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Ricarda Lang und ihr Kampf gegen die Realität: Grünen-Chefin gegen AKWs, aber für Kohlekraftwerke

Archivmeldung vom 02.08.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.08.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Bild: photocosmos1 / Shutterstock / Reitschuster / Eigenes Werk
Bild: photocosmos1 / Shutterstock / Reitschuster / Eigenes Werk

Wie eine 28-jährige Studienabbrecherin ohne jegliche Berührungspunkte mit dem Berufsleben zur Co-Vorsitzenden einer Regierungspartei werden konnte, wirft außerhalb der grünen Blase immer mehr Fragen auf. Je öfter sich Ricarda Lang zu tagesaktuellen politischen Themen äußert, umso klarer wird, dass jede Partei genau die Chefin bekommt, die sie verdient. Dies berichtet der Investigative Journalist Boris Reitschuster auf "Reitschuster.de".

Weiter berichtet Reitschuster: "Jüngstes Beispiel hierfür ist das ZDF-Sommerinterview. Ricarda Lang brachte den Großteil der 20-minütigen Sendezeit damit zu, dem Publikum zu erklären, dass Deutschland kein Stromproblem habe, sondern ein Wärmeproblem. Zuvor hatte ZDF-Moderatorin Shakuntala Banerjee die Grüne mit Forderungen ihres Koalitionspartners Christian Lindner (FDP) nach einer Verlängerung der Laufzeiten der drei noch aktiven Kernkraftwerke konfrontiert. Der Bundesfinanzminister hatte in der BamS gesagt: „Vieles spricht dafür, die sicheren und klimafreundlichen Kernkraftwerke nicht abzuschalten, sondern nötigenfalls bis 2024 zu nutzen.“ Linder forderte in diesem Zusammenhang auch ein Ende der Verstromung von Gas.

Ricrada Lang warb bei dieser Gelegenheit für das grundsätzliche Sparen von Energie und wies darauf hin, dass Gas bei der Stromerzeugung ohnehin kaum eine Rolle spiele. Daher bringe es auch nichts, die Laufzeiten der AKWs zu verlängern. Man dürfe „kein Pflaster nehmen, das nicht auf die Wunde passt“, zitierte Lang dazu einen Spruch, den ihr offenbar irgendjemand ins Skript geschrieben hat. „Das, was Christian Lindner da will, ist nichts anderes als der Wiedereinstieg in die Atomkraft. Und das wird es mit uns auf jeden Fall nicht geben“, beharrte die Grünen-Chefin.

Und dann, man glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, brach Lang plötzlich sogar eine Lanze für die von den Anhängern ihrer Partei so verteufelten Kohlekraftwerke. Diese seien in dieser Hinsicht viel effektiver, weshalb diese jetzt genutzt würden, so Lang. Einen Strommangel im Herbst und Winter werde es in Deutschland „nach bisherigen Erkenntnissen“ nicht geben, behauptete die Bundestagsabgeordnete. Da sie ihren eigenen Worten aber selbst nicht so recht Glauben schenken wollte, ließ sich Lang sicherheitshalber noch eine Hintertür offen, indem sie auf den zweiten Stresstest hinwies, der aktuell durchgeführt werde und dessen Ergebnisse es abzuwarten gelte. Dabei werden verschiedene Szenarien durchgespielt, wie sich eine weitere Drosselung bis hin zum völligen Lieferstopp von russischem Gas auf die Energiesicherheit in Deutschland auswirken könnte. Das hierfür verantwortliche Wirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) will die entsprechenden Ergebnisse im Laufe der kommenden Wochen präsentieren.

Lang will den Bock zum Gärtner machen

Auch innerhalb der Union werden immer mehr Stimmen laut, die sich nicht nur für eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten aussprechen, sondern inzwischen auch die Wiederinbetriebnahme der zuletzt stillgelegten Kernkraftwerke fordern. Ricarda Lang warf CDU und CSU ein Versagen beim Ausbau der erneuerbaren Energie vor und hatte dabei offenbar insbesondere Bayern im Blick: „Ich erwarte zum Beispiel von einem Markus Söder, ich erwarte eigentlich von allen, die uns in diese Lage gebracht haben, dass sie endlich Teil einer Lösung werden.“

In diesem Punkt hat die Co-Vorsitzende der Grünen ausnahmsweise sogar nicht einmal ganz Unrecht. Es ist unbestreitbar so, dass allen voran Union und FDP „uns in diese Lage gebracht haben“. Aber nicht etwa, weil sie sich dem Ausbau der erneuerbaren Energien verweigert oder diesen blockiert hätten. Vielmehr hat die damals amtierende schwarz-gelbe Bundesregierung nach dem Reaktor-Unfall in Fukushima im Jahr 2011 ohne Not den Atomausstieg auf den Weg gebracht. Und auch in den Folgejahren setzte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirklich alles daran, die deutsche Abhängigkeit von russischer Energie immer weiter zu erhöhen. Die Ernte für diese völlig verfehlte Politik werden Millionen Haushalte in den kommenden Monaten in Form von schier unbezahlbaren Strom- und Gasrechnungen sowie im schlimmsten Fall kalten Wohnzimmern zu begleichen haben.

Man kann Markus Söder sowie weiten Teilen von Union und FDP mit Sicherheit vieles vorwerfen. Auf diesen speziellen Punkt bezogen gilt jedoch die Feststellung, dass die ersten energiepolitischen Geisterfahrer der vergangenen Jahre ihren Irrweg inzwischen wohl erkannt haben und nun tatsächlich versuchen „Teil einer Lösung“ zu werden. Das Kardinalsproblem wird jedoch sein, dass es dabei nur noch um Schadensbegrenzung gehen kann, da viele der sehenden Auges begangenen Fehler wohl oder übel irreversibler Natur sind. Ricarda Lang verkennt hingegen weiterhin, dass die erneuerbaren Energien weder heute noch in der Zukunft dazu in der Lage sein werden, den Industriestandort Deutschland zuverlässig mit Energie zu versorgen. Anstatt inmitten der sich abzeichnenden Energiekrise den Bock zum Gärtner machen zu wollen, sollten die Grünen die Realität erkennen und akzeptieren, dass Windräder, Solarzellen und Wasserkraft nur zu einem eher kleineren als größeren Bestandteil eines zuverlässigen Energiemix werden können."

Quelle: Reitschuster

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