Follower – oder wahlweise auch irgendwelche Bots oder Trolle – nach deren Vermutungen über mögliche Infektionen mit dem Virus. Motto: Nix Genaues weiß man nicht! Der Medizinstatistiker Gerd Antes zeigte sich in der Bild entsetzt über das Vorgehen Priesemanns: „In den letzten zweieinhalb Jahren wurde viel als wissenschaftlich verkauft, was den Namen nicht verdiente. Dass so etwas nun aus dem Max-Planck-Institut kommt, befremdet mich sehr.“

Priesemann flüchtet sich in Ironie

Das Max-Planck-Institut wollte sich auf Nachfrage nicht konkret zu dem Vorgang äußern und verwies lediglich auf einen weiteren Tweet seiner Mitarbeiterin. Dort versuchte Priesemann, den Spieß umzudrehen und die Kritik an ihrer Umfrage ins Lächerliche zu ziehen: „Verehrte Anti-Bubble, Sie kennen den Unterschied zwischen einer Twitter-Umfrage und einer wissenschaftlichen Studie! Das freut mich. Und natürlich ganz herzlichen Dank für den Hinweis.“ Die Bild hakte auch bei der Corona-Expertin selbst nochmal nach. Diese teilte jedoch lapidar mit, dass sie „aus Zeitgründen“ nicht für weitere Anfragen zur Verfügung stehe.

Es ist beängstigend, auf welchen Grundlagen zumindest einige Mitglieder des Expertenrats offensichtlich bereit sind, weitreichende Entscheidungen zu treffen, die tief in die Grund- und Freiheitsrechte der Bundesbürger eingreifen. Denn: Auch wenn Priesemann sich bei ihrer Selbstverteidigung in Ironie flüchtet, erscheint es doch offenkundig, dass sie und womöglich auch einige ihrer Kollegen („Wir“) die vorhandenen Datenlücken allen Ernstes mit Hilfe einer Twitter-Umfrage „zu füllen“ versucht haben. Andererseits ist es aber nur konsequent, denn schließlich bekommt jede Regierung die Experten, die sie verdient!

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Quelle: Reitschuster

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